gefahrene Kilometer heute: 391.41km
gefahrene Kilometer gesamt: 1885.3km

Hallo und Hummpa nach Deutschland,

diese Zeilen erreichen euch vom Berg des Transalpina Bergpasses in Rumänien. Hier oben haben wir unsere Zelte aufgeschlagen. Weil die Verbindung hier oben dich eher schlecht ist und das Tippen im Zelt mühsam, gibt es den Rest erst morgen zu lesen.

Wir haben inzwischen Halbzeit unserer Tour. Fünf Tage sind wir auf den Motorrädern unterwegs. Fünf Tage haben wir noch vor uns. Etwas mehr als 1.900 Kilometer haben wir bereits hinter uns gelassen und ungefähr die gleiche Strecke liegt noch vor uns.

Heute morgen sind wir in unserem vier Sterne Hotel gestartet, dass bei weitem keines war. Zumindest das Frühstückspersonal hat sich etwas bemühter gezeigt als noch das Personal gestern Abend. Es gibt allerdings den dritten Tag in Folge Rührei zum Frühstück, denn das Menü ist fest vorgegeben. Es gibt kein Buffet o.ä. Aber zumindest war das das beste Ei bisher. Dazu gab es deutlich besseres Brot als gestern Abend noch und eine kleine Käse und Wurst Platte auf den Tisch.

[Update]

Wir fahren morgens ein paar schöne Stücke über Land, die immer besser werden, je dichter wir unserem erklärtem Tagesziel der Transfăgărășan Bergstraße nähern. Jeder der Rumänien nochmal mit dem Motorrad besuchen möchte kann sich das komplette Stück bis zum Verlassen der 7c vormercken – uneingeschränkt empfehlenswert. Sogar die Straßen sind gut gemacht auf dieser Strecke. Das ist keine Selbstverständlichkeit!

Wenn man ab und an über Dörfer fährt und das Schild „Polizei“ sieht, bekommt man eher das Gefühl, dass das hier geregelt wird wie bei uns die Post auf dem Dorf. Das macht das Sonnenstudio zusätzlich noch mit. Ganz häufig sind das sehr einfache Polizei Stationen, eingebettet in ein Privathaus. Auf den Straßen selber sieht man sehr wenig Polizei fahren. Das offizielle Polizeiauto ist übrigens der Dacia Logan. Wahrscheinlich ohnehin das am häufigsten hier zugelassene Fahrzeug ( gleich nach dem Pferdekarren ).

Während Lars seine Postkarten einwirft und ich Störche fotografiere, lerne ich Österreich-Klaus kennen (Name von der Redaktion erfunden). Österreich-Klaus kommt aus Österreich, lebt aber inzwischen in Rumänien. Warum habe ich nicht gefragt. Sein Sohn heißt auch Sebastian und wir müssen umbedingt auf der Ecke die Transfăgărășan fahren. Ansonsten geht es ihm gut und wir haben uns nicht verirrt.

Dann ist es endlich soweit und wir biegen in die Route 7c, hier besser bekannt als die Transfăgărășan, ein. Die Strecke über die Berge ist wirklich eine traumhaft tolle Strecke. Sowohl für Auto als auch noch mehr für Motorräder. Allerdings herrscht hier im Vergleich zu den Alpen ein sehr entspanntes Klima. Die Autos schieben sich meistens eher mit gemütlichen 30km/h den Berg hinauf. Es geht mehr um die Aussicht als um den Sport. Sportliche Motorradfahrer findet man hier auch wenige. Die meisten sind Tourenfahrer, die die Strecke zwar genießen, aber nicht das Tempo an den Tag legen, das auf vergleichbaren Strecken in den Alpen gefahren wird. Rennmaschinen sieht man hier nicht ( wie sollen die auch bei den meist sehr schlechten Straßen bis da hin kommen ).

Auch gut für uns: Wirklich viel ist nicht los auf der Strecke. Es kommen zwar regelmäßig Moppeds und Autos, aber man kann nicht davon sprechen, dass die Straße unglaublich voll wäre.

Was die Strecke sehr fahrenswert macht ist landschaftlich die unglaublich tolle Aussicht und die Eigenschaft, dass die Steigung weit auseinander gezogen wurde. Es gibt also viele Kurzen, die aber weit gefasst sind. Es lässt sich der Berg also relativ bequem befahren. Es macht auf jeden Fall viel, viel Spaß. Die Aussich ist super und es gibt genügend Platz die rücksichtsvollen PKW zu überholen.

Während des Aufstiegs gibt es noch einen kleinen touristischen Markt an einer Ski-Station. Wo im Winter die Gondel nach oben fährt stehen noch jede Menge Händler mit „Handwerk“, Ramsch und Imbissen. Hier sehen wir unsere horizontale Döner Rolle wieder und stellen fest, dass es sich gar nicht um Fleisch handelt, sondern um Kürtöskalács, ein süßes Gebäck. Teig wird auf eine Holzrolle dicht and dicht aufgewickelt und dann durch ständiges drehen auf der Rolle gebacken. Anschließen wird es noch leicht glasiert und mit Zucker bestreut. Sehr lecker und man hat mindestens zwei Tage was davon. Dann wird es aber auch zu matschig.

Auch wenn man über den Pass hinübergafahren ist, so ist die Strecke noch eine ganze Weile sehr schön. Erst wenn man die 7c verlässt wird es wieder weniger spektakulär. Sogar sehr unspektakulär. Die Strecke zieht sich sehr lange hin. Die Straßen sind nicht uneingeschränkt schön zu fahren. Wir wollen zur nächsten Passtrecke der Transalpina.

Politisch nicht korrekt, aber es ist wie es ist: auf der Strecke dorthin kommen und zwei Zigeuner-Wagen entgegen. Zwei Pferde vor dem Holzwagen. Eine Plane drüber. Und ALLES drin. Hinten gucken noch ein paar gesammelte Tüten und Matratzen aus dem Wagen. Mindestens drei Kinder turnen auf dem Wagen herum oder laufen nebenher. In unsere Richtung geht die Geste der aufgehaltenen Hand.

Im nächsten Dorf das nächste schöne Bild. Dieses mal sind keine Pferde vor den Karren gespannt, sondern zwei Kühe. Man nimmt eben was man kriegen kann. Und wenn man gerade nichts zum festbinden der Tiere hat, dann muss eben die Oma herhalten. Also steht die gebrächliche, mindestens 90 jährige, 1,32m große alte Dame vor diesen beiden gestanden und gut genährten Tieren, packt die eine bei den Hörner und hält so den Wagen in der Position. Eine gestandene Frau von Welt eben.

Im Winter ist der Transalpina Pass ein Skigebiet. Oben auf dem Berg finden wir ein eigenes Dorf vor. Das aber im Winter sicher stärker belebt ist als an diesem Tag. Jetzt lassen sich noch Quads mieten. Selbst die Hotels scheinen überschaubar. Aber heute gehen wir nicht ins Hotel. Wir wählen uns einen Hügel weiter aus, Rollen gute 500m von der Straße über den Bergrücken. Weiter hinten stehen schon ein paar Zelte. Es scheint aber keiner da zu sein. Die Aussicht ist wirklich herrlich. Und nach einem Tag bei bis zu 31,5°C und das in dicken schwarzen Motorrad-Klamotten, ist die leichte kühle Brise auf dem Berg sehr willkommen.

Wir bauen jeder unser Zelt auf. Später kommen noch unsere ungarischen Zeltnachbarn von ihrer Bergwanderung zurück. Man redet Deutsch. Die Schwiegereltern leben bei Trier. Ein Auto weiter, wohnen vermutlich Einheimische. Sie scheinen aber eher hier zu arbeiten. Sie sammeln noch an dem Abend und auch am nächsten morgen in den Nadelwaldbüschen nach Tannenzapfen. Aber sie wohnen mit 5 Personen im Auto. Kein extra Zelt. Da genießen wird selbst im Zelt echten Luxus. Aber die tolle Aussicht muss hier keiner extra bezahlen.

cheers.
Sebastian

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