gefahrene Kilometer heute: 261.8km
gefahrene Kilometer gesamt: 361.9km

Hallo und Hummpa nach Deutschland,

Tag 2. Was ist das geil hier! Nachdem wir unser Guesthouse gestern ja so anonym bezogen haben, lernten wir heute morgen beim Auschecken und bezahlen unseren sehr sympathischen und netten Gastwirt Jonnas kennen. Ein wirklich netter Kerl. Er hat uns gleich noch ein paar Tipps mit auf den Weg gegeben wo man in der Ecke noch schön wandern könnte. Und da wir eh noch für ein paar Vorräte in die nächst größere Stadt wollten, war für uns der erste Stopp des Tages die heißen Quellen von Reykjadalur ( ich habe drei Anläufe gebraucht diesen Namen korrekt abzutippen ).

Vom Parkplatz aus sollen es drei Kilometer zu Fuss sein bis man an die heißen Quellen kommt. Gleich nach dem Parken und den ersten Metern den Berg hinauf kommt dir aber schon der Geruch von Schwefel entgegen. Alles Wasser das dir entgegenströmt ist mehr als Handwarm. In dem warmen Wasser schimmern die Algen. Aber es geht noch eine Kurve um den Berg und dann noch eine. Dann gibt es noch einen kleinen Wasserfall. Dann noch eine Kurve und noch eine. Wie viel Meter sollten es sein? Fast ganz oben angekommen gibt es eine keine Ponystation. Ein paar Pferde sind eingepfercht während ihre Besitzer im Wasser baden gehen. Das war der erste wirkliche tolle Eindruck von Island was Berge, Wasserfälle und heiße Quellen angeht.

Die Leute die wir treffen lassen sich ziemlich strikt in zwei Gruppen einteilen. Gruppe A) ist der übermotivierte Wanderer ( zu der wir uns streng genommen auch zählen müssen ). Gruppe A) ist bestens ausgerüstet. Mindestens gut dimensionierte Wanderstiefel. Premiummarke. In den meisten fällen noch mit kompletter Wandermontur aus passender, atmungsaktiver Jacke und Hose. Premiummarke. Ggf. auch mit Wanderstöcken. Auf jeden Fall mit Wanderrucksack. Und dann ist da noch Gruppe B). Der einheimische Isländer. Der geht mir Sneakers oder im besten Fall mit Adiletten den Berg rauf. Ein Handtuch unter dem Arm oder im besten Fall alle Sachen in der Discounter-Plastiktüte. Scheiß was auf Wanderstiefel. Ich geh jetzt Baden. Denkt der sich. Der Isländer.

Nächster Stopp nachdem wir zurückgekehrt sind: Supermarkt. Ein paar Vorräte für die nächsten Tage kaufen. Wer weiß was noch kommt. Ein bisschen Brot ein bisschen Wurst und Käse. Damit lassen sich auch unterwegs super Sandwiches machen. Die Packung Salami, die bei uns für 1,99 EUR zu erstehen ist, kostet hier fast 5 EUR. Unter der Packung Käse rankte ein Schild mit gut 17 EUR. Das wären dann aber zum Glück Kilo-Preise. So hat der junge Gounda dann auch nur knappe 5 EUR gekostet. Schnell noch Limos und Schokoriegel ins Körbchen gelegt … und eigentlich sollte noch eine kleines Bier dazu. Aber in dem ganzen Supermarkt lässt sich kein Bier finden. Neben den Energydrinks gibt es ein paar komisch aussehende Bierdosen. Aber alle weisen nur 2,25Vol% auf. Richtiges Bier kann das nicht sein. Inzwischen wissen wir, dass nur die staatliche Alkoholladen-Kette Alkoholika mit mehr als 2,25% verkaufen darf.

Wir fahren weiter. Über verschiedene Blogs hatte ich von den schönen Strecken nahe des Naturschutzparks „Þórsmörk“ – keine Ahnung wie das ausgesprochen wird – gelesen. Also war auch das auf dem Navi eingetragen. Wir fahren dafür ein wenig von der Ringstraße ab. Damit sind ganz automatisch deutlich weniger Autos unterwegs. Also noch weniger als ohnehin schon. Auf unsere linken haben wir eine grüne Anhöhe und leichte Berge. Auf der Rechten sehen wir ein sehr breites Flussbett, oder etwas das vor sehr langer Zeit mal eins war. Dahinter erstrecken sich mit Schnee bedeckte Gipfel. Einer davon war der 2010 ausgebrochene Vulkan mit einem noch weniger aussprechbaren Namen. Wir machen noch ein paar mehr Fotostopps. Irgendwann geht die geteerte Straße über in eine Schotterpiste. Aber immer noch in einem sehr sehr guten Zustand. Die Straße macht einen Knick. Wir fahren inzwischen die Schotterpiste komplett alleine auf der Straße. Auch wenn ab und an entfernt an dieser Straße noch Häuser liegen und man sich denkt: Die brauchen 4 Stunden um mal eben schnell Einkaufen zu fahren … Nun aber steht da ein Schild auf der Straße „Unpassierbar“. Links und rechts geht ein Fahrspur an dem Schild vorbei.

Wir steigen zuerst aus und wollen wenigstens eine paar Meter gehen. Hinter den Schildern kommt ein kleiner Hügel. Dahinter befindet sich eine Überfahrt über einen kleinen Fluss. Die Überfahrt sieht aber sehr wohl passierbar aus. Wir gehen zurück zum Auto. „Da fahren wir rüber.“ Drehen dann doch wieder um und gehen nochmal ein paar Meter zu Fuß. Inzwischen waren zwei ältere Herrschaften mit dem exakt gleichen Problem aufgetaucht. Wir setzen uns das zweite mal ins Auto und fahren los. „Unpassierbar“ am Arsch. Die beste Entscheidung des Tages. Nach einem Kilometer der Hinweis, ab hier nur noch mit Allrad-Fahrzeugen zu fahren. Was ein Glück. Wir hatten Allrad schon dazugeschaltet. Hier und da kreuzt ein kleiner Bachlauf die Straße. Das Wasser spritzt Links und Rechts am Auto vorbei. Nein, was ist das schön. Hier sind wir ganz alleine. Nur ein paar Austernfischer piepsen uns an um ihre Jungen zu schützen.

Es geht immer noch um eine Kurve mehr. Immer tollere Berge und Landschaften zeigen sich hinter der nächsten Kruve. Aber irgendwann ist die Strecke dann doch unpassierbar. Zumindest für unseren kleinen Jimny. Da war wohl mal etwas mehr weg im letzten Jahr. Also drehen wir wieder um. Das hätten wir eh irgendwann gemacht. Denn unser nächstes Ziel ist der Seljalandsfoss Wasserfall. Das liegt in der anderen Richtung. Was für eine tolle Abenteuerstrecke. 4×4 mieten lohnt sich!

Der Seljalandsfoss Wasserfall ist a) leider geil und b) leider voll der Touristen Magnet. Der riesige Wasserfall hat über die Jahrhunderte ( reine Vermutung ) eine Aushöhlung hinterlassen. Man kann also gemütlich einmal um die Wassersäule laufen und hinter den Wasserfall gehen. Leider tun das eben alle der nicht enden wollenden Touristenströme. Nun gut. Es sind zwar nur so 100 auf einmal die sich um den Wsserfall verteilen. Aber es sind eben auch mehr, als, dass die nicht auf einem Foto auffallen würden und ständig im Weg stehen. Trotzdem ist der Wasserfall wirklich beeindruckend.

Die letzte Station für heute wird Skógafoss sein. Wir fahren dafür auch kurz an unserem Guesthouse für die heutige Nacht vorbei. Beim Vorbeifahren bleibt der Gedanke hängen „Mmh, kein Stück besser als gestern.“ Dazu kommt aber die Gewissheit ein Gemeinschaftsbad zu haben. Nun gut.

Skógafoss ist ebenfalls ein Wasserfall. Noch eine kleine Nummer größer. Und mit einem Aussichtspunkt an der oberen Kante. Wir klettern also die etwas mehr als 62 Meter die der Wasserfall hoch ist. Unter bekommt man leider wieder kein richtig tollen Bild, also eines auf dem keine Touristen drauf zu sehen wären. Oben ist schon deutlich weniger los. Den Aufstieg halten wohl wenige für lohnenswert. Irrtum. Das eigentlich tolle daran ist der Weg, der den Fluss bis zu dem Wasserfall entlangführt. 24 weitere kleine Wasserfälle soll es hier geben. Und tatsächlich schlängelt sich der Fluss über Stock und Stein durch die Landschaft. Und ein Abschnitt ist schöne und unberührter als der nächste. Zwei kleine Wasserfälle später hört auch der schöne Geröllweg auf, den man für die Touristen geschüttet hat. Über bleibt nur noch eine kleiner Trampelpfad. Und hier gibt es tolle Ecken! Es lohnt sich. Wirklich!

Was sich nicht lohnt ist das Essen. Natürlich war uns klar, dass das Essen in der Nähe einer solchen Attraktion nicht wirklich billig ist. Aber auf dem Weg zu unserem Guesthouse war ja sonst auch nichts. Also gehen wir hier schnell einen kleinen Burger essen. 44 EUR kosten zwei einfache Hamburger, eine Pepsi (0,3l) und ein Apfelsaft im Tetrapack (0,2l). Am Guesthouse angekommen steht da „Melden sie sich im Restaurant gegenüber.“ Na toll. Hätten wir das gewusst. Und dann sieht das in dem kleinen und wirklich unscheinbaren Restaurant auch noch wirklich gut aus und es kostet auch deutlich weniger als in der Touristenbar. Egal. Zumindest Frühstück gibt es morgen früh hier für uns. Und das ist schon im Preis von 140 EUR enthalten. Für ein Zimmer mit Gemeinschaftsbad. Aber bei dem geilen Aussichten heute …

cheers.
Sebastian

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