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Ein herzliches Hallo nach Deutschland,

und was man gleich dazu sagen muss: Frohe Weihnachten. Heute ist der 24.12. damit Heilig Abend und Weihnachten. Zumindest nach unserem Verständnis. Hier ist das ja eher englisch. Weihnachten ist also am 25.12. Für uns ist aber heute Weihnachten. Und das auch noch satte 12 Stunden früher als in Deutschland.

Obwohl eben so richtige Weihnachtsstimmung nicht aufkommt. Man sieht zwar in allen Schaufenstern „Merry X-Mas“ Schilder und im Radio auf dem Klo läuft Weihnachtsmusik. Aber es sind auch fast 20°C. Es liegt ein Schnee und es regnet nicht mal mehr. Man muss keine Geschenke packen und hat keine Familienessen. Stattdessen kümmert man sich eher darum: Was will ich heute sehen, welchen Campingplatz nehmen wir heute? Hab ich da auch WLAN? Und es hat auch alles Touristische geöffnet. Wir müssen uns keine Sorgen machen in einen Park nicht rein zu kommen oder eine Schiff nicht zu erwischen. Es läuft alles normal weiter. Irgendwie komisch. Aber auch seeehr entspannend.

Wir sind inzwischen schon eine ganze Woche weg, wenn man die Zeit in Sydney mit einbezieht. Und heute ist Tag 5 in unserem Campervan. Wir haben die Karre inzwischen unsere „fette Elke“ getauft. Durch den Umbau mit der Küche im Heck, die aus ziemlich massiven Blech konstruiert ist, dem Umstand, dass wir noch einen kleinen Wassertank im Heck haben für Frischwasser aus unserem Spühlhahn und da es noch einen Abwassertank gibt, hat die gute eine ziemliche Hecklast. Auf kurvigeren Strecken performt die Gute nicht so was das Thema Bodenhaftung angeht. Aber sie ist ja auch kein Sportwagen. Sondern unser Reisemobil.

Wir haben die Nacht ja in Dunedin verbracht – Achtung nicht zu verwechseln mit den Menschen des Westens aus Mittelerde, das wird anders geschrieben (Dúnedain) [im Land von Herr der Ringe sind solche dummen Wortspiele völlig ok, finde ich]. Heute gehen wir daher nochmal durch die Stadtmitte. Der Stadtkern ist aufgebaut wie ein Oktagon. Das darf man einmal abgelaufen haben – sagt der Reiseführer. Sehenswert ist vor allem die Kirche. Der Rest des Stadtkerns ist weniger spannend. Aber wir entscheiden ja selber wie viel Zeit wir dort verbringen wollen. Was ich aber auch noch nicht kannte: Bei Kreuzungen gibt es hier an vielen Ampeln eine komplette Grünphase für Fußgänger. D.h. Fußgänger in alle Richtungen haben gleichzeitig grün. Damit darf man zu Fuß auch diagonal über die Straße laufen. Für Fußgänger total toll. Im Autoland Deutschland vermutlich nich durchzusetzen.

Es geht weiter auf die Straße. Immer Richtung Süden. Wir nehmen einen kleinen Schlenker die Küste entlang. Unser nächstes Zwischenziel ist das Nugget Point Lighthouse. Auf einer kleinen Landspitze hat man einen wirklich tollen Ausblick auf die Küste. Die Strecke führt an den ersten tollen Stränden entlang. Das passt immer weniger zu diesem Weihnachten. Wenn die Sonne brennt und man mit dem Auto bei offenem Fenster an langen Stränden entlang fährt. Aber es ist ein geiles Gefühl.

Ganz oben auf der Landspitze steht tatsächlich ein kleiner Leuchtturm. Davor viele abgebrochene Felsen im Meer die ein tolles Bild abgeben. Ein friedlicher Ort. Auch wenn durchaus ein paar Touristen den Weg hierhin gefunden haben. Aber wir haben einfach Glück mit dem Wetter. Strahlend blauer Himmel. Ein frisches Lüftchen hier direkt über dem Meer. Unter uns schwimmen wieder diese Seelöwen durch das Wasser.

Bei der Weiterfahrt gibt es noch einen kleinen Halt an einem dieser tollen Strände. Einmal kurz die Füße ins Meer halten. Wenn man schon am Strand ist. Der Pazifik ist nicht gerade das wärmste Gewässer. Ein paar Surfer sind auch am Strand. Alle im Ganzkörperneopren. Die Strände sind hier viel tiefer. Der Sand ist flacher. Die Wellen laufen lange Strecken auf dem Sand aus.

Entlang der Route 1 kommen wir immer mal wieder durch kleine Städtchen. Der State Highway führt da direkt durch. Nicht wie bei uns, wo die Autobahn um die Städte herum geführt wird oder per Tunnel oder Brücke die normale Stadt nicht berührt. Hier ist die Hauptstraße eh nur einspurig. Und diese eine Spur ist dann eben auch die Hauptstraße des Dorfs oder der Stadt. Und die sind dann irgendwie sehr amerikanisch. Die Stadt hat dann eben diese eine zentrale Straße. Und gefühlt alle Läden drängen sich in der Ortsmitte dicht an dicht an diese Straße. Links und rechts gibt es breite Parkstreifen direkt vor den Läden. Wie in den USA genug Platz für die großen Trucks. Die hier auch erstaunlich viel gefahren werden.Das obwohl die Benzinpreise eher unseren Preisen entsprechend. Entsprechend teuer müsste es hier sein so ein Gefährt zu fahren.

Je weiter wir fahren je mehr kommen wir bei dem an was sich mein Kopf unter Neuseeland vorgestellt hat. Ein paar Kilometer weiter halten wir bei einem Aussichtspunkt. Vor uns ein langer orange-gelber Strand der direkt in einen dichten Wald übergeht. Dazwischen Palmen und Farnbäume. Davor ein tiefblaues bis türkises Meer.

Mein richtig erstes „Das ist fucking Neuseeland“- Erlebnis hatte ich allerdings erst beim nächsten Stop. Wir halten für die McLean Falls. Ein kleiner Fußweg führt durch meinen ersten richtigen Farnwald. Erst kommt der Parkplatz. Ein paar Büsche und Sträucher. Alles bekannt. Die Büsche werden langsam größer je weiter man den Weg geht. Es folgen kleine Bäume und die ersten kleinen Farne tauchen dazwischen ein. Bevor du dich versiehst läuft ein Flusslauf direkt neben dir. Die großen Bäume halten die Feuchtigkeit des Flusses untern ihren Blättern. Die Luft wird deutlich kühler. Und dazwischen wachsen richtige, richte Farnbäume. Alle Stämme sind von Moosen und Aufsetzerpflanzen und anderen Farnen überseht. Steine sind komplett in Moos gepolstert. Hier sieht es genau so aus, wie es in meinem Paludarium aussehen soll. Sobald nur etwas Licht auf einen Punkt fällt wächst dort irgendetwas. Alles ist grün. Alles wächst. Das ist mein Neuseeland.

Am Ende des Pfades gibt es dann auch noch den Wasserfall. Ein paar Steinterrassen bilden den Rahmen. Über eine Höhen von vielleicht 30m fällt hier das Wasser, bildet einen kleinen Pool aus dem das Wasser die letzten Stufen in das Flussbett zwischen den Bäumen mündet. Alles ist grün. Alles ist voll Moos. Ein Traum!

Die Fahrt geht weiter. Wir fahren in Richtung Invercargill der größten Stadt hier an der Südspitze der Südinsel Neuseelands. Auf dieser Strecke erreichen wir auch unsere Maximal-Entfernung von zu Hause. Das genau andere Ende der Welt, also die genau gegenüberliegende Seite von Hamburg, ist irgendwo ein paar hundert Kilometer im Meer vor eben diesem Küstenabschnitt. Dazwischen gibt es noch ein paar ganz kleine Inseln. D.h. wir sind nicht ganz auf dem am meist entferntesten Land von Hamburg. Aber eben fast ganz. Viel weiter weg sein von zu Hause können wir jetzt nicht mehr.

In Invercargill gehen wir Einkaufen. Vor Weihnachten, falls ihr morgen und übermorgen doch alles geschlossen sein sollte, laden wir uns noch unseren kleinen Kühlschrank voll. Man kann überrascht sein, was da nicht alles rein passt. Also für zwei Personen kann der Kühlschrank schon locker 5 Tage Essen hergeben. Wir sind für Weihnachten gerüstet!

Und damit haben wir auch unseren südlichsten Punkt der Reise schon erreicht und durchschritten. Ab jetzt geht es nur noch aufwärts. Und überhaupt. Das ist der südlichste Punkt, den ich in meinem Leben jemals bereist habe. Aber neben der Antarktis reicht nur noch etwas von Chile und ein wenig von Argentinen südlicher als dieser Punkt. Es geht also noch etwas weiter südlich. Aber nicht viel. Da merkt man erst einmal wie sehr die Landmassen im Norden der Erdkugel verteilt sind.

Das nächste Ziel sind die Milford Sounds. Angeblich DAS Bild wenn es um Neuseeland geht. Sounds sind hier übrigens das was wir als Fjorde kennen. Also kleine Täler ins Meer, durch die Eiszeit gebildet. Ganz bis dahin schaffen wir es aber heute nicht. Wir stoppen in Te Anau. Das kleine Tor in die Milford Sounds. Die letzten Kilometer machen aber schon klar: Jetzt bin ich wirklich in diesem Herr der Ringe Land angekommen. Eine hügellig, bergige Landschaft. Mit Wald oder mit großen Wiesenabschnitten. Ja, genau das hat sich mein Kopf so vorgestellt.

Unsere fette Elke steht auf dem Campingplatz. Es gibt ein Weihnachtsessen vom Gaskocher. Ein Mann fährt mit einer Rasenmähertraktor über den Campingplatz. Er trägt ein Weihnachtsmannmütze und ein Weihnachtsmannmantel ( also eher eine dünnen roten Fleecejacke ) und ruft „Ho Ho Ho“. Hinten auf dem Rasenmäher steht ein kleiner Junge mit einer langen Zipfelmütze. Vermutlich die Darstellung eines Wichtels. Daneben eine vollschlanke Frau. mit einer Weihnachtsmannmütze aber auch Engelsflügeln. Beide rufen „Merry Christmas“ und werfen kleine Bonbons auf die einzelnen Plätze der Camper. So ist Weihnachten hier. Da kommt Santa auf dem Rasenmähertraktor.

cheers.
Sebastian

1 thought on “ Am anderen Ende der Welt, Neuseeland – Tag 5, So weit weg wie möglich ”

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