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Distance: 0km

Was bisher geschah: Sie erinnern sich vielleicht. Wir befinden uns in Neuseeland. Das ist ein kleines, aber sehr schönes Land am anderen Ende der Welt. Wir sind mit einem Campervan unterwegs auf der Südinsel. Wir fahren die Westküste hinauf. Es ist der neunte Tag.

Wir würden gerne auf einem Gletscher wandern. Hier gibt es den Fox Glacier und ca. 20 Minuten Fahrtzeit nördlich den Franz-Joseph Glacier. Auf beiden Gletscher kann man wandern, wenn man mit dem Helikopter hoch fliegt. Man kommt leider nicht mehr zu Fuß nach oben. Der Flug mit dem Helikoper ist nicht ganz billig. Aber wann ist man schon mal in Neuseeland und kann auf einem Gletscher wandern? Das außerdem vielleicht auch nur noch die nächsten 10 Jahre. Denn in spätestens 20 Jahren sind beide Gletscher komplett geschmolzen, wenn man die aktuelle Rate zugrunde legt.

Wir hatten Vorgestern einen Flug buchen wollen. Wir sind ja relativ frei unterwegs. Die Strecke ist nicht fest geplant. Wir starten morgens und gucken wo wir Abends ankommen. Das kollidiert leider etwas mit der Planung eines Fluges. Den die Hubschraubertouren scheinen aktuell mindestens 4 Tage im Voraus ausgebucht zu sein. Wir haben uns also vorgestern Abend jeweils auf die Warteliste setzen lassen.

Den ersten Anruf vom Team vom Fox Glacier haben wir bereits gestern bekommen. Doof nur, dass wir am Wandern waren und es dort keinen Empfang gab. Die Voicemailbenachrichtigung haben wir also 5 Stunden später bekommen. Das war nicht zeitnah genug. Der Platz war inzwischen vergeben. Das war gestern.

Die letzte Nach haben wir auf einem Campingplatz am Fuße des Fox Glaciers verbracht. Heute morgen nach dem Aufstehen findet sich die nächste Voicemail auf dem Telefon. Das Team vom Franz-Joseph Gletscher hätte Platze frei. Der Anruf war gestern Abend. Also auch hierher kamen die Anrufe nicht sauber durch. Chance 2 verpasst auf den Gletscher zu kommen.

Wir stehen extra früh auf. Wir wollen einfach direkt in die Büros der Touren fahren. Vielleicht ergibt es etwas vor Ort. Ein kurzer Stopp am Fox Glacier Office: Keine freien Plätze. Man kann sich aber auch nicht erinnern, dass man uns angerufen hätte. Wir fahren zur Station am Franz-Joseph Gletscher.

Wir stehen auf der Warteliste. Man kennt noch unsere Namen. Vor uns wären allerdings noch zwei andere Personen die ebenfalls bereits vor Ort warten. Es soll heute 10 Touren bis zum Mittag geben. Die Chance besteht also das vielleicht jemand nicht kommt. Nun beginnt unsere Wartezeit. Nach ca. 30 Minuten sieht es so aus, als wenn die beiden Wartenden vor uns tatsächlich aufgerufen werden und mitfliegen können. Das hebt die Laune bei uns natürlich ungemein. Ca. 10 weitere Minuten später kommt ein sehr verschlafen wirkendes Mädchen hektisch an den Empfangstresen und verlässt diesen kurze Zeit später mit einem sehr geknickten Gesichtsausdruck wieder. Sie scheint der Grund für den freigewordenen Platz zu sein. Jetzt brauchen wir nur noch genau einen weiteren Fall davon.

Diesen Gefallen bekommen wir allerdings nicht. Wir warten 2 Stunden vor Ort. Vergebens. Wir geben auf. Melden uns am Tresen ab. Die endgültige Frage: „Soll ich euch von der Warteliste streichen?“ müssen wir mit „Ja“ beantworten. Die Chance ist vertan. Keine Gletscher für uns. Wenn es einen nächsten Besuch hier geben wird, dann werden die Gletscher bis dahin geschmolzen sein. Der Stimmungstiefpunkt heute ist erreicht.

Wir steigen ins Auto und fahren zum Fuß des Gletschers. Hier kann man mit dem Auto hin und wenigstens bis an den unteren Rand zu Fuß gehen. 1909 war der Fußweg deutlich kürzer als heute. Es gibt verschiedene kleine Markierungen auf dem Weg zum Gletscher. Versehen mit Jahreszahlen steht bis wohin der Gletscher in dem Jahr noch reichte. Die Unterschiede sind erschreckend.

Der Fox Gletscher hatte dagegen von 1985 bis 2007 noch eine Phase der Ausdehnung. Die Eismassen bewegen sich bis zu einem Meter pro Woche vorwärts. Je nach Wetterlage kommt der Gletscher auf bis zu 15.000mm Niederschlag pro Jahr aufgrund seiner meernahen Lage.

Gute 1,5 Std. braucht man heute vom Parkplatz bis zum Gletscher und zurück wenn man den Franz-Jospeh besucht.

Als wir später wieder im Auto angekommen sind gab es die nächste Benachrichtigung zu einem verpassten Anruf. Das war aber wieder eine Stunde her. Wir halten trotzdem nochmal bei dem Heli-Unternehmen, bei dem wir heute morgen bereits Stunden gesessen hatten. Das Personal war inzwischen durchgetauscht. Keiner wusste mehr etwas von uns. Der Anruf war also vergessen. Das war der entgültige Abschluss mit dem Thema Gletscherwanderung. Es hat nicht sollen sein. Mindestens drei verpasste Chancen. Jetzt reichts. Wir sind wieder auf der Straße in Richtung Norden unterwegs.

Abseits von den Gletscher-Städten wird es deutlich ruhiger. Nicht mehr die vielen Touristen. Wir selber machen nur noch ein paar Foto Stops. Die Landschaft wird etwas flacher. Die Berge sind nicht mehr so markant auf diesem Abschnitt. Wir fahren immer mal wieder über kleine Flussärmchen mit dem berühmten neon-türkisen Wasser der Gletscher. Dabei kommen wir auch an einem sehr kräftigen Fluss mit einer atemberaubenden Färbung vorbei. Der Abrieb der Gletscherwände färbt hier das Wasser in strahlendem neon-türkis.

Wir halten in Hokitika. Es sieht wieder so aus wie in amerikanischen Kleinstädten. Die eine Hauptstraße mit den kleinen Geschäften an den Straßenseiten und den großen Autos davor.

Man kann hier auch schön an den Strand gehen. Abends soll der Sonnenuntergang hier sehr schön sein. Einfach mal Instagram bemühen.

Am meisten beindruckt aber der Name der örtlichen Pizzeria ( auch empfohlen im Reiseführer ). „Fat Pipi Pizza“ muss man auch erstmal draußen anschreiben wollen. Leider war der Laden noch nicht geöffnet, ansonsten hätte ich das allein für den Namen gerne ausprobiert.

Kurz hinter der Stadtgrenze soll es die erste Ansammlung von Glühwürmchen geben. Das stellt sich allerdings als nicht sehr erfolgreich heraus. Es ist keine Höhle sondern eine verwaldete Felswand. Vielleicht fliegt hier nachts irgendetwas das leuchtet. Aber tagsüber ist hier nichts zu sehen.

Unser Tag endet auf einem Campingplatz kurz vor Greymouth. Der Platz liegt direkt am Meer. Man braucht nur einmal 20 Meter durch das Schilf gehen. Schon steht man direkt am Meer. Obwohl wir heute einmal rechtzeitig einen Campingplatz aufsuchen und schon kurz nach vier aufsuchen sind schon alle Stellplätze direkt am Meer belegt. Wir haben trotzdem einen schön ruhigen Stellplatz.

Heute ist Waschtag. Eigentlich hat jeder Campingplatz bisher auch einen Waschraum mit Waschmaschinen und Trocknern. 4 $NZ kostet hier das Waschen oder Trocknen. Das sind 2 2-$NZ Münzen. Wir scheinen aber zu doof zu sein einen Waschgang zu starten mit unseren Münzen. Mit uns wäscht auch ein Camper aus Irland. Er hilft uns und bemerkt, dass die eine Münze irgendwie anders ist – weniger wiegt. Mit Falschgeld lässt sich der Automat also nicht betreiben. Er leiht uns eine andere Münze. Und so bekomme ich doch noch frische Wäsche für die nächsten Reisetage.

Gekocht wird heute wieder im Kofferraum unserer fetten Elke. Das Wetter ist sonnig. Gegessen wird auf der Bank direkt neben unserem Auto. Das Leben kann so schön sein …

cheers.
Sebastian

1 thought on “ Am anderen Ende der Welt, Neuseeland – Tag 9, Das Gletscher- Drama ”

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