gefahrene Kilometer heute: 393.86km
gefahrene Kilometer gesamt: 2279.26km

Hallo und Hummpa nach Deutschland,

es ist der siebte Tag unserer Reise und wir haben inzwischen knapp 2.300 Kilometer zurückgelegt. Die letzte Nacht haben wir auf dem Berggipfel des Transaplina Passes verbracht. Wir hatten richtig Glück und die Nacht ist trocken geblieben … und überraschen warm für die Höhe. Heute morgen mussten wir nur einmal die Zelte etwas durch die Luft schleudern und die letzten Tautropfen waren getrocknet. Dann konnte es los gehen.

Unsere Nachbarn die Tannenzapfensammler waren auch morgens schon fleißig. An der Straße gab es außerdem noch eine weitere Arbeitsgruppe. Hier hatten ein paar Männer eine Art Steinbruch eröffnet und klopften sich durch die verschiedenen Felsplatten des Berges. Wahrscheinlich suchten sie nach kleinen Geoden. Zumindest gab es ein paar Meter weiter einen Touristen Markt auf dem solche Mineralien an eigen Ständen verkauft wurden.

An der ein oder anderen Stelle sehen wir oben auch noch Schnee, obwohl es selbst in der Nacht nur bis auf 8°C herunter gekühlt ist und am Tag die 20°C Marke erreichen dürfte war noch nicht alles geschmolzen. Im Winter muss das hier eigentlich win gutes Skigebiet sein.

Vom Gipel sind es immer noch 35 Kilometer bis wir von der Strecke runter sind. Nicht das wir das wollen würden. Auch diese Strecke hat wirklich ihre Reize. Aber wie der Name schon sagt, erinnert es wirklich die Straßen in den Alpen. Die Serpentinen sind enger. Die Straße macht wirklich Spaß. Also hier in der Nähe die 65c bitte unbedingt mit ins Roadbook aufnehmen.

Das nächste Stück führt uns über die E79, ein eher unattraktives Übergangsstück. Wir wollen noch eine letzte schöne Strecke durch die Wälder der Karpaten fahren. Da müssen wir aber erstmal hinkommen. Inzwischen sind die Temperaturen auf gute 35°C gestiegen. Auf dem Motorrad heißt das eigentlich bloß nicht anhalten. In den schweren Klamotten ist das schnell zu viel des Guten.

Unser Frühstück gibt es daher in der Kühlabteilung von Lidl. Allein das Betreten eines klimatisierten Gebäudes tut schon wahnsinnig gut.

Wir biegen ein auf die Route 66A und kommen vorbei an Lupeni und Vulcan. Letzteres ist nicht die Heimat von Mr. Spock sondern ein heruntergekommene Bergbaustadt. Wie Lars so schön sagte: „Ich glaube ich habe noch nie eine so hässliche Stadt gesehen.“ Seit dem 19. Jahrhundert wird hier Bergbau betrieben. Allerdings ist die Blütezeit hier längst vorbei. Man sieht noch viel von den industriellen Überbleibseln dieser Zeit. Viele alte, rostige und kaputte Industrieanlagen zeugen davon. Ein großes Kohlekraftwerk. An der Straße stehen viele Wohnblocks. Doch man sieht wirklich nicht ein schönes Haus mehr. An allen Wänden fehlt es an Putz und an Farbe. Wirklich alles scheint heruntergekommen. Würde man alle Menschen und Blumentöpfe weglassen, müsste man nichts für eine Geisterstadt ändern, die seit Jahren verlassen wäre. Das ist vielleicht nicht unbedingt häßlich, hat aber mit Sicherheit seinen eigenen, speziellen, Charm. Leben möchte ich hier aber wirklich nicht müssen.

Straßenbau ist immer eine spannende Sache. Es wird hier immer eher gepfuscht und geflickt als ordentlich gemacht, aber man hat sich dran gewöhnt. Hier in Lupeni stellt man bei einer einseitigen Verkehrsführung schon gar keine Ampel mehr auf. Es hält sich sich eh keiner dran. An der nächsten Flickstelle bei der gerade neuer Teer auf die Straße aufgetragen wird, werden wir durchgewunken. Einfach durch fahren. Über den frischen Teer. Aber wenn die Jungs da so sagen. Also mein Reifenabdruck ist hier bis zum nächsten Mal Flicken verewigt.

Sobald wir Lupeni hinter uns gelassen haben, wird die Straße schlagartig leerer. Die Straße schlängelt sich nun schon wieder sehr schön durch die Wälder und nicht mehr durch Dörfern. Die letzten Kilometer durch das Stadtgebiet hat uns Hitzetechnisch wieder den Rest gegeben. Zum Glück verläuft neben unserer leeren Straße ein kleiner Gebirgsfluss. Höchste Zeit einmal die Füße da rein zu halten. Was für eine Erholung. Vor der Abfahrt werden auch die Stiefel und die Hose nochmal mit Wasser geflutet. Ist ja eh nach ein paar Stunden wieder trocken. Solange verschafft es etwas Kühlung.

Wir fahren weiter die Straße entlang. Die Straße ist wirklich komplett leer. Irgendwann sehen wir noch ein Schild für einen Campingplatz auf der rechten Seite, dann macht die Straße einen Satz. Schnell in die Eisen, denn ab hier ist die geteerte Straße zu Ende. Wie wir erst viel später erkennen werden, dauert es auch eine ganze Weile, bis wir wieder festen Boden unter den Füßen haben werden.

Aber zuerst freust du dich ja noch und denkst: „Cool. Eine kleine Abenteuerfahrt mitten durch den Wald auf einer richtigen Waldstraße.“ Nicht mal mehr viel Schotter. Ein paar Steine, schwerer Sand und ein das halt ein bisschen zugewachsen. Nach einer Zeit fängst du dich dann doch an zu fragen, ob du nicht irgendein „Durchfahrt verboten“-Schild übersehen hast. Es ist wirklich die allerletzte Straße. Nach einer Kurve steht da auf einmal ein Hund vor dir. Dann noch einer. Der erste Hund beginnt hinter dir her zu laufen. Dann steht da noch ein Hund und noch einer und noch einer hinter der nächsten Kurve. „Sind wir vielleicht doch auf die private Auffahrt einer Waldhütte gefahren und das sind die Hunde des Besitzers? Das Navi sagt immer noch, wir wären richtig.“

Und dann stehst du vor einer Schafherde. Das sind die Hunde der Schäfer gewesen. Er ruft sie inzwischen zurück und sie wollen uns nicht mehr anfallen. Die Straße ist wirklich nicht breit. Die Schafe wollen nicht ausweichen und wir können es nicht. Aber der Schäfer winkt uns heran und teilt die Schafherde für uns wie Moses das Meer. Davon hätte ich ja zu gerne eine Bild gehabt, wie wir durch die Schafe fahren. Mitten im Wald.

Die Sandpiste im Nationalpark Domogled-Valea Cernei hat damit allerdings gerade erst angefangen. Insgesamt brauchen wir knappe drei Stunden für fast 40 Kilometer lange Strecke. An einigen Stellen liegt schön lockerer Sand. An der nächsten Ecke ist es mehr lockeres Geröll. Alles Pisten auf denen sich meine Maschine nicht sooo sehr wohl fühlt. Ein Griff in die Bremsen lässt auch mehr das ABS arbeiten als alles andere. Man fährt eher sehr langsam.

Zwischendurch scheint der abgelegene Pfad ein Ende zu haben. Zumindest stehen auf einmal wieder ein paar Häuser vor uns. Das täuscht allerdings. Vom nächsten Dorf sind wir hier 20 Kilometer entfernt. Das sagt zumindest Romeo. Ihn treffen wir als er uns mit dem Auto entgegen kommt. Er winkt aufgeregt. Aber nur weil er hier Leute trifft und nicht weil es wirklich etwas wichtiges mitzuteilen gibt wie wir glauben. Er wohnt hier draußen. Er hat gerade Heu für seine beiden Kühe geholt.

Nach einem kurzen Schwätzchen geht es weiter. Allerdings nur kurz. Der lockere und nasse Sand ist so gar nichts für mein Vorderrad. Es beschließt seinen eigenen Weg zu gehen. Während ich rechts im Dreck liege, liegt die Maschine rechts kurz vor dem Abgrund. Es geht ein paar mehr Meter nach unten. Der Straßenrand ist zum Glück dicht bewachsen und die Maschine bleibt an einem Bau hängen. Ein Glück, so müssen wir sie nur ein paar Zentimeter wieder auf die Straße schleppen. Panzer-Tape flickt die Löcher in der Plastikverkleidung und klebt auch den rechten Blinker wieder an. Mehr ist zum Glück nicht kaputt. Es kann weiter gehen.

Die Fata Morgana des Motorradreisenden auf dieser Strecke ist eine geteerte Straße. Immer wieder hoffst und siehst du in der Ferne eine feste Straße. Aber es stellt sich immer wieder als eine falsche Vorstellung heraus. Aber irgendwann haben wir es dann doch geschafft. Eine schöne befestigte Straße wartet auf uns. Wir haben unser Tagessoll erfüllt. Wir kommen an einem kleinen Hotel vorbei. Allerdings ist denen das Internet ausgefallen. Weil wir leider nicht genügend Bargeld dabei haben fahren wir weiter.

Die Straße wird langsam immer voller. Neben der Straße fließt eine kleiner Fluss. Immer häufiger sehen wir Leute am Fluss campen. Wir kommen schließlich am Örtchen Băile Herculane ( zu Deutsch Herkulesbad ) raus. Der Ort liegt inmitten eines Tals und hat eine ungewöhnlich hohe Anzahl an Hotels. Wir versuchen es bei drei Hotels, doch alle sind ausgebucht. Auch auf den Straßen ist unglaublich viel los. Der Altersdurchschnitt allerdings sicher über 50. Herkulesbad ist ein Kurort und zu dieser Jahreszeit offensichtlich ein Besuchermagnet.

Eine online Recherche hilft uns im nächsten Ort weiter noch günstige und freie Unterkünfte zu finden. Wir sind inzwischen in Orșova gelandet. Direkt vor unserem Hotelzimmer fließt die Donau. An der geht es morgen weiter entlang …

cheers.
Sebastian

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