Tag 7, Kyoto. Liebe Deutsche Bahn, da könnt ihr euch aber mal eine Scheibe abschneiden. Die Pünktlichkeit der Japaner hatte ich ja schon erwähnt. Egal bei was, U-Bahn, Tourismus-Bus oder eben jetzt auch die Fernbahn, wenn da 11:01 Uhr drauf steht, dann wird das auch Punkt 11:01 Uhr ( pro Tag beträgt die Summe!! aller Verspätungen der Shinkansen Fernzüge weniger als 5 Minuten ! )

Heute bin ich mit der Shinkansen genannten Hochgeschwindigkeits-Fernbahn von Tokyo nach Kyoto gefahren. Shinkansen meint dabei eigentlich das Streckennetz selber, das einmal längs durch das ganze Land geht und alle großen Städte verbindet. Für die rund 460km Entfernung brauchte die Bahn knappe drei Stunden. Die Höchstgeschwindigkeit des Zuges beträgt theoretisch 320km/h ( der ICE ist natürlich schneller *smile* ). Der Superexpress kommt damit auf eine Durchschnittsgeschwindigkeit von etwas über 200km/h – inkl. der Bahnhofshalte. Und die Bahn fährt alle 10min. Eine Fahrt von Tokio nach Kyoto hat mich allerdings auch 13.400 Yen (~104 EUR) gekostet.

Der Reisekomfort lässt dabei nichts vermissen. Der Zug fährt ausgesprochen ruhig, das moderne Schienennetz, das ausschließlich für diesen Zug und nicht für Güterverkehr genutzt wird, sei dank. Als großer Mensch freut man sich über eine sagenhafte Beinfreiheit. Sogar noch mehr als in der Business Class vom Hinflug. Nur leider waren die Sitze nur für halb so große Menschen gebaut, sodass man die Kopfstütz ständig in den Schulterblättern hatte. Also hinlümmeln.

In Kyoto angekommen schnell die Sachen im Hotel abgegeben – ja! ein Hotel! ein richtiges Hotel, mit eigenem Zimmer und eigener Dusche ( die Kapseln waren trotzdem cool ) – und dann schnell wieder zu Fuß los. Das Auffinden des Hotels war aber nicht ganz so leicht. Denn anders als vielleicht noch in Tokio üblich, hatte dieses Hotel zwar noch eine englische Bezeichnung auf booking.com aber nicht an der Fassade. Und so stand ich mit meinem aufgeklappten Laptop an der Straße und suchte nach Orientierung für 5min, fragte einen Passanten und hatte dann Glück, dass der Landenbesitzer, vor dessen Lokal ich stand englisch sprach und mir helfen konnte. Ich stand die ganze Zeit direkt vor dem Hotel, das sich für mich leider nur nicht so dargestellt hatte. Drinnen ging es leider so weiter und der Checkin wurde zu einer Hand-Fuß-Kommunikation mit viel Lächeln.

Zu Fuß ging es dann erstmal weiter in die Innenstadt. Meine ursprünglichen Pläne nochmal nach Osaka zu fahren hatte ich verworfen. Ich wollte lieber etwas mehr Zeit in Tokyo und Kyoto, der kulturellen Hauptstadt Japans, haben. Kyoto hat mehr als 1600 buddhistischen Tempel und 400 Schreine.

Kurzer Einwurf: Es ist total merkwürdig sich vom Bett zum Schreibtisch zu bewegen, weil dort die Getränkeflasche steht. In der Kapsel war alles mit einem Griff erreichbar.

Der erste Ausflug ging in den Nishi Hongwanji Tempelanlagen. Schon ein kleiner WOW Effekt. Die beiden Haupttempel zählen zu den größten reinen Holzbauwerke der Welt ( wie sicher auch noch andere demnächst, auf dem Rückweg bin ich noch an etwas Größerem vorbeigelaufen, die hatten aber schon zu ). Die Bauwerke sind fast 400 Jahre alt und haben schon alle Erdbeben fast schadlos überstanden. Die tragenden Holzbalken, also komplette Baumstämme sind riesig. Man geht schon mit einer Ehrfurcht auf dieses Bauwerk zu. Siehe kleiner Japaner ( ca. 1,50m ) im Vordergrund für die Größenverhältnisse.

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Vor den Tempeln gilt natürlich: Schuhe aus! Teilweise werden noch Hausschuhe bereitgestellt. Die waren mir natürlich alle zu klein. Aber auf den Socke geht es auch. Die Schuhe bleiben draußen stehen, oder man nimmt die Schuhe in Plastiktüten mit, die man an der Treppe bekommt. Ein wirklich skuriler Anblick wenn fast alle mit einer kleinen weißen Plastiktüte rumlaufen. Vor allem aber raschelt es dadurch auch im Tempel die ganze Zeit.

Durch die unglaubliche Größe des Bauwerks und durch den Umstand, dass ich keine Ahnung hatte wie man sich korrekt verhält bin ich natürlich sehr ruhig und vorsichtig bei allem gewesen. Bloß nicht auffallen und niemanden stören. Ich hatte mich auch erst nicht getraut drinnen Bilder zu machen. Nachdem sich aber andere Japaner auch während einer andauernden Zeremonie unterhalten und Bilder gemacht hatten, habe ich mir zumindest das erlaubt ( nachdem ich die Kamera auf leises Auslösen umgestellt hatte ).

Für eine kleine Reisegruppe die sich direkt vor den Altar? gesetzt hatte wurde eine kleine Zeremonie abgehalten. Für mich, der ohnehin schon von Allem so überwältigt war, war es unglaublich, wie wahnsinnig demütig sich jeder verhalten hat und mit welcher Hingabe und innerer Zufriedenheit. Selbst nach der kurzen Zeremonie, nach der die Mönche? nur zwei kleine Tische wieder beiseitegestellt haben, knieten sie sich jeder mal mit einer deutlichen Verbeugung in Richtung Alter, nahmen dann erst den Tisch an sich und trugen ihn dann zur Seite. Als wollten sie deutlich machen: „Ich nehme dir nichts weg, ich stelle das jetzt nur dort drüben hin“.

Man geht dort sehr entschleunigt und nachdenklich wieder raus.

Ich gehe ohnehin ja lieber quer durch die Stadt und weg von den großen Straßen. Um so kleiner die Straßen von um so weiter weg von den Haupttouristen- Routen, um so besser ( und um so mehr sehen sie dich an ). Wer mal ein paar Minuten mitlaufen möchte ist herzlich eingeladen ( scheinbar wird gerade gewählt, ich lasse mich jetzt umschulen, ich will jetzt auch hauptberuflicher Winker werden min 1:30 ):

Kyoto ist irgendwie ganz anders als Tokyo. Letztere ist schon sehr stark seiner eigenen Internationalität ausgesetzt. Kyoto ist sicherlich auch viel von Touristen besucht, aber weniger mit dem Shopping Gedanken, als das es hier wirklich mehr um das kulturelle Gut geht. In Tokyo kommt man mit Englisch deutlich weiter als hier. Hier sind es denn eben eher Hände und Füße und eine nettes Lächeln. Unglaublich hilfsbereit ist man auch hier. Aber als 2m Europäer wirst du hier deutlich mehr angeguckt als noch in Tokyo ( besonders gemerkt an einem kleinen Mädchen die an der Hand ihrer Mutter mit großen Augen und offenem Mund auf mich zeigte ). Aber schön ist es hier !

booking.com ist ein Arsch. Gerade kam die freundliche Erinnerung „Bereiten Sie sich auf Ihre Reise nach Tokyo Narita vor“. Die erinnern mich jetzt schon an die Abreise. Ansonsten hab ich die allerdings gerade sehr lieb gewonnen, was spontane Hotelbuchungen in Japan angeht.

Nochmal eine Notiz an mich selber: Nächstes mal nicht ganz so kurzentschlossen buchen und dann das Japan Rail Ticket besorgen. Gibt es für alle Ausländer. In der Heimat beantragen und vor Ort gegen den er Post erhaltenen Beleg tauschen. Für 250 EUR können dann alle Bahnen durchs Land benutzt werden. Lohnt sich also auf jeden Fall wenn man etwas mehr durch Japan fahren will. Und: Übersetzung des Führerscheins beantragen.

cheers.
Sebastian

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