Hallo nach Deutschland,

es ist Tag drei auf unserer Reise durch Indien. Die letzte Nacht haben wir in einem Homestay bei Agrar verbracht. Trotz gründlichem Waschen riechen die Finger immer noch nach dem Essen von gestern Abend. Gute Gewürze haften scheinbar an. Das Frühstück gibt es wieder unten im Wohnzimmer der Gastgeber. Der Tisch ist schon gedeckt, es gibt Toast und Masala Omlette ( mit Zwiebeln, Tomaten und Gurke ).Unseren beiden Gastgebern scheint es für indische Verhältnisse gut zu gehen. Sie haben noch zwei Küchenhilfen die auch heute morgen wieder unterstützen und uns am liebsten alle 2 Minuten mehr Essen auf den Teller schaufeln wollen. Aber auf eine sehr nette und höfliche Weise.

Unsere Gastgeber sind wirklich nett. Wer also einmal in der Gegend ist und auch noch Lust auf einen Kochkurs hat, dem sei Villa 21 Homestay ans Herz gelegt. Die beiden lieben wirklich was sie tun.

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Distance: 0km

Für uns geht es pünktlich um 9 Uhr weiter. Unser Fahrer steht bereits mit getanktem und gewaschenem Auto vor der Tür. Heute liegt vor allem viel Fahrtstrecke vor uns. Eine Besichtigung gibt es aber noch. Wir treffen uns mit unserem Guide von gestern in Dadupura. Der gute Mann kommt direkt aus diesem Ort. Hier gibt es ein alte Geisterstadt, bzw. ein altes Geisterschloss – das Fatehpur Sikri Fort. Erbaut wurde es von Akbar, dem dritten indischen Mogul. Er hatte hier einen heiligen Mann aufgesucht und ihn um einen Sohn gebeten, da er bisher nur Töchter hatte, die nicht die Thronfolge antreten durften. Weil der Besuch anscheinend erfolgreich gewesen war, hatte er kurzerhand die Hauptstadt hierher verleget und sich hier ein Schloss bauen lassen. Genau diese Anlage aus der Mitte des 17. Jahrhunderts haben wir heute besichtigt.

Es ist äußerst beeindruckend wie viel Arbeit hier reingesteckt worden ist. Wie detailiert und perfekt die Verzierungen in die Steine gearbeitet wurden. Und das all das auch nach der ganzen Zeit noch steht. Das ganze Bauwerk umfasst mehrere Abschnitte. Waffenkammer, öffentlicher Markt, öffentlicher Audienz-Teil, für jede seiner drei Frauen einen eigenen Wohnbereich die sich in einem gemeinsamen Wasserspielebereich treffen und natürlich die Privatgemächer des Herrschers selber. Und in der Stellung musste man damals auch schon auf nichts verzichten.

Die komplette Anlage ist perfekt an das Klima angepasst. Häufig sind die Gebäude symmetrisch aufgebaut. Mit einem Teil, der nach Süden hin geöffnet und nach Norden geschlossen, der Winterpalast. Die Fenster sind geschlossen, sodass kein Wind durch das Gebäude strömt, sodass das kühlere Wetter perfekt ausgenutzt wird. Der Sommerpalast ist umgekehrt. Die Südseite ist geschlossen, der Norden geöffnet. Die Hitze wird möglichst draußen gehalten. Außerdem hatten die Gebäude hochgelegene Wasserspeicher auf den Dächern. Der Wasserdruck erlaubte es Wasserfontainen in den Gärten zu betreiben, aber auch um die wichtigen Gebäude zu kühlen. Die wichtigen Räume waren doppelwandig. Man hat Wasser durch die Wände strömen lassen um das Gebäude zu kühlen. Das herauslaufende Wasser lief über Wasserrinnen den Palast hinaus.

Hier war sogar das Schlafzimmer des Herrschers unter Wasser wenn es zu warm wurde. Sein Bett lag erhöht im Zimmer. Der Fußboden konnte mit 20cm Wasser geflutet werden um auch hier wieder die beste Kühlung zu bieten. Und wenn es im Winter zu kalt wurde dann wurden Feuer in kleinen Feuerstellen in den Wänden gemacht, der warme Rauch zog zwischen den Wänden ab und gab so eine Rundumheizung.

Aufgrund anderer Kriege und einer andauernden Wasserknappheit wurde das Schloss nur wenige Jahre später wieder aufgegeben. Danach wurde es von keinem anderen indischen Herrscher mehr benutzt und so blieb es verlassen. Bis die Briten in Indien einfielen. Sie nutzen es noch als Stützpunkt und Lager.

Die Strecke dir wir noch zu Fuß vom großen Parkplatz her gelaufen sind, geht es jetzt mit dem Bus zurück. Hier verabschieden wir unseren Guide. Für uns steht jetzt noch eine ca. 6 stündige Fahrt an. Wir fahren von hier bis zum Ranthambore Nationalpark. Von dort aus geht es morgen auf Safari. Tiger gucken … !!

Aber erstmal müssen wir da auch ankommen. Das ist auf den indischen Straßen immer so eine Sache. Die meisten Zeit geht es für uns über die Schnellstraße. Die kostet heute auch wieder 5-7 EUR. Und das ist eine Frechheit für den Zustand der Straßen, zumindest wenn man das mit europäischen Autobahnen vergleicht. Und erst recht wenn man das Einkommen vergleicht. Das ist hier ja, zumindest gefühlt, ein komplettes Tageseinkommen …. für Gutverdiener. Genaue Zahlen hab ich aber noch nicht.

Die erste Strecke ist noch … unauffällig. Wir machen irgendwann einen Zwischenstopp. Eine Haltestelle für Touristen. Jede Menge Busse und Wagen wie unserer die Touristen durch die Gegend fahren. Im Hauptgebäude gibt es natürlich jede Menge Nippes zu kaufen. Außerdem eine Restaurant. Hier kostet eine Dose Cola 1,5 EUR. Im regulären Supermarkt sind es eigentlich 0,50 EUR. Beides würde sich der Inder vermutlich nicht kaufen. Hier drinnen zuckt keiner der weißen Touristen.

Draußen in der Ecke des Parkplatzes gibt es dann noch das andere Gebäude. Hier gehen die Fahrer hin. Wahrscheinlich gibt es hier dann das Essen und Getränke für Einheimische zu den Einheimischen Preisen. Und schon fühlt es sich ein wenig an wie die moderne Sklaverei. Der Farbige, in diesem Fall Inder, dürfen nicht bei bei weißen Herren Essen und haben ihre eigene kleine, mutmaßlich dreckige Absteige ganz am Ende des Anwesens. Zum Fahren und Koffertragen werden sie dann wieder herangepfiffen. War man doch eigentlich schon drüber hinweg, oder? Und wir fördern dieses tolle System. Na toll.

Wir hatten 20min Pause abgemacht. Wir haben uns nicht zu den weißen hohen Herren in das Restaurant gesetzt. Eine Cola in der Dose und dann wieder vor die Tür. Ich erstmal runter von der Anlage und einfach mal ein paar Meter die Straße runter. Ein paar der toll gemalten Trucks fotografieren. Und sofort abseits des Touri-Zauns wird man sofort lächelnd gegrüßt, wenn man die Kamera auf ein besonders bunt gestaltetes Motorrad hält, dann halten sie Jungs sogar noch zum Posen an und wollen unbedingt fotografiert werden.

Hier an der Straße findet das echte indische Leben statt. Und das sieht nicht gerade nach 4 Sterne Hotel aus. Vor allem sitzen viele Leute rum und warten auf was auch immer. Das Restaurant für die normalen LKW Fahrer hat Plastikstühle auf dem Lehmboden. Immerhin die Küche hat einen festen Untergrund. Essen würde ich das allerdings nicht.

Richtig lebendig wird es hier immer an Kreuzungen. Da finden sich viele Läden. Hier und da eine Werkstatt und alle möglichen Gewerke und Dienstleistungen. Die Dichte auf der Straße nimmt zu, das schlägt sich vor allem auch wieder in der Lautstärke durch. Weil wir langsamer Fahren müssen, gibt es ein paar mehr Bilder … von Kühen auf der Straße in Mitten des Verkehrs. Hier und da auch mal ein Kamel auf der Straße. Die Ziehen hier im Wesentlichen kleine Lastenkarren aus Holz.

Irgendwann nach der nächsten Kreuzungsstadt steht der Blinker. Aber eine andere Straße ist nicht zu sehen. Nur ein großer Sand/Lehmhaufen. Aber das ist gerade die Auffahrt zur nächsten Autobahn. Die befindet sich aber noch im Bau. Über eine Strecke von vielleicht 30 Kilometern oder so. Und es wird auch überall irgendwie parallel gebaut. Die ersten Kilometer sehen schon fast brauchbar aus. Beide Fahrspuren sind bereits betoniert. Die eine ist aber dann doch noch bedeckt mit Steinen und Lehm. Weil wenn man eine schöne Unterlage hat, kann man da viel besser den Dreck zwischenlagern. Würden wir hier so nicht machen. Ist hier aber so. Auf der anderen Seite führen daher beide Fahrrichtungen über die schon fertige Seite. Absperrungen, Fahrspurlinien und all sowas gibt es hier nicht. Es wird gefahren wo Platz ist. Und wenn kein Platz ist, dann wird einfach lauter gehupt.

Hupen ist hier sowie so das universale Zeichen. Das kann man als „Hallo“ verstehen, als „du Arsch“ aber in den meisten Fällen wird es mehr als Echolot eingesetzt. Man gibt laut damit andere wissen das man da ist. Keine achtet auf den Verkehr. Man hört nur hin. Wenn nichts hupt, dann kann man fahren. Wenn was hupt kann man trotzdem fahren.

Zurück zur Autobahn. Vollbeschäftigung! Haben die hier vermutlich nicht. Aber man gibt sich jede Mühe. Alle ist Handarbeit. Alles. Die Betonleitplanken sind hier Schwarz-Weiß gemalt. 2-3 Leute streichen den Beton nicht deckend weiß vor. 1 Person malt vertikale Striche vor 2-3 Leute malen dann jeden zweiten weiß und halten sich nicht an die vorherige Einteilung. Die eine Person könnte also weg. Die nächsten 2-3 Personen malen dann die schwarzen Balken.

Dann gibts da noch einen der die Steine vom Rand in die Fahrbahnmitte fegt. Also weg von den Malenden hin zu den Autos. Dann gibts noch die die Eimer tragen. Die die Aufpassen und am Straßenrand sitzen. Vielleicht der Schichtwechsel. Man braucht also gut 20 Leute um die Seitenmarkierung zu bemalen.

Je länger die Baustelle wird, je schlechter die Strecke. Die natürlich immer weniger ausgebaut ist. Bis man auf dem aufgeschütteten Sand fährt, auf den die Fahrbahn aufgetragen werden soll. Die letzten Kilometer gehen dann über Stock und Stein und kleine Straßen. Die ersten Kamele laufen mit uns über die Straße. Bisher sind wir ja nur Kühe gewohnt. Die Kamele laufen allerdings nicht frei umher.

Kurz vor dem Hotel sammeln wir noch unseren lokalen „Representative“ ein. Also der lokale Vertreter der Reiseagentur. Vermutlich organisieren die Leute hier tatsächlich die jeweiligen Reisen lokal. Der gute Mann hatte schon während der Fahrt den Fahrer angerufen und mir das Telefon geben lassen. Er wollte mir schon mal zum Geburtstag gratulieren. Jetzt saß er dann mit uns im Auto und hat uns noch bis zum Check-In im Hotel begleitet. Was für eine Quasselstrippe. Sowas von übermotiviert, dass es schon fast ein wenig unangenehm war. Er hat mir sogar eine Flasche Wein zum Geburtstag mitgebracht. Ich mochte ihm nicht sagen, dass ich keinen Alkohol trinke. Es war so lieb gemeint und dann nach schön bunt und glitzernd verpackt. Das war schon sehr aufmerksam.

Endlich im Hotel angekommen. Zimmer bezogen. Das Abendessen ist inklusive. Es gibt Buffet. Alles aber schon für westliche Touris aufbereitet. Also nicht scharf. Wir bekommen sogar noch Chilisoße auf den Tisch und können nachwürzen. Ansonsten schmeckt das essen sehr gut. Anstrengend ist aber die 3:1 Betreuung. Also drei Kellner pro Gast. Zumindest solange bis noch ein paar mehr Gäste kommen. Dann kommen wir immer noch auf 1:1,2. Man kann gar nicht so schnell trinken wir nachgefüllt wird.

Aber das große Highlight: Weil ich Geburtstag habe bekomme ich eine Torte und die während ich die kleine Schokotorte mit einem grünen Plastiksäbel anschneide bekomme ich noch ein kleines Happy Birthday Ständchen. Ist das peinlich. Aber auch so sehr lieb gemeint.

Den Rest der Torte spende ich an den Nachbartisch. Die kleine ca. 5 Jährige im rosa Sari, vermutlich aus dem Vereinigten Königreich (noch vereinigt (wenn sie das irgendwann in ein paar Jahrzehnten durchlesen, schlagen sie „Brexit“ nach) ), schaute schon länger sehnsüchtig auf die Torte. Sie schrie dann auch am lautesten als ich fragte, ob es ok wäre, wenn die Kinder die Torte bekommen würden.

Toller Tag!

cheers.
Sebastian

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