gefahrene Kilometer heute: 46.27 km
gefahrene Kilometer gesamt: 770.35 km

Regen! Regen! Regen!
Das Wetter heute meint es einfach nicht gut mit uns. So wie man hört aber schon das ganze Jahr nicht mit Yogyakarta. Normalerweise ist von März bis Oktober Trockenzeit. Zum Jahresende sei daher auch meistens der Rasen verbrannt bevor es dann im Oktober wieder losgeht, so ein Reiseführer heute. Allerdings nicht in diesem Jahr. In diesem Jahr hätte es in Yogyakarta durchgehend geregnet. Und so einen Tag haben wir auch heute erwischt.

Auf dem Programm standen für heute der Sultans-Palast, das Wasserschloss des Sultans sowie die Prambanan Tempelanlage.

Los ging es mit dem Palast des Sultans. Der Sultan ist der islamische Herrscher. Er ist dabei aber kein religiöser Lehrer. Hier in Yogyakarta hat der Sultan auch aktuell noch eine teilweise autonome Rolle.

Der Palast des Sultans kann besichtigt werden, obwohl der Sultan darin wohnt. Sein Wohngebäude ist allerdings nicht zu besichtigen.

Zu dem Sultanpalast gehört noch ein Gebäudekomplex für die Frauen des Sultans. Grundsätzlich können es beliebig viele sein, der strenge Islam beschränkt die Anzahl auf vier Frauen. Im klassischen Sinne ging es bei mehreren Hochzeiten aber immer um das Schaffen einer großen Auswahl nach Nachfolgern. Der Sultan bestimmt seinen Nachfolger aus seinen Söhnen, welchen immer er als am geeignetsten befindet. Es muss also z.B. nicht der älteste Sohn sein.

Es gab Sultane vor ihm mit 80 Kindern von 24 verschiedenen Frauen. Der aktuelle Sultan dagegen hat 5 Töchter. Er selber will nicht mehr als eine Frau haben und vertritt im allg. sehr moderne Ansichten. So durften seine Töchter alle ihren Mann selber auswählen. Die jüngste Tochter hatte vor zwei Jahren geheiratet. Mit 7000 Gästen war es allerdings eine kleine Feier.

Da der Sultan noch keinen männlichen Nachfolger hat, es aber im Islam nur einen männlichen Nachfolger geben darf, trotz aller Moderne, gibt es natürlich jede Menge Gerede im Palast, wie es denn nun weiter gehen werden. Möglich ist das ein Bruder oder ein Neffe der nächste Sultan wird.

Der Tempel und die Auffassungen des Sultans gerade in religiöser Hinsicht sind so wie man sich ein gutes Miteinander vorstellt. Auch wenn er der islamische Herrscher ist, so stehen im Palast zum Zeichen der Einigkeit buddhistische Statuen und es werden regelmäßig Puppenspiele angezeigt die dem Hinduismus entstammen. Es wird der Grundsatz gelebt, dass alle Menschen Brüder und Schwestern sind und die Religion eine Frage des Herzens ist. Daher müssen im Palast die islamischen Frauen auch nicht verschleiert herumlaufen.

Ein weiterer Gebäudekomplex ist den Prinzen des Sultans vorbehalten. Dieser Gebäudeteil ist entsprechend aktuell nicht in Benutzung und kann daher besichtigt werden.

Im Palast des Sultans sind 3000 Menschen für den Sultan tätig. Die meisten davon ehrenamtlich. Sie empfinden es als eine Ehre dem Sultan zu dienen. Dementsprechend sind viele dieser Leute Rentner. So auch die Garde des Sultans oder die Gamlan-Spieler, das klassische Orchester in Indonesien.

Der Sultans Palast hat bei mir einen wirklich tollen Eindruck hinterlassen. Weniger wegen toller Aussichten oder architektonischer Raffinessen. Vielmehr ist es ein tolles menschliches Miteinander und ein gegenseitiger Respekt fernab von irgendwelches religiöser Ideale.

Die nächste Station sollte die Prambanan Tempelanlage sein. Wir sind gerade noch im Trockenen angekommen, haben trotzdem aus Vorsicht einen Regenschirm von unserem Fahrer mitgenommen. Aber kaum waren wir durch den Eingang und in den Händen unseres Tempelführers ( der mal mit einem Deutsch-Indonesischen Austauschprogramm durch Deutschland gereist ist und nun sehr gutes Deutsch sprach – auch wenn man das ja gar nicht unbedingt alles auf deutsch hören will, sondern gerne sein Englisch trainiert ), da fing der Regen langsam an und binnen 5min mochte man nicht mehr vor die Tür treten. Der eine Regenschirm den wir uns ausgeliehen hatten, war natürlich auch noch kaputt. Man konnte ihn also nicht mehr ganz aufspannen und musste ihn zudem noch festhalten, damit er sich nicht wieder schloss.

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Wir retteten uns also in die erste Tempelkammer und warteten den Regen ab. Wir hatten Glück und nach 20min war der große Regenguss vorüber. Danach konnten wir noch ein wenig so um die Tempel laufen, auch wenn in großer Eile, da sich der Himmel wieder zuzog. Also schnell möglichst viele Bilder machen und noch einmal herum laufen. Leider war es nicht ganz schnell genug, sodass wir auf dem Weg zum Ausgang in den nächsten Schauer Schrägstrich Starkregen gekommen sind. Wasserflecken auf der Linse, die ich zu spät bemerkt habe, d.h. die letzten Bilder sind nix geworden … ahahahhahahahh !&“§$%“§&$“§ Kacke.

Zu dem Zeitpunkt hatte ich meinen Frieden mit dem Regen gemacht und habe gänzlich auf einen Regenschirm verzichtet. Es war eh alles durchgeweicht.

Die tempelanlage selber gehört zu den schönsten hinduistischen Tempelanlagen der Welt und ist UNESCO Weltkulturerbe. Die Anlage wurde im 9. Jahrhundert erbaut und ist den Göttern Shiva, Brahma und Vishnu gewidmet. Auf drei Ebenen ( 1. Der Bereich der Sterblichen, 2. Der Bereich der des heiligen Volkes, 3. Der Bereich der hohen Götter ) stehen insgesamt 240 Tempel und kleine Schreine. Wiederaufgebaut sind aktuell aber nur 21 Tempel. Die Tempel sind über die Jahrhunderte durch Erdbeben und Vulkanausbrüche des 30km entfernten Merapi (eines der aktivsten und gefährlichsten Vulkane der Welt) immer wieder zerstört worden. Zuletzt 2006.

Die nächste und letzte Station war das sog. Wasserschloss des Sultans. Eine Bade- und Tanzanlage für den Sultan. Die Anlage hatte drei große Badebecken. Eins für die Kinder. Direkt daneben eines für die teilweise vielen Frauen des Sultans, sowie abgeschieden noch ein weiteres für den Sultan, der ggf. eine einzelne Frauen dazu holte. Im hinteren Teil gibt es außerdem noch einen Bereich mit kleinen Häuschen in denen Musik gespielt wurde, während der Sultan und die Familie von einem Balkon aus zugesehen haben.

Heute wird die Anlage noch von den 3000 Bediensteten genutzt, die hier teilweise leben.

Zum Ende dieses Tour hatte es sich aber gänzlich eingeregnet. Das war um 14:30h. Bis ca. 21h hörte es dann nicht mehr auf. Und das bei 28°C. Für mich als Freund der nordischen Kühle sehr gewöhnungsbedürftig und Klamotten verschleißend.

Gerade haben wir uns für Montag noch zu einem indischen Kochkurs angemeldet. Mal schauen was wir schönes zaubern werden.

cheers.
Sebastian

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