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Distance: 0km

Hallo und liebe Grüße nach Deutschland,

Wir sind auf der Nordinsel von Neuseeland. Heute morgen müssen wir leider unseren Luxus-Campingplatz in Ohakune verlassen. Noch einmal die hohen Duschen genießen. Noch einmal das volle Potential des WLANs nutzen. Dann geht die Reise weiter. Wir verlassen den Tongariro National PArk und schlagen uns in den Nord-Westen. Unser Ziel: Der Waitomo Distrikt.

Aber vorerst gibt es dann doch noch einen kleinen Zwischenstopp im Tongariro. Denn fast direkt auf unserer Strecke am SH 47 liegen die Tawhai Falls. Ein kleiner Fluss mit einem kleinen Wasserfall. Das Ganze ist unweit des Tongariro Alpine Crossing Walks. Der Wasserfall und der kleine Weg entlang des Wasserfalls an sich sind schon sehr schön und einen Stopp wert. Hinzu kommt, dass man auch dieses kleinen Wasserfalls wieder aus Neuseelands bekanntesten Filmen kennt. Dieser Wasserfall ist der Geheime Weiher Gondors in dem Meister Faramir Gollum, Frodo und Sam aufgreift. Hier wird einem die wahre Macht von CGI bewusst. Im Film sieht die Szene ganz anders aus. Genug davon. Nächster Halt Waitomo.

Die Strecke dorthin führt uns am Lake Taupo vorbei. Dem größten See der Nordinsel. Die Landschaft auf der Strecke unterscheidet sich wieder wenig von Bekanntem. Es sind immer die Voralpen. Heute ist es eher aus der französischen Richtung gesehen. Wenn ab und an die Baumfarne nicht währen und es Schafe über Schafe zu sehen gäbe, dann würde es schwer fallen den Unterschied spontan auszumachen.

Unsere Verabredung für 15h sind diw Waitomo Caves. Die ganze Gegend durchzieht ein großes Netz aus unterschiedlichen Höhlensysteme. Insgesamt sind aktuell 280 verschiedene Höhlen bekannt und kartografiert. Es ist nicht ausgeschlossen, dass weitere Höhlen gefunden werden. Z.b. weil sie aktuell noch keinen Zugang haben oder nicht entdeckt wurdenm, weil sie auf Privatland liegen.

Alle Höhlen hier sind durch Auswaschung von Regen entstanden. Regenwasser fließt unter der Erde ab, trifft auf eine undurchdringliche Schicht und fließt über Jahrmillionen immer die gleichen Wege entlang. Nimmt dabei immer mehr Grund mit und formt auf diese Weise riesige Höhlen.

Neun dieser Höhlen sind durch Touren besuchbar. Wir besuchen eine davon. Unserer Aktion heute: Glühwürmchen-Höhlen-Rafting! Wir haben eine 3-Stunden Tour durch die Höhlen bei Kiwi Cave Rafting gebucht. Und es war der Oberhammer. Absolut mein Ding! Auf den ersten Blick sah das selbstgemale „Office“-Schild und die etwas einfache Unterkunft nicht sehr vertrauenswürdig aus. Drinnen sind alle Wände beschrieben mit den Namen und Grüßen glücklicher Teilnehmer rund um die Welt. Eher ein richtiger Backpacker Laden. Macht schon wieder sympathisch.

30 Minunten vorher ist auch hier der Check-In. Wir sind eine kleine überschaubare Gruppe von 6 Personen plus unseren Guide Tony ( vielen dank an dieser Stelle nochmal für eine richtig tolle Erfahrung, hat seehr viel Spaß gebracht ). Erst geht es mit einem kleinen Bus ins Basislager. Die Höhle liegt ein wenig außerhalb auf Privatgelände. Kurz vorher gibt es eine Hütte und ein Lagercontainer. Auch hier der erste Eindruck: Ganz schön improvisiert. Aber hey. Was solls. Hier gibts unsere Ausrüstung. Neopren-Anzüge, -Weste und Gummestifel für alle. Außerdem einen Sicherungsgurt. Die Sachen sehen alle super aus.

Nachdem alle umgezogen sind geht es nochmal 5min mit dem Bus weiter. Jetzt stehen wir am Eingang der eigentlichen Höhle. Draußen gibt es eine kleine Trockenübung. Denn das Abseilen in eine Höhle macht ja viel mehr Spaß als Leitern steigen oder ein komfortabler Lift. Die Höhle ist 30m tief. Da geht es schon ein wenig nach unten. Und weil es so spannend aussieht – ich natürlich gleich als erstses. Und dann heißt es wirklich: einklinken und dann in den Gurt fallen lassen. Und dann hängst du da. 30 Meter über dem Abgrund. Und jetzt bitte selber ablassen. Nach ein paar Metern hängt man dichter an der Wand. Man muss sich also abstoßen und so hüpft man dann mehr oder weniger geübt die Höhlenwand hinunter bis man unten im Wasser landet. Ausklinken. Der nächste bitte. So kommt die Truppe langsam nach unten. Sowas hab ich vorher noch nie gemacht. Voll geil. Ein Traum.

Direkt vor uns kommt eine Truppe gerade wieder aus den Höhlen. Sie bringen uns schon mal unsere Gummireifen. Für uns geht es dann erst in den Höhlenteil Stromaufwärts. Also jeder seinen Gummireifen unter den Arm klemmen und los. So watet man vorsichtig durch die Höhle. In dem Neopren ist es nicht kalt. Das Wasser an den Füßen ist frisch, aber nicht sonderlich kalt. Es geht durch verschiedene Seitenarme. Hier eine kleine Lehmhöhle in die man nochmal reinkriechen kann. Dort gibt es ein kleines Loch durch das sich alle einmal durchzwängen dürfen ( um zu testen ob denn auch alle mit kleinen Engen klar kommen ), erst dann darf man auch durch die nächsten Röhren kriechen. Und so gibt es überall kleine Hindernisse an denen man spielen kann.

Besonders beeindruckend sind aber natürlich die Höhlenteile, in denen sich die Glühwürmchen zu Hauf aufhalten. Die kleinen Würmchen sind das Larvenstadium einer Eintagsfliege. Die adulten Tiere haben keinen Verdaungsapparat. Sie leben nur etwa 5 Tage. In der Zeit vermehren sie sich. Verlassen dabei aber nicht die Höhlen. Die abgelegten Eier entwickeln sich zu den Würmchen. Die als erstes die ungeschlüpften Nachbarn frisst. Später baut es ein Netz aus kleinen Fäden die einzeln von der Decke hängen. Darin soll sich Beute verfangen. Um die Beute anzulocken leuchten die Würmchen. Die kleinen Tierchen reagieren auch Bewegung und Vibration. Lauten schlagen der Gummiringe auf das Wasser lässt die Würmchen annehmen, Beute nähert sich. Sie leuchten stärker.

In einer unterirdischen Höhle an und in einem unterirdischen Fluss in völliger Dunkelheit sitzen und einfach nur nach oben starren, wo eine gefühlte Million Glühwürmchen die Höhle erleuchten ist unbeschreibblich großartig. Wahnsinn. Das Leuchten hat einen Blauton. Man kann als also farblich nicht mit dem Sternenhimmel vergleichen. Es ist durch die Nähe auch intensiver. Es ist einfach nur großartig.

Als bilogosch interessiert Froschhalter bleibt es auch für mich immer noch faszinierend wenn man weiß, dass um das Leuchten drum herum ganz viele Schleimfäden hängen. Andere mag das an der Stelle weniger begeistern. Aber in der Höhle ohne Helmlampe sieht man das auch nicht.

Spannend ist aber was dort noch alles in der Höhle lebt. In dem Wasserstrom lassen sich sehr leicht ein paar Aale finden. Keine Ahnung wie die da jemals hingekommen sind wenn sich der Strom nur aus Regenwasser speisst und die Höhlen keinen Ausgang in ein Gewässer haben sondern versichern. Irgendwann müssen die Tier also über Land gewandert sein.

Dortunten ist uns aber auch eine Spinne begegnet. Genau wie die Würmchen muss auch sie von anderen Beutetieren leben. Ich kann mit gaf nicht vorstellen, dass durch die Öffnung so viel „Futter“ in die Höhlen gelangt, dass so viel davon leben kann. Außerdem finden sich hier an den Wänden immer mal wieder kleine „Grashüpfer“. Ich muss nochmal recherchieren was das genau war. Auf jeden Fall recht groß. Eine Nahrungsmittelknappheit kann es hier unten also eigentlich nicht geben. Aber ohne den Menschen wäre die Höhle ja fast vollständig dunkel. Unglaublich faszinierend.

Weil ich so fasziniert von allem war und auch eine offensichtliche Erfahrung in der Absicherung von Gruppen – die Freiwillige Feuerwehr macht sich eben immer bezahlt – wurde Tony auch nicht müde zu erwähnen, dass sie auch gerade noch weitere Guides suchen. Für mich wäre das defintiv eine Option für den Austieg. Wenn man mal mehr keinen Bock auf den ganze Mist hat. Auswandern und wenigstens für eine paar Saisons Touristen durch Höhlen führen. Voll mein Ding. Genau meine Temperatur. Eine spezielle Lizenz braucht man nicht.

Jetzt werfen wir und endlich in unsere Gummireifen und lassen uns einfach mit der Strömung den Fluss hinunter treiben. Viele Stellen sind tief genug. Ständig spößt man irgendwo an. Muss sich abstoßen oder wieder auf die gerade Bahn bringen. Licht aus. Treiben lassen und einfach an der Decke den Sternenhimmel in blau genießen.

Der Spaß ist leider viel zu schnell vorbei. Auch wenn es drei Stunden sind. Wir sind die letzte Gruppe für heute. Aus der Höhle nach oben wird geklettert. Jeder wird einzeln gesichert. Aber dann heißt es alleine die Wand hochhangeln. Lange Arme und Beine sind hier ein Vorteil glaube ich. Ich klettere als letzter hoch und schließ sozusagen noch unten ab. Was für ein toller Tag.

Zurück zur Bergstation mit der Ausrüstung. Dort gibt es auch Duschen. Umziehen und dann geht es mit dem Bus wieder zur Basisstation. Jeder bekommt noch eine heiße Tasse guter Dosensuppe. Nebenbei werden die Bilder laufen gelassen die unser Guide während der Tour gemacht hat und nun für 25$NZ uf USB Stick gekauft werden können. Die Tour war super und deutlich günstiger als die anderen. Und selber hatte meine keine Kamera mit. Natürlich kaufst du dir das ( nicht verraten, den anderen Teilnehmern hab ich einfach mein Telefon gegeben mit einer offenen Evernote Seite „Type in your email address, I’ll send you the pictures“ ).

Und schon ist der Tag wieder vorbei. Gut, dass wir den Campingplatz schon vorher gebucht haben. Direkt vor den Höhlen haben wir auch bereits eingecheckt. So können wir jetzt direkt auf unseren Platz fahren. Das WLAN ist mal wieder der letzte Mist. Manchmal schafft man es auf Übertragungsraten von fast 2kB/Sek. Aber nur selten. Selbst WhatsApp-Nachrichten brauchen schon mal eine Stunde bis sie durchgehen. Heute ist also nicht mehr viel zu erwarten. Bis morgen.

cheers.
Sebastian

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