gefahrene Kilometer heute: 100.21km
gefahrene Kilometer gesamt: 131km

Wirklich viel Schlaf haben wir auch in dieser Nacht nicht bekommen. Zu viel steht auf dem Programm. Für ein spätes Aufstehen reicht es daher leider noch nicht. Um 8 Uhr holt uns unser Guide ab.

Das Frühstück ist noch etwas gewöhnungsbedürftig. Es gibt zwar auch Toast und dazu Butter und eine Sorte an Marmelade, aber das war es dann auch schon, was dem Europäer vertraut sein könnte. Dafür finden sich allerlei süße Säfte mit einer komischen Farbe und ein Buffet mit einigen Nudelgerichten a lá Nasi Goreng im Frühstücksraum.

Unsere erste Station heute ist das National Monument. Ein Obelisk auf einem wirklich riesigen Platz mit Parkanlage. Man kann auf eine kleine Aussichtsplattform an der Spitze gelangen. Allerdings muss man erstmal in den abgesperrten Bereich des Monuments hineinkommen. Und weil man einen Zaun drum herum hat, gibt es einen Kellergang unten drunter. Wäre ja auch zu umständlich direkt durch den Zaun zu gehen.

Wir hatten noch Glück mit dem Aufstieg. Den heute schien eine komplette Schule einen Ausflug dorthin zu unternehmen. Und die einzige Möglichkeit rauf und runter zu kommen ist eine kleiner Fahrstuhl für ca. 8 Personen. Rauf ging noch relativ einfach. Runter mussten wir uns schon 20min anstellen. Aber brechend voll wurde es zum Glück erst danach. Von oben hat man allerdings eine tolle Aussicht. Für zwei Personen kostet der Eintritt 30.000 Indonesische Ruphia (IDR), was umgerechnet ca. 2 EUR sind. Gut investiertes Geld.

Bereits auf dem Weg zum Monument wurden wir von zwei jungen Männern angesprochen. Im ersten Moment hatte ich sie nicht richtig verstanden und dachte, man wolle uns irgendwas verkaufen. Beim zweiten Fragen hatte ich verstanden und die beiden wollten ein Foto machen. Ich dachte also ich solle kurz deren Kamera halten um von Ihnen ein Foto vor dem Monument zu machen und griff zu ihrem gezückten Mobiltelefon. Gemeint hatten sie aber, ein Foto mit mir machen zu wollen. Ein Gedanke, der mir, nicht zuletzt, wegen meiner bereits leicht verschwitzten Erscheinung, nicht gekommen war. Und auch immer noch irgendwie unerklärlich ist. Warum sollte man ein Foto von sich und einem wild fremden sein, den man nicht mal aus Film und Fernsehen kennt ( oder wenigstens von YouTube )?

Wenige Meter weiter, wir gehen in Richtung Eingang des Monuments, schreit und winkt es von der Aussichtsplatt und meinte offensichtlich uns.

Etwas später sind wir auf eben dieser Plattform angekommen und wollen eigentlich oben auf den Turm. Da wird schon begonnen zu tuscheln und die ersten Finger gehen in unsere Richtung. Wenige Sekunden danach bricht die erste Frau in helle Freude aus und kommt mit einer Kamera lautstark auf uns zu, ob sie ein Foto mit uns machen könnte. Zwei weitere Sekunden später befinden wir uns in der Mitte eines kompletten Familienfotos von 10 Leuten die alle aufgelöst vor Glück sind. Wir sind Rockstars! Nach nicht einmal 20min auf offener Straße in Jakarta. „Jetzt lass dir das bloß nicht zu Kopf steigen“, sag ich mir immer wieder.

Auch oben auf der Plattform werden wir wieder angesprochen, ob man nicht ein Foto mit uns machen dürfte. Und ehe wir uns versahen, standen wir in der Mitte eines Klassenfotos:

Wir haben es dann doch noch vom National Monument weg geschafft. Es gab einen kleinen Abstecher in das National Museum. Hier wurden viel wunderbare alte Statuen und Handarbeiten ausgestellt. Und bis dahin war es das einzige Mal, an dem wir auch andere Europäer gesehen haben.

Aber auch hier bot sich das gleich Bild. Es sprachen uns mehrfach Jugendliche an. Und so gab es mehrere kleine Foto-Sessions mit uns. Auch eine Lehrerin hatte uns angesprochen. Das endete in einem riesigen Klassenbild mit wahrscheinlich 40 Schülern und uns in der Mitte. Leider haben wir da unsere Kamera nicht noch mal in die Hand gegeben, das Bild hätte wir gerne gehabt.

Weiter geht es in das Holländische Viertel. Bis 1945 gehörte Indonesien noch zu den Niederlanden. Das hört man auch bei unserem Guide immer mal wieder raus. Wenn er ein Wort nicht genau weiß und dann aber mit einem Wort oder Silbe kommt, die eher ans Deutsche bzw. Plattdeutscher erinnert. Allerdings kommt das nicht daher, dass es noch viele Worteinflüsse aus dem Niederländischen gibt, sondern vielmehr daher, dass es noch immer sehr viele Niederländische Touristen hier gibt, die ihm eher Niederländisch als Englisch beibringen.

Im holländischen Viertel finden wir u.a. ein Puppenmuseum. Wobei mit einer Puppe im Indonesien weniger die bei uns bekannten Puppen für Kinder verbunden werden, sondern viel mehr solche die als 2 dimensionale Puppen für Schattenspiele verwendet werden. Oder auch in 3 dimensional – dann ohne Schattenspiel. Je nach Region in Indonesien. Es werden dabei aber die immer gleichen Hindischen Mythen und Geschichten erzählt. Ein original Indonesisches Schattenspiel dauert dabei 9 Stunden. Man beginnt abends und spielt bis in den morgen. Allerdings finden sich heute kaum noch solche langen Aufführungen.

Während wir durch das Museum schländern werden wir noch auf den ersten Metern von von Aldy angesprochen. Aldy ist ein Puppenspieler und Puppenmacher in der vierten Generation. Er und seine Vorfahren sind spezialisiert auf die zweidimensionalen Puppen für das Schattenspiel. Nach eigenen Angaben, wie es in der Berichterstattung so schön heißt, war Aldy vor 2 Jahren auch in Augsburg und hat in der Augsburger Puppenkiste ein Gastspiel gegeben. Seitdem will er unbedingt mal wieder nach Deutschland. Berlin muss er noch sehen, wie er meint.

Aldys Familie hat auf jeden Fall auch ein paar Exponate in dem Puppenmuseum. Ob er sogar noch Besitzer o.ä. des Museums war, kann ich nicht mit Gewissheit sagen. Auf jeden Fall hat er uns eine private Führung durch das Museum gegeben. Viel Geschichte zu den Puppen und auch die dahinterliegenden Mythen und Märchen haben wir erfahren dürfen. Nach ein paar Minuten waren wir sein Bruder und seine Schwester.

Und er hat uns auch eingeladen in sein Theater. Dann würde er uns noch eine kleines Stück vorspielen. Seine Werkstatt lag nur um die Ecke. Inzwischen hatten sich noch ein türkische Pärchen unserer kleinen Gruppe angeschlossen. Es gab also noch ein 15 minütiges Schattenspiel und dann einen kleinen Exkurs darin, wie die Puppen entstehen.

Und natürlich konnte man dann auch das originale Handwerk käuflich erwerben. Letztendlich war es eine ziemlich aufwändige, aber sicher mit einer sehr hohen Erfolgsquote gesegneten Verkaufsshow. Und ja, wir haben dann auch noch ein ganz kleines Paar Puppen mitgenommen. Bei dem Umrechnungskurs der guten Führung durch das Museum und dafür, dass die Herzlichkeit wirklich nicht gespielt war, ein kleiner Preis.

Anschließend ging es zurück zum Fahrer und noch einmal in den alten Hafen Jakartas. „Alt“ bzw. „Traditionell“ trifft es dann auch wirklich. Dort liegen entlang des Kais große Holzschiffe, die hier teilweise von Hand, teilweise mit alten Dieselkränen beladen werden, die immer nur 10 Säcke Ladung auf einmal tragen. Andererorts werden LKW von Hand, bzw. von 20 Händen be- und entladen. Hatte ich erwähnt, dass es Holzschiffe sind !? Und das in einer Millionenstadt. Ein paar Kilometer weiter gibt es Supertanker von Millionen Liter Füllvermögen. Hier – Holzschiffe. ABER! Schön sahen sie schon irgendwie aus. Hier solle man aber nichts kaufen und nicht angesprochen werden, so unser Guide. Ein paar Mal zum Gruß winken mussten wir trotzdem.

Das war unsere letzte Station in Jakarta. Nun ging es weiter Richtung Bogor. Dort sollte es am nächsten Tag Program geben. Die Fahrt dauert knappe zwei Stunden. Auf der Autobahn ist viel los. Aber es wird auch dann sehr gemütlich gefahren. Erlaubt sind 100km/h. Fahren tun wir aber meistens knappe 80. Damit sind wir aber häufig schneller unterwegs als andere. Wir sind ja auch im Urlaub!

Gegen 18 Uhr checken wir in unserem 4 Sterne Hotel ein. Auf die ohnehin sehr hohe Freundlichkeit legt man jetzt noch eine Schippe oben drauf. Mit Koffer auf das Zimmer fahren, Tür aufhalten und allem Zip und Zap. In Deutschland kann man sich das ja nicht leisten. Es ist schon toll :)

Wir gehen aber trotzdem nochmal raus. Ein paar Minuten noch die Stadt angucken bevor wir uns etwas zu Essen suchen. Also gehen wir ein wenig eine größere Straße entlang und biegen irgendwann in einer der kleineren Stichstraßen ein. Mal sehen wo sie uns hin führt. Und schon geht es los: „Hello Mister!“, „Photo?!“, „Where are you from?“. Auch wenn die immer enger werdenden Gassen, die irgendwann so eng bebaut sind, dass man eigentlich nur noch quer durch gehen kann, grundsätzlich nicht den Eindruck vermitteln gefahrlos zu sein, so sind die Menschen das genaue Gegenteil. Ganz häufig sitzen ganze Familien und große Gruppen vor ihren Türen in den engen Gassen. Die Kinder spielen Murmeln ( ich dachte ich bin in den 50ern ) und überall strahlt dir sofort ein großes Lächeln entgegen. Und eben ein „Hello Mister!“. Alle wollen sofort, dass du Bilder von Ihnen machst oder ein Bild mit dir. Die Kinder laufen dir in den Straßen hinterher. Eine Szene die man sonst nur aus Berichterstattungen aus dem hungernden Afrika kennt. Dann gibt es noch ein Foto von den Kindern. Und für jeden ein High-Five und dann gehen wir die nächste Querstraße entlang. Dort geht das gleiche Spiel wieder von Vorne los. Eine unglaublich tolle Erfahrung. Und tolles Fotomaterial!

Letzte Station für heute soll ein Restaurant aus dem Reiseführer sein. Aber versuch da mal zu Fuß hinzukommen! Es geht hier nämlich keiner zu Fuß der es nicht unbedingt muss. Auch für 200m nimmt man lieber den Motorroller. Das macht Fußwege dann überflüssig. Dementsprechend gut sind diese dann auch ausgebaut. An den meisten Stellen nämlich gar nicht. Gleiches gilt aber auch für die Überquerung einer dreispurigen Straße. Ampeln und Fußgängerüberweg: Fehlanzeige. Hier geht man über die Straße in dem man den Autos einfach mutig die Hand entgegenstreckt und so anhält. Dann geht man rüber. Das muss man allerdings üben. Es ist schon spannend hier. Wir haben es geschafft und mussten nicht hungern. Und haben für sehr wenig Geld sehr gut gegessen.

cheers.
Sebastian

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