gefahrene Kilometer heute: 160.9km
gefahrene Kilometer gesamt: 1842.6km

Hallo und Hummpa nach Deutschland,

Tag 7. Wir haben leider schon das Bergfest unserer Reise erreicht. Zur Feier des Tages wollten wir uns mit einer Whale-Watching Tour verwöhnen. Wir hatten uns den Tag vorher bereits zwei Plätze für 11:30h reserviert. Die Uhrzeit spielt für die Wale keine Rolle. Der frühe Wal fängt also kein Stück besseren Krill. Vielen Dank liebe Wale, dass ihr euch da meinem Biorhythmus anpasst und nicht besonders früh wach seid. Es war auch kein großes Problem einen Platz zu bekommen. Vielleicht ist hier in den nächsten Monaten mehr los, aber jetzt gerade schienen die Booten nicht von Touristen überfüllt gewesen zu sein. Die Wahle-Watching-Szene teilt sich hier in Húsavík in drei Anbieter. Zwei mit klassischen Holz- und neuer neuerdings wohl auch Eco-friendly Elektrobooten. Der dritte Anbieter fährt mit einer größeren und stabileren Version von Schlaubooten raus. Diese Boote sind natürlich schneller und wendiger. Was in der Theorie ein Vorteil sein sollte, hat in der Praxis auch nicht zu mehr Wal-Kontakten geführt. Und es hat den Nachteil: Du sitzt da draußen, 50m vom Wasser entfernt. Man ist sicher mehr damit beschäftigt sich festzuhalten, geschweige denn noch eine Kamera zusätzlich.

Wir sind also auf unserem Boot gestartet. Den das Wetter war zwar deutlich besser als am Vortag, aber immer noch ein kleines Lüftchen und leider auch eine kleine Portion Regen. Man hat uns gewarnt, dass die See nicht ganz so mild wäre. War und natürlich egal, wir hatten vorsichtshalber noch Tabletten gegen Reisekrankheit genommen. Der Titel der Seite verrät, dass es uns später nicht mehr ganz egal sein würde. Wichtig war erstmal: Die Tour findet statt. Wir fahren raus uns sehen Wale.

Und in der Tat hieß es nach 20min Fahrt in die Bucht vor Húsavík „nine o’clock“. Was nach Einweisung zu Beginn der Fahrt hieß „Walsichtung mittig links“, entsprechend Uhrzeit auf einem Ziffernblatt in Fahrtrichtung des Schiffes. Was natürlich hieß die ganze Meute auf dem Schiff von der einen auf die andere Seite rannte. Oder es zumindest versuchte. Denn nicht mehr im Hafenbecken war der Seegang immerhin schon ein anderer. Keine meterhohen Wellen, aber eben schon so, dass alleine mit einem stabilen Stand, kein Blumentopf mehr zu gewinnen war. Sitzen und/oder festhalten war angesagt.

Und es war ein Zwergwal. Ein Walsichtung besteht immer aus dem drei Teilen:

  1. Sichtung Blasfontäne. Der Wal atmet aus und man sieht eine kleine Wasserfontäne (Blow)
  2. Sichtung des Rückens
  3. Abtauchen der Schwanzflosse

Der Name Zwergwal impliziert leider auch, das es ein vergleichsweise kleines Tier ist, der Ablauf also eher schnell passiert. Klein ist natürlich in diesen Dimensionen immer noch relativ. Ein Zwergwal wird immerhin 8-10m groß.

Nach mehreren Wendungen und Fahrten haben wir verschiedene Sichtungen von wahrscheinlich 5 verschiedenen Tieren gehabt. Dabei immer wieder Zwergwale.

Nach der Hälfte der Tour fing allerdings die Stimmung etwas zu kippen. Die Aufregung war schon etwas verflogen und bei vielen – mir inklusive – meldete sich der Magen, mit der Beschwerde, dass hier Gleichgewichtssinn und Wahrnehmung irgendwie nicht den üblichen Parametern entsprechen.

Der Fokus ein richtig tolles Wal-Bild zu machen rückte bei mir ein wenig in den Hintergrund. So eine Bank im hinteren Teil des Schiffes und frische Luft ist doch auch was schönes. Da waren auch nicht so viele Leute. Manchmal muss auch einfach Glück haben und in dem Moment taucht genau auf der Seite neben dem Boot ein Wal auf. Aber nach dem auch der Wal wieder abgetaucht war meldeten sich erst die Passagiere zu meiner linken und legten ein paar Fischköder aus, aus dem was sie zum Frühstück gegessen hatten. Sekunden später ließ sich davon auch die rechte Seite anstecken und fütterte mit. Ich dachte mir: „Guck da jetzt bloß nicht hin, guck da nicht hin.“ Ich habs dann mit mehrfachem Hyperventilieren doch noch verlustfrei wieder an Land geschafft. Ein paar richtig große Wale wären schön gewesen, aber dazu waren wir vermutlich auch nicht weit genug auf dem offenen Meer.

Für uns ging es heute dann vor allem weiter nach Akureyri. Mit 17.000 Einwohnern die zweit größte Stadt des Landes und die inoffizielle Hauptstadt des Nordens.

Auf dem Weg dahin kommen wir noch am Goðafoss – dem Wasserfall der Götter – vorbei. Dem Wasserfall der Götter. Der Sage nach soll der Gode Þorgeir um das Jahr 1000 n. Chr. nach der beschlossenen Übernahme des Christentums als Staatsreligion die letzten heidnischen Götterbilder in den Goðafoss geworfen haben.

Es ist wieder ein tolles Beispiel dafür wie nah man hier an die richtige Natur kommt. Es gibt für die zwei wichtigsten Punkte befestigte Aussichtspunkte. Ansonsten kann man fast überall ungehindert den Trampelfaden entlang den Wasserfall bestaunen und auf eigenes Risiko so dicht ran wie man möchte. Trotzdem sieht es nicht zertrampelt aus. Es liegt nirgendwo Müll oder ähnliches.

Die Stadt Akureyri ist vor allem deswegen toll, weil es hier endlich einen Elektronik-Fachmarkt gibt. Im MediaMarkt Islands kann ich mir endlich eine externe Festplatte kaufen um alle meine Bilder auch wirklich nach Hause zu bekommen. In den letzten beiden Unterkünften war die Internetverbindung nicht mehr sooo toll, als das man Bilder übers Netz hätte sichern können.

Es gibt hier sogar einen Apple-Reseller. Bei dem war ich zuerst gelandet, bevor wir den anderen Laden gesehen haben. Absolut kompetenzfrei! Dafür mit Steve-Jobs Bild an der Wand – bitte bilden sie sich an dieser Stelle ihre eigne schlechte Meinung.

Am Ausgang kommt uns Paul entgegen. Paul war der nette Mann, der uns am Flughafen unseren Leihwagen vermietet hat. Er hat uns nicht wiedererkannt. Wahrscheinlich weil er uns kein einziges Extra oder Upgrade verkaufen konnte. Sorry Paul.

Postkarten kosten hier übrigens auch nicht mehr als zu Hause. Porto schon. 2,50 EUR für eine Postkarte aufs europäische Festland. Blöd wenn man sich so über die „günstigen“ Postkarten gefreut hat und erst nach der Kasse verdutzt auf die Rechnung schaut.

Gäbe es nicht eine große Baustelle direkt vor unserem Hotel, dann hätten wir sogar einen traumhaften Ausblick auf den Fjord. So blenden wir einfach den unteren Teil aus und verdauen unseren Burger aus der Backpackers Bar in aller Ruhe, während der Laptop alle Bilder auf die neue Festplatte sichert.

cheers.
Sebastian

1 thought on “ Island – Tag 7: Frühstück über Board ”

  1. Schöne Grüße aus Litauen. Ich bin hier schneller mit der geplanten Tour fertig als gedacht. Bremst ja auch keiner um ständig Fotos zu machen. Ich erzähle übrigens jedem der es wissen will und den anderen erst recht, daß mein Kumpel jetzt ne Freundin hat und deswegen was anderes im Kopf hat als mit mir auf Tour zu gehen!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.