Hallo nach Deutschland,

Bombay ist der Name den die Europäer der Stadt gegeben haben. Viel früher hießt die Stadt eigentlich Mumbai. Und den Namen gab man ihr 1997 wieder zurück. Seit dem werden die Namen eher gemischt verwendet. Z.B. heißen einigen Universitäten immer noch Uni Bombay. Der Flughafen-Code (IATA) ist immer noch BOM.

Für uns geht es heute morgen aber erstmal in Jaisalmer los. Der lokale Guide hatte mit dem Fahrer abgemacht, dass wir ab 10:30 Uhr im Hotel starten. Das klang für uns etwas spät, da der Flug doch schon um 11:40 Uhr abheben sollte. Er hätte Recht behalten was die Zeit angeht. Aber das weiß man ja immer erst hinterher.

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Der Flughafen von Jaisalmer ist in der Tat überschaubar groß. Es gibt eine Abfertigungshalle. Aktuell fliegen genau zwei Fluggesellschaften den Flughafen mit genau 6 Flügen pro Tag an. Vermutlich ist gerade jetzt noch ziemlich viel los.

Vermutlich hat man deswegen extra viel Personal heute hier gehabt. In Deutschland ist ein Flughafenschalter höchsten mit einer Person besetzt. Die Dame oder der Herr die dir das Ticket ausstellt. Hier sind es drei Personen. Die Dame. Dann ein Herr der im Hintergrund steht und vielleicht nochmal den Koffer gerade rückt sonst aber nichts tut. Und dann ein Herr vor dem Schalter. Der auch nochmal Koffer rückt und dir die Koffer abnimmt und auf das Band stellt.

Das Scannen der Gepäckstücke findet hier am Eingang statt. Ein gescanntes Stück bekommt eine orange Markierung. Es gibt einen Aufseher. Dann gibt es einen der auf dem Monitor nach Gefahren beim Durchleuchten achtet. Und es gibt einen der die Gepäckstücke entgegen nimmt und die Maschine befüttert. Soweit wie bei uns. Dann gibt es aber ganze 5 Personen die die Gepäckstücke wieder aus der Maschine herausnehmen und ein orangenes Band dran machen wenn alles ok ist. Aber Arbeitskraft kostet hier ja nichts.

So sieht das nämlich auch mit unserem Fahrer aus. Mit ihm hatten wir heute auch unseren letzten Tag. Wenn wir das nächste Mal in Indien sind, dann sollen wir ihn besuchen kommen. Dann wohnen wir bei ihm. Aktuell hat er nur zwei Zimmer für seine Frau und seinen 6 jährigen Sohn, der gerade Geburtstag hatte. Sein Chef hat ihm aber nicht frei gegeben, deswegen konnte er nicht bei seinem Sohn sein. Der gute Mann kommt nämlich aus einem Dorf 550 Kilometer nördlich von Dehli und fährt dann mit dem Bus immer zum Arbeiten nach Dehli hin. Dann fährt er mehrere Wochen oder Monate als Fahrer um dann wieder in sein Heimatdorf zurückzufahren. Das macht er seit 13 Jahren so. Noch viel erschreckender daran ist aber was für ihn dabei rum kommt. Sein Monatslohn beträgt 6000 Rupien. Das sind 75 Euro. Im Monat! Und davon muss er noch seine eigenen Unterkünfte bezahlen, wenn er mit den Touristen unterwegs ist. Und das wird vermutlich nicht mal ein schlechter Job in Indien sein. Hier drückt man gerne mal Trinkgeld ab. Vor allem aber weil er kein Stück danach gebettelt hat. Er hat sich liebevoll verabschiedet und saß schon fast wieder im Auto und ist nicht um uns herum getanzt um ja sicher zu gehen, dass man auch verstanden hat, dass JETZT der richtige Zeitpunkt für Trinkgeld gewesen wäre. Das kommt auch gerne mal vor.

Er fährt heute ganz alleine die Strecke zurück nach Dehli. Das sind für ihn ca. 12 Stunden fahrt. Wir fliegen nach Mumbai. Wenn denn der Flieger kommt.

Die Ansagen in der Flughalle sind schlimmer als die bei der Deutschen Bahn. Man versteht rein gar nichts. Daher stehen wir in der Schlange des einen Gates um auf das Rollfeld zu laufen auch wenn das gar nicht unser Flug ist. Unser Flug kommt verspätet. Aber es gibt scheinbar keine Person die dafür abgestellt ist die Anzeige zu ändern. Es gibt eine Anzeige mit „Geplanter Abflug“ und „Erwarteter Abflug“. Aber die Uhrzeiten sind identisch. Auch 20 Minuten nachdem wir hätten abfliegen sollen. Also sind die drei Flieger die auf dem Rollfeld stehen aber nach uns abfliegen sollten, schon vor uns fertig.

Der eine Flieger fliegt sogar zu früh ab. Da kommt der ein oder andere Gast auf die letzte Minute doch etwas ins Schwitzen.

Aber auch unser Flieger kommt. Die Boeing 737 ist zu gut 30-40% besetzt. Der Reihenabstand ist OK für Inder, macht mir aber keinen Spaß. Zum Glück sitzt keine Person auf dem Sitz vor mir. Hätte sich der Sitz auch nur 1 cm weiter nach hinten bewegt hätte ich keine Kniescheiben mehr gehabt.

Der Flughafen Jaisalmer hat kein eigenes Rollfeld. Das Rollfeld gehört zur Indischen Luftwaffe. Der zivile Flughafen darf für seine 6 Flüge am Tag das Rollfeld mit nutzen. Wenn eine Maschine abfliegen will muss sie durch eine militärisch bewachtes Tor rollen, dass dann geöffnet wird. Wir dürfen dann abheben.

In Mumbai angekommen ist schon der Flughafen eine komplett andere Welt. Westliche Standards was die Abwicklung und Effizient angeht. Kein Müll und deutlich mehr als nur ein Gate. Er fertigt aktuell mehr als 40 Millionen Gäste pro Jahr ab. Wir sind eindeutig raus aus der nördlichen indischen Kleinstadt.

Wir werden abgeholt und ins Hotel gefahren. Und auch auf der Strecke macht Mumbai einen ganz anderen Eindruck. Innerstädische Staus wie die ganz großen. Wir brauchen 1,5 Stunden vom Flughafen zu unserem Hotel.

Es fallen sofort ein paar Sachen auf im Vergleich zu den letzten Städten wie Udaipur oder Dehli:

  • Die Straßen sind nicht so kaputt.
  • Es laufen keine Kühe in der Stadt umher und damit liegen auch keine Kühe auf der Straße.
  • Es sieht im ersten Moment etwas sauberer aus. Das würde ich aber wenig später wieder zurück nehmen.
  • Auf allen Baustellen wird auch aktuell gearbeitet.
  • Es wird weniger gehupt, es wird auf jeden Fall anders gehupt. Vorher war es mehr ein „Hallo ich bin da“ – auch grundlos. Hier wird begründet gehupt. Wenn die Ampel grün ist oder man den Weg geschnitten hat.
  • Baustellenarbeiter haben Warnwesten und etwas das sich eindeutig als Arbeitskleidung identifizieren lässt und nicht die gleichen Hemden und Stoffhosen wie alle anderen auch.
  • Es gibt hier Mega-Hochhäuser. In Dehli ist im Grunde nichts höher als vielleicht 4 oder 5 Stockwerke. Hier gibt es auch sicher 50 Stockwerke und mehr.

Die Stadt ist riesig. Das fasziniert mich. Es gibt nicht das klassische Zentrum in dem alle Hochhäuser stehen. Die großen Gebäude stehen überall in der Stadt verteilt. Und da sind dann auch schon mal 10 – 20 Stockwerke mit Gerüsten aus Bambus umstellt.

Die Eindrücke überwältigen erstmal und die Stadt ist sehr faszinierend. Es gibt nicht nur die kleinen runtergekommenen Mini-Läden. Es gibt auch die Läden der internationalen Marken wie völlig selbstverständlich.

Auf der anderen Seite gibt es hier aber auch den Stadtteil Dharavi. Der Drehort von „Slumdog Millionaire“ gilt als der größte Slum Asiens. Über eine Million Menschen leben hier auf 2 km². Man zahlt Miete. Die meisten haben elektrischen Strom und es gibt viele kleine Betriebe die Dienstleistungen übernehmen. Größtes Problem ist die Versorgung mit sauberem fließendem Wasser und daher sanitäre Anlagen. Ansonsten schätzt man, dass pro Jahr hier durch die Betriebe ein Umsatz von 700 Millionen Dollar gemacht wird.

Das Hotel ist von der Ausstattung her vermutlich das beste, das wir bisher hatten. Alles ist sauber. Alles funktioniert. Das Personal ist professionell höflich und nicht übertrieben.

Und weil es draußen gerade regnet wie aus Eimern sind wir so dekadent und nutzen den Zimmerservice. Ich hab mir noch nie im Hotel etwas aufs Zimmer bringen lassen …

cheers.
Sebastian

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