gefahrene Kilometer heute: 300.81km
gefahrene Kilometer gesamt: 1493.89km

Hallo und Hummpa nach Deutschland,

heute morgen sind wid ohne Frühstück gestartet. Wir haben unsere schöne kleine Holzhütte zügig verlassen und waren kurz nach 8 Uhr wieder unterwegs. Am Sonntag morgen sind auf den Dörfern tatsächlich viele Leute unterwegs zu Kirche. Immer mal wieder sind wir an läutenden Glocken vorbei gefahren während die letzten Besucher eilig in die Kirche rannten. Auch auf den Straßen sah man, wie die Herren häufig im Anzug und die Frauen immer in schönen Kleidern unterwegs waren.

Die erste Gegen durch die wir gefahren sind war eine tolle Motorrad-Strecke und könnte genau so auch in einem Karl May Film vorkommen können. Berge, bis zum Gipfel dicht bewachsen mit Wald. An einigen Stellen dann doch die schroffen, grauen Felswände, nur noch mit einzelnen Fichten bewachsen. Mitten hindurch führt eine Tiefe Schlucht mit einer schmalen Straße. Neben der Straße fließt ein kleiner Fluss. Wer also einmal hier in der Gegend ist sollte die Route 12C unbedingt mitnehmen.

Was wir toll finden, findet allerdings der Rumäne auch toll. An der Strecke sehen wir viele Einheimische die hier ihr Wochenende verbringen. In den Felsschluchten gibt es immer wieder ein paar Stände mit lokalem Handwerk. Außerdem immer mal wieder Hotels und Kaffees. Insgesamt ist recht viel los. Aber nicht so viel, dass es und großartig beim Fahren behindern würde. Auch dazwischen gibt es immer mal wieder längere, aber dennoch kurvenreiche Passagen durch die Berge. Kleine Wiesen links und Rechts von der Straße. Häufiger sieht man auch Autos die einfach nur im Wald stehen und Leute kleine Tische oder Decken hier draußen aufgeschlagen haben und den Tag genießen.

Viele arbeiten aber hier draußen auch am Wochenende. Vorher in den Dörfern waren die Äcker nicht sonderlich groß. Kein Stück war größer als vielleicht ein Hektar. Hier sind die Flächen zwar etwas größer, aber scheinbar noch nicht so groß, dass die größere Maschinen lohnen würden. Es fahren immer noch häufig Pferdekarren über die Straße. Ab und an sehen wir auch auf den Feldern Gruppen von Leuten die von Hand Grass mähen. Da gehen wirklich die Männer mit der Sense durch die Wiese oder es werden getrocknete Bahnen zu Gaben zusammengestapelt. Meist von Hand, einmal auch mit einem Pferdekarren.

In Deutschland ist mir unser DAX-Unternehmen „Heidelberg Cement“ nie wirklich bewusst begegnet. Hier in der Ecke ist es sehr präsent. Mindestens eine große Cement-Fabrik – ich hatte ja keine Ahnung wie groß so eine Anlage ist – und drei weitere Betriebe, wahrscheinlich Abbau von Kalk o.ä., sind hier beheimatet.

Wir halten bei Lidl. Es gab ja kein Frühstück und unsere Vorräte sind aufgebraucht. Und da auf den Dörfern alle in der Kirche sind, hat da auch alles zu. Lidl in der Stadt nicht. Da ist auch am Sonntag geöffnet. Draußen auf dem Parkplatz stand schon ein BMW Motorrad mit Niedersächsischem Kennzeichen. Als uns beim Betreten ein Mann in Motorrad-Kleidung begegnete, konnte man sich wenigstens vernünftig mit „Moin“ begrüßen.

Die Backwarenabteilung von Lidl hat hier verlockend aussehende Schoko-Cookies mit weißer Schokolade. Bei unserem leckeren Herren-Frühstück vor dem Lidl stellen sich die Cookies allerdings als nicht soo gut heraus. Essbar, aber geht besser. Weiß ich genau.
In genau dem Moment kommen zwei Kinder der Volksgruppe, die es vorziehen keinen festen Wohnsitz zu haben, vorbei und sprachen uns auf rumänisch an. Weil sie uns nicht gerade Kekse verkaufen wollten, gab ich ihnen meinen zweiten Schokokeks ab. Der war dort deutlich besser aufgehoben als bei mir.

Nach diesem sehr sehr schönen Stück Strecke fängt leider ein nicht so schönes Stück an. Zwischen hier und Schloss Bran geht leider keine halbwegs direkte Strecke zwischen den Bergen hindurch. Deswegen führt uns das Navi durch die breite Flache ebene. D.h. vor allem lange, langweile, fast gerade Strecken und Autoverkehr. Das ist nicht so toll.

Hier in dem großen Tal ist allerdings vieles anders als bisher. Die Dörfer sind größer und kleine Städte. Die Leute in den Städten kommen dir deutlich weniger ländlich vor, sei es auf Grund der Kleidung, oder weil keiner mehr auf einer Holzbank an der Hauptstraße sitzt. Es gibt ein Lidl der sonntags geöffnet hat. Die Kirchen-Dichte es eindeutig zurückgegangen. In jedem kleinen Dorf gab es mehr als eine Kirche. In den längeren Dörfern hat man schon mal 4 oder 5 gesehen. Hier fällt es dir schwer auch nur eine auszumachen. Die landwirtschaftlichen Flächen sind deutlich größere. Es fahren große Traktoren mit Mähwerken über die Äcker. Genau dieses Landschaftsbild mit den Bergen im Hintergrund könnte auch in Ostdeutschland so aussehen – zumindest solange bis dann doch der nächste Pferdewagen das Bild kreuzt.

Wir kommen durch eine Stadt mit sehr aktiven Imbissbuden an den Straßenrändern. Spätestens alle 500m auf beiden Seiten stehen kleine Buden die einen Grill mit einer Art horizontalem Döner aufgebaut haben. Mal mehr oder weniger professionell. Wir haben noch keine Ahnung um was genau es sich dabei handelt. Sind aber fest entschlossen das bei nächster Gelegenheit die Bratwurst-Drehmaschinen auszuprobieren.

Die Rumänen haben immer noch nicht dazugelernt, was den Straßenverkehr angeht. Eine rote Ampel an einer Baustelle ist mehr ein Hinweis. Ich denke, dass es nach Rumänischem Recht bedeutet, dass wenn die Ampel rot ist, nur noch 5 weitere Fahrzeuge passieren dürfen. Doof ist aber nur, dass es für einen Fahrer schwer einzuschätzen ist, ob er selber erst das fünfte oder zehnte Fahrzeug ist. Im Zweifel für den Zweifelnden.

Kurz vor Bran nehmen wir uns heute rechtzeitig ein Hotel und entladen die Motorräder. So fährt es sich etwas angenehmer über die schlechten Pisten und es kann beim Parken während des Schloss-Besuchs weniger geklaut werden. Heute zahlen wir glatt 70€ für zwei Personen inkl. Frühstück. Wucher. Dafür kleben aber vier Sterne an der Fassade.

Ich hab mir das Schloss von Graf Dracula größer und weiter oben vorgestellt. Dabei steht es im Dorf recht zentral und nur sehr wenig erhoben. Wir parken unsere Motorräder im Dorf und gehen durch die Tourismusmeile mit allerlei Ständen und Imbissbuden. Der Eintritt kostet umgerechnet 7,50€/Person. Für hiesige Verhältnisse viel Geld. Den Besucherstrom lässt es dennoch nicht versiegen. Dafür ist das Schloss aber insgesamt in einem sehr guten und gepflegten Zustand. Vorsicht mit der Kopfhöhe! Der Graf kann nicht sehr groß gewesen sein.

Im Schloss selber reitet man allerdings glücklicherweise sehr wenig auf dem Dracula-Vampir Thema herum. Es gibt auch eine Info-Wand zum Stokers Roman und die Verknüpfung, aber im Allgemeinen bewegt es sich bei der realen Geschichte des Grafen und seiner Kinder. Einzig am Ausgang lag noch eine Knoblauch-Zehe neben der Tür – guter Gag!

Zurück am Parkplatz treffen wir Klaus aus Lübeck und sein Frau ( Name von der Redaktion frei erfunden ). Klaus und seine Frau kommen aus der anderen Richtung und sind schon ein paar Tage länger unterwegs.

Wir versuchen noch eine schöne Route zurück zum Hotel zu nehmen, aber das Navi zerhackt den zweiten Teil des Ausflugs. Egal. Es ist halb sieben. Wir fahren zurück zum Hotel und essen noch eine Kleinigkeit. Wir sind die einzigen Gäste des sechsköpfigen Personals. Man legt nicht sehr viel Engagement an den Tag. Auch freundliches Auftreten gibt es wohl erst ab 5 Sternen. Solange das Essen schmeckt – und das tat es – sind wir da nicht deutscher als der Papst. Mein nicht aufgegessenes Stück Brot landete auf jeden Fall auf dem Tisch der Angestellten. Dort ging dann auch ein freundliches Gesicht. Trinkgeld gabs trotzdem ein gutes um den Tag zu retten.

Zurück auf dem Zimmer gibt es immer mehr Zweifel an einem vier Sterne Status nach welchem Standard auch immer. Scherben auf dem Balkon, ein verstopfter Abfluss in der Dusche und eine defekte Toilette. Nicht ganz defekt, nur schlecht eingestellt. Spült man, dauert es mindestens eine halbe Stunde bis man erneut spülen kann. Oder man benutzt den Badezimmer Mülleimer um Wasser aus dem Wasserhahn abzuzapfen. Zwei Eimer bei Klein und 5-7 Eimer bei groß. Grobe Erfahrungswerte …

cheers.
Sebastian

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