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Distance: 0km

Ein herzliches Hallo nach Deutschland,

heute ging es in den Abel-Tasman National Park. Neuseelands kleinster Nationalpark wurde 1942, 300 Jahre nach Landung des niederländischen Entdeckers Abel Tasman, eingerichtet. Heute ist vor allem der 50km Küstenwanderweg bekannt.

Rechtzeitiges Aufstehen sicher die besten Plätze. Deswegen sind wir heute wieder etwas früher unterwegs und fahren mit dem Auto nach Marahau. Ab hier fahren die meisten Wassertaxis in den Park. Und heute haben wir Glück. Also zumindest im Vergleich zum Besuch der Gletscher.

Es gibt zwar nicht mehr die freie Auswahl zwischen den Touren. Leider gibt es keine Möglichkeit weiter in den Park hineinzufahren und aus der Mitte des Parks wieder abgeholt zu werden. Aber wir können uns zumindest One-Way im Park absetzen lassen um anschließen zurück zu laufen. So fahren wir von hier aus bis in die Anchorage Bay. Der Fußweg wird dann ca. 15km lang sein. Und wieder einmal perfektes Timing. Denn unsere Tour startete nur 10 Minuten später.

Zuerst werden wir alle nach den verschiedenen Destinationen aufgeteilt. Also die verschiedenen Buchten. Jeder Bootskapitän sammelt seine Leute zusammen. Es wird die Liste durchgegangen, ob denn auch alle da sind. Sind es natürlich nicht. Aber die fehlenden Gäste finden sich noch. Sie sind im falschen Boot eingestiegen. Ist nicht schlimm. Wird später getauscht.

Erstmal merkwürdig ist, dass wir bereits vor dem Ticketschalter in unsere Boote einsteigen. Das Meer ist nämlich noch gut einen Kilometer entfernt. Alle Boote, Motorboote mittlerer Größe mit ca. 30 Sitzplätzen, stehen hier bereit, auf einem Anhänger liegend. Alle hängen an alten Ford Traktoren. Inzwischen nicht ganz perfekt neu gestrichen. Aber sie tun immer noch ihren Dienst. Ich würde sagen, die Traktoren haben gut und gerne 50 Jahre auf der Uhr.

Es rollt also ein alter Traktor mit einem Boot auf dem Anhänger nach dem anderen vom Hof. Die Straße runter in Richtung Meer. Aktuell ist Ebbe. Der Unterschied zwischen Ebbe und Flut kann hier schnell eine Wasserstandsdifferenz von 4,5 Metern ausmachen. Der Strand ist aktuell sehr großflächig. Das Wasser weit zurück. Deswegen geht es auch erst einmal ein paar Meter durch den Sand und die ein oder andere Wasserpfütze. Dann dreht der Traktor. Unser Bootsführer wechselt vom Traktorfahrer zum Bootsführer. Einer der Kollegen schwingt sich auf den Fahrersitz des alten Ford und schiebt den Anhänger sehr zügig rückwärts in Richtung mehr. Ganz offensichtlich macht er das nicht zum ersten mal. Die hohe Bodenfreiheit erlaubt es dem Schlepper halb im Wasser zu versinken. Ein zügiger Ruck und eine schnelle Bremsung bei gleichzeitiger Rückwärtsfahrt des Bootes und schon gleitet unser Wassergefährt vom Auflieger ins Meer und wir fahren.

Man dreht noch im Boot noch zwei kurven. Einmal um einen zerbrochnen runden Stein zu sehen um den es irgendwelche Maori Legenden gibt und dann noch einen kleinen Abstecher um die Adele Insel, vor der noch ein paar Seelöwen liegen. Kennen wir schon. Nichts spannendes.

Nach knappen 25 Minuten kommen wir schon an unserem Zielstrand Anchorage Bay an. Und weil ich mich vorher nicht so recht damit befasst hatte war ich wirklich überrascht. Denn hier warten Südseestrände auf mich. Eine große Bucht. Überall im Wasser kleine und mittlere Boote. Etwas weiter draußen liegen hier auch richtige Yachten vor Anker. Überall um uns herum weiß- bis orange-rote Sandstrände feinster Güte.

Kurz vor dem Anlanden gibt es noch die Warnung – „Bitte ziehen sie jetzt ihre Schuhe aus. Die werden ansonsten nass.“. Einen Bootssteg gibt es nicht. Hier lässt man das Boot langsam rückwärts auf den Strand gleiten. Dann ein kurzer Sprung ins Wasser und schon bist du am Strand. Eine große Sandstrandbucht genauer gesagt. Direkt zur Linken gibt es eine kleine Landzunge, eine kleine Erhebung direkt am Meer. Hier führt uns der erste Wanderweg entlang. Einmal kreisförmig um die Landzunge den Pitt Head Trail entlang. Mit einem tollen Ausblick über die Bucht und entlang der Küste.

Ein kleines Stückchen geht es danach wieder zurück. Noch einmal entlang des Strandes an dem wir gelandet waren. Den in die andere Richtung geht es zu Cleopatras Pool. Das soll eine sehr schöne Badestelle in einem Fluss sein inmitten des Waldes. Wir nehmen den ganze direkten Weg dorthin. Einmal quer durch die Torrent Bay. Bei Hochwasser steht diese Bucht komplett unter Wasser. Jetzt ist hier aktuell noch Niedrigwasser. Der Grund liegt frei. Es steht noch etwas Restwasser. Aber man kann zu Fuß die Bucht durchqueren. Die Alternative der Weg durch den Wald einmal um die Bucht herum. Die Strecke wäre minimal länger. Aber sicher deutlich weniger spannend.

Auf der andere Seite geht es ein wenig an der Bucht entlang durch den Wald. Dann bewegt man sich bereits an dem Fluss der weiter oben Cleopatras Pool bildet. Und der Weg hat sich wirklich gelohnt. Auch wenn wir nicht die einzigen Touristen sind und es ein wenig später noch viel mehr werden, so sieht es hier doch fast so aus, als wenn hier nicht den ganzen Tag Touristen durchkommen und es ein verlassener natürlicher Pool im Mitten des Waldes sein könnte. Über die Jahrhunderte hat der Wasserstrom die Felsen an dieser Stelle mehr und mehr abgeschliffen und eine große Badewanne aus Stein ist entstanden. Ein paar Kindern plantschen hier im Wasser. In den Büschen laufen ein paar Vögel.

Als die Busladung Asiaten anrückt ist es für uns Zeit zu gehen. Wir wählen laut Karte die direkteste Route. Der Pfad ist allerdings so klein, den hätten wir fast schon übersehen. Außerdem nimmt kein anderer den Weg. Es ist wieder Adventure-Day! Und kurze Zeit später bereuen wir es schon fast. Der Weg ist der kürzeste weil er gerade über den Berg führt und nicht gemütlich drum herum. Aber wir sind nach dem Isthmus Peak ja noch einiges gewöhnt. Und so schlimm wird es bei weitem nicht. Aber auch hier wird man mit einer tollen Aussicht belohnt. Und tatsächlich kommen uns noch zwei Koreaner entgegen. Das sind aber auch auf der gesamten Strecke die einzigen, die sich hierher verirren.

Von oben sieht man die vielen kleinen Buchten. Und noch mehr Boote die in den Buchten oder kurz davor liegen. Hier fährt der Kiwi mit seinem Boot zum Urlaub machen hin. Warum auch nicht, wenn man etwas Südseefeeling direkt vor der Nase haben kann.

Irgendwann haben wir den Berg dann überquert und treffen wieder auf den normalen Gehweg. Hier sind wieder ein paar mehr Leute unterwegs. Irgendwann holen wir ein kleine Truppe ein. Man kommt ins Gespräch als ich gerade ein paar Vögel beobachte die direkt über dem Weg ein Nest haben. Das Paar gesetzten Alters kommt aus Neuseeland und verbringt hier ihren Weihnachtsurlaub. Ob ich aus Großbritannien kommen würde. Als ich das verneine wird mir ein sehr gutes Englisch bescheinigt. Frisst das 11 Klasse mit einer fünf im Englisch im Zeugnis.

Der Rückweg an der Küste zieht sich etwas. Der Hauptweg führt relativ gleichmäßig oberhalb des teilweise vorhandenen Strandes an der Küste entlang. In einer Bucht machen wir einen kleinen Abstecher hinunter an den Strand. Nachmittagspause sozusagen. Noch ein wenig die Füße ins Meer halten und etwas abkühlen.

Die nächsten Kilometer werden immer weniger spannend. Die tollen Wälder und Wasserläufe voller Moos lässt man hinter sich. Der Ausgang des Nationalparks nähert sich. Wir haben eigentlich einen guten Schritt drauf. Trotzdem überholt uns eine Hippie ohne Schuhe aber mit Didgeridoo in der Hand. Wenig später überholen wir ihn. Er sitzt am Wegesrand und war offensichtlich in irgendetwas hineingetreten. Der Fuß war vollkommen blutverschmiert. „I’m sorry for your feet, man!“, „That’s why you should wear shoes in the woods I guess.“, war unsere Konversation. Aber er sah weitestgehend glücklich aus und überholte uns etwas später erneut.

Irgendwann hatten wir dann das Ende des Weges erreicht und den Park wieder verlassen und kamen dort an wo wir heute morgen noch auf den alten Traktoren gestartete waren. Gute 22 Kilometer zu Fuß sollten es seid dem gewesen sein. Das reicht auch wirklich für heute. Ich war wieder sehr dankbar für Flipflops.

Wir machten uns also in unserer fetten Elke auf zurück aus dem National Park, wieder in Richtung Nelson, wo wir bereits die letzte Nacht verbracht hatten. Aber auch hier haben wir wieder die Neuseeländer unterschätzt. Auch der große Campingplatz von letzter Nacht war heute belegt. Hätten wir mal gleich für zwei Nächte gebucht. Nachher ist man ja immer schlauer.

Ein Blick auf booking.com offenbart, dass es auch nicht mehr viele Unterkünfte in der Gegend gibt. Und wenn, dann doch eher hochpreisig. Glück hatten wir in einem Hostel, 300m von dem Campingplatz entfernt. Glück weil super nette Leute und ein brauchbarer Preis. Nicht so Glück weil es für die Ausstattung doch nicht so günstig war und es eben nur 6qm waren. Ohne Fenster. Ohne Lüftung. Aber es ist ein Dach über dem Kopf und bisher unsere erste Nacht die wir nicht in unserer Elke verbringen. Auch etwas komisch.

Weil die Küche bereits besetzt ist und wir auch eigentlich gar keine Lust haben heute zu kochen wird der Assi-Tag ausgerufen und wir holen uns den großen Eimer bei KFC. Mit dem großen Eimer Hühnchenteile geht es dann an den Strand. Das Leben wie es sein sollte.

Auf unserem Zimmer buchen wir unser Hotel für morgen. Morgen verlassen wir die Südinsel und setzen auf die Nordinsel über. Die Fähre hatten wir schon beim Autovermieter gebucht und uns damit auf eine Uhrzeit festgelegt. Weil wir erst gegen 23h auf der Nordseite eintreffen wollen wir es am Silvesterabend nicht auf eine Suche ankommen lassen. Damit ist auch der Tag morgen schon gut vorbereitet. Jetzt aber die Füße hoch. Es reicht für heute.

cheers.
Sebastian

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