Tag 5, Tokyo. Das wichtigste zuerst. Ich hab mich getraut den ersten Knopf der Toilette zu drücken. Schon schießt dir ein kleiner, aber überraschend gezielter Strahl ( vorgewärmtes Wasser ) unter den Allerwertesten. Irgendwie dann doch ungewohnt und unangenehm.

Auch überraschend aber weniger unangenehm: Von gestern 10°C mit Regen auf heute 26°C mit keiner Wolke am Himmel. Wer konnte damit rechnen ? Im nachher ein betrachtet hätte ich mich auf jeden Fall mit Sonnencreme einschmieren sollen. Nun haben die Arme wieder so eine angenehm warnende Farbe. Für morgen ist allerdings wieder Regen angesagt. Laut Google allerdings nur in den Morgen und Abendstunden. Ich könnte Glück haben.

Heute ging es für meine Füße etwas schonender zu. Heute habe ich nur ca. 14km zu Fuß gemacht. Den Rest per Touri-Bus und der ersten U-Bahn Fahrt.
Aus meiner Hotel-Kapsel ging es heute morgen Richtung Osten – Tokyo Downtown – und dem Kaiserpalast. Das ist da wo die Ganzen Hochhäuser stehen die man aus dem Fernsehen kennt. Das Finanzzentrum des Landes. Das sieht man Werktags deutlich vor allem an der Kleiderordnung die hier auf der Straße vorherrscht. Alle tragen den gleichen dunklen Anzug und ein weißes Hemd. Sehr klassisch. Die Damen natürlich in einem dunklen Kostüm und einer weißen Bluse.

Im Regierungsviertel stehen an den meisten Kreuzungen Polizisten. Ist die Straße die direkte Zufahrt zu einem der wichtigeren Regierungsgebäude stehen sogar Absperrzäune direkt an der Straßenkreuzung. Die Polizisten haben eine Schlaufe fest ums Handgelenkt gebunden. Die andere Seite ist fest am Zaun, sodass der Zaun binnen Sekunden die Straße abriegelt. Und die sind ganz bestimmt in irgendeiner Kampfkunst geschult. Die tragen nämlich entweder eine Waffe oder, was wahrscheinlich gefährlicher ist, einen 1,50m Holzstock.

Downtown Tokyo liegt dann auch der Kaiser-Palast. Von dem leider nur der östliche Garten zu besichtigen ist. Angesichts langer Warteschlangen habe ich es aber nicht mal probieren wollen. Während ich zumindest die Außenwand der Wallanlagen fotografiert habe stand neben mir ein Pärchen, die offensichtlich aus den USA stammen mussten: „Look! The Chinese Wall. It’s sooo hugh!“ – true Story.
Der Platz verdeutlicht einmal mehr den großen Spagat der Japaner zwischen Tradition und Moderne. Ein riesiger Platz mit in japanischer Sorgfalt gepflegten Parkanlage und auf der anderen Straßenseite die Finanzwelt riesigen Hochhäusern aus Glas und Stahl. Im Gegensatz zu den amerikanischen Großstädten gehören hier aber Gärten und vor allem Bäume zu einem Gebäude dazu. Man findet kein noch so kaltes Gebäude, dass nicht wenigstens mit richtigen Bäumen (30m+) vor der Eingangstür oder einer kleinen Gartenanlage aufwarten kann.

Apropos japanische Sorgfalt: Viele Kirschblüten fallen ja leider schon von den Bäumen. Das gibt natürlich eine riesen Sauerei auf dem Fußboden. Um den ein oder anderen Schrein habe ich allerdings schon Japaner mit Handstaubsaugern gesehen, die draußen die Straße ansaugen, damit es auch schön ordentlich ist. Dann kann sich selbst der deutsche Ordnungsfan noch eine Scheibe abschneiden.

In Mitten der Hochhäuser steht auch der Tokioer Zentralbahnhof bei dem die meisten U-Bahn und Verbahnen kreuzen. Über bis zu 5 Ebenen ( über- und unterirdisch ) fahren hier Bahnen eine und aus. Dementsprechend voll ist auch sein Innenleben. Wenn man das Prinzip erst einmal verstanden hat, ist das sogar ganz leicht. Man muss sich nur vergewissern wo man ist und wo man hin will. In der Eingangshalle findet sich eine Karte mit allen Haltstationen. Für jede Station steht dann der Preis angeschrieben. Am Automaten gebe ich dann nur noch eben diesen Preis ein und bekomme die Karte. Die Bahn-Stationen sind dann wie in Amerika, bei denen die Tickets am Eingang zum Bahnsteig entwertet werden und beim Verlassen der Zielstation ggf. wieder eingezogen werden.

Die 30min Fahrt von der Tokio Station zu meinem Hotel Shinjuku kostet 200 Yen, ca. 1,60 EUR. Erschrenkend, wenn das mit der Bahn schon 30min dauert ( wenn auch in einem Bogen gefahren wird ), ich das sonst aber immer zu Fuß gemacht haben. Um 17:30h hatte ich scheinbar noch kein Problem mit den U-Bahnen, ich hatte sogar einen Sitzplatz. Innerhalb der Bahn wurden die Stationen sogar auf Englisch angesagt. Morgen wird es dann wieder mit der Bahn in die Innenstadt gehen um etwas Zeit zu sparen und die Strecke kenne ich jetzt ja schon.

In der Nähe zum Hauptbahnhof stehen auch die Touri-Busse bereit. Ein 2-Tage Ticket das 3 Linien abdeckt und zwischen denen beliebig gewechselt werden kann kostet gerade mal 26 EUR. Deutlich günstiger als die Amerkianischen Kollegen. Allerdings auch qualitativ nicht sonderlich gut. Man hätte sicher mehr zu seiner Stadt erzählen können, aber die meiste Zeit kam nur die Wartemusik aus den Kopfhörer. Die Linien fahren allerdings vorwiegend westlich vom Tokio Hauptbahnhof. Also die genau die Stadtteile die ich bisher noch nicht zu Fuß erkundet habe. Dort wird es also morgen weitergehen um sich noch ein paar Inspirationen für Fußtouren zu holen.

Rund ums Stadtzentrum fühlt man sich auch nicht mehr ganz so sehr unter Beobachtung. Als Europäer fällt man immer noch stark auf – wir grüßen uns quasi – aber es sind deutlich mehr, als ich auf den bisherigen Wanderungen gesehen habe. Auch wenn die Japaner in der Masse größer sind als ich erst klischeehaft angenommen hatte, so fällt die Größe natürlich trotzdem auf. Der Japaner ist aber so höflich und zurückhaltend, der ist beim Anstarren sehr dezent.

Auf dem Rückweg von meiner Bahnstation zum Hotel habe ich noch eine ganz tolle Gasse gefunden in der es links und rechts einen Grill oder Nudelmann neben dem anderen gibt. Jeweils nur mit 5 – 6 Sitzen und so klein, dass ich da wahrscheinlich nicht mal reinpasse, aber das sah nach richtigem Fressbasar für Insider aus. Nur einmal durchgelaufen und das T-Shirt riecht schon seit Stunden nach Bratfett. Aber die Grills sahen auch so aus, als wenn man das mit Westeuropäischem Magen-Darm-Trackt nur essen sollte, wenn ein WC nicht all zu weit weg ist.

Am Ende der Gasse gab es dann auch noch ein kleines Zoogeschäft. Vor der Tür ein Rollwagen mit 12 Käfigeinheiten in denen es kleine Baby-Hündchen gab, die höchstens ein paar Wochen alt gewesen sind. Ich hätte am liebsten alle mitgenommen :(

Der Plan für die nächsten Tage steht nun auch. Heute und morgen habe ich noch eine Nacht in meiner Kapsel. Am Mittwoch wird es dann für 3 Tage mit dem Hochgeschwindigkeits-Zug nach Kyoto gehen. Dort wartet ein richtiges Hotel und keine schnarchenden Japaner in der Kapsel neben mir auf mich.

Nach dem kleinen Abstecher geht es dann nochmals für 2 Tage nach Tokio. Es fehlt hier einfach noch zu viel. Aber auch die letzten beiden Tage gibt es ein richtiges Hotel. Dann in der Nähe der Tokio Station. Weil mein Flug bereits um 9h wieder in die Heimat geht, aber der Zug erst ab 6 fährt und 1,5 Stunden braucht werde ich meine letzte Nacht in Japan am Terminal 2 verbringen. Da gibt es auch ein Kapsel Hotel :)

cheers.
Sebastian

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