gefahrene Kilometer heute: 72km
gefahrene Kilometer gesamt: 5266km

Hallo und Humppa nach Deutschland !

Heute Abend heißt es leider schon wieder Abschied nehmen von diesem Land. Bis dahin haben wir aber noch ein paar Stunden.

Nach einem sehr tollen und ausgibigen Frühstück im Palmquell werden wir sehr pünktlich um 08:50h von Phila abgeholt. Sie und ihr Fahrer zeigen uns heute den Stadtteil Katatura. Dies ist der ärmste und auch am schnellsten wachsende Stadtteil. Während gesamt Windhoek ca. 450 000 Einwohner hat, leben ca. 60% davon hier draußen. Teilweise in 40qm Wohnungen mit bis zu 20 Personen. Teilweise in Blechhütten ohne Strom. Ohne Wasser.

Wir sind die beiden einzigen Gäste heute morgen und bekommen wieder eine private Führung.

Phila ist in Katatura aufgewachsen. Sie zeigt uns ihre alte Straße und ihre alte Schule.

Es fühlt sich ziemlich schnell sehr gut an, in der Begleitung eines farbigen aus dieser eben dieser Gegend hier durchgeführt zu werden. Phila ermutigt uns noch im Auto „Willkommen in Katatura. In meiner Nachbarschaft. Hier findet das Leben auf der Straße statt. Seht nicht nur zu. Nehmt aktiv an dem Leben teil.“

Das ist für uns leichter gesagt als getan. Jeder gute Vorsatz ist schnell dahin, wenn man sieht und erlebt wir hier gelebt wird und man es zwangsläufig mit seinem eigenen Leben vergleicht.

Sie macht diese Touren unter dem Namen „Face to Face“ bereits seit 15 Jahren. Dies Leute und Plätze die sie ansteuert und mit uns zu Fuß durch die Straßen oder über den Markt geht sind diese Szene bereits gewöhnt. Phila wird überall mit uns im Schlepptau mit offenen Armen empfang. Man kennt sie. Man weiß, dass Touristen potentiell auch Geld mitbringen.

Aber auch das ist das Konzept der Tour. Menschen zusammenbringen. Sie führt die Leute nur zueinander. Was die lokalen Geschäfte daraus machen beeinflusst sie nicht.

Der Weg über den Markt mit den Metzgern die Tiere direkt unter dem warmen Wellblech zwischen den Fliegen auseinander nehmen, oder den Grillständen, die auf altem Draht die kleinen Fleischstückchen direkt vor Ort grillen, ist eine besondere Erfahrung für alle Sinne. Augen und vor allem auch dem Geruchssinn.

Wir fahren weiter. Weiter raus durch die reinen Wellblechsiedlungen. Fließend Wasser gibt es nur an verteilten Zapfstationen. Mit Hilfe einer Guthabenkarte kann hier Wasser gezapft werden. Ca. 20N$ ( 1,50 EUR ) kosten hier 100l Wasser, viel Geld in dieser Gegend.

Genau jetzt Platz uns ein Reifen. Keine Gegen wo man der gerne haben möchte. Wir setzen uns in die nächste Bar ( eine größere Wellblechhütte ), solange wir auf den Erssatzreifen warten.

Es scheint unserer Führerin auch nicht so recht zu passen. Gerade hier gestrandet zu sein. Nur ein paar Minuten nachdem wir uns mit Saft niedergelassen haben füllt sich die Bar mit jungen Männern die Weißwein mit Sprite verlängern und mit diesem Mischgetränk ihr Glück an den Spielautomaten versuchen. Der Tresen von Metallgittern umgeben. Es gibt nur kleine Durchreicheöffnungen. Auch wenn alles friedlich ist, ein vollkommen entspanntes Gefühl stell sich nicht ein. Man blickt sich ständig um.

Nach gut einer Stunde ist der Reifen gewechselt. Die Tour geht weiter. Wir besuchen das Penduka Womens Project. Eine von Frauen gegründete Selbsthilfeorganisation für Frauen. Seien es Frauen ohne Familien oder teilweise mit Behinderungen. Sie lernen und lehren hier gegenseitig das Nähen, Töpfern oder Schmuckhandwerk. Die Ergebnisse werden direkt vor Ort verkauft. Wir bekommen alles erklärt und gezeigt. Auch hier werden Menschen wieder zusammengeführt und wir nehmen auch gerne ein paar Sachen aus dem Shop mit.

Wer also einmal auch die andere Seite von Windhoek sehen will, dem sei www.face2facenamibia.com wärmstens ans Herz gelegt. Vielen Dank für eine tolle Tour!

Den Rest des Tages wollen wir selber durch Windhoek Downtown gehen. Allerdings ist die Kirche und der Regierungssitz, Tintenpalast genannt, schnell erkundet. Der Gang über die Hauptstraße und drei Bronzestatuen wollen keine so rechten Erkundungsflair aufkommen lassen.

Der Hinweis im Supermarkt, wir sollten unsere Kameras lieder wegpacken, die würden wir zu offen herumtragen, trägt nicht unbedingt zu einer rundum wohligen und entspannten Stimmung bei. Wir gehen noch eine Runde um den Block und entschließen uns dann den City- Besuch mit einem Kaffee ausklingen zu lassen. Viel zu sehen gibt selbst der Stadtführer nicht her.

Eine selbstgemacht Limonade und eine Tankfüllung später sitzen wir bereits die letzten Kilometer in unserem Mietwagen auf dem Weg zum Flughafen. Die Blechkiste hat dann doch recht zäh durchgehalten. Nur gut, dass wir einen Neuwagen bekommen haben und nichts, das schon zwei mal durch Namibia gefahren ist. Die Reifen waren zum Schluss schon so porös, das sieht man bei uns erst bei 15 Jahre alten Reifen. Aber nicht bereits nach 16 Tagen.

Das Auto wird anstandslos wieder entgegengenommen. Der Dreck und Sand von Außen wie von Innen scheint kein Kommentar wert. Die sind zu frieden, wir haben die Unterschrift und kein Problem mehr. Jetzt heißt es auf den Fliegen warten uns leider, leider „Good bye Namibia“.

cheers,
Sebastian

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