gefahrene Kilometer heute: 440.9km
gefahrene Kilometer gesamt: 3142.9km

Hallo und Hummpa nach Deutschland,

Tag 10. Wenn man auf die Karte schaut, dann sind wir irgendwie gefühlt schon sehr kurz vor dem Ende der Tour. Ich will jetzt noch nicht aufhören! Ein paar Tage haben wir aber noch. Heute verlassen wir allerdings erst einmal die Westfjorde. Wir verlassen unser kleines Guesthouse – mit dem schlechtesten Internet der ganzen Reise. Pro Tipp: Das D-Netz hier auf der Insel ist wirklich sehr gut. Es gibt nur sehr wenige Spots an denen kein UMTS oder mehr verfügbar ist. Eine lokale SIM-Karte lohnt sich auf jeden Fall. Damit lässt sich auch schon mal schlechtes WLAN im Guesthouse überbrücken.

Heute haben wir schon wieder Glück. Der zweite Tag an dem wir bei strahlender Sonne in den Tag starten. Und wir haben noch mehr Glück. Wir sehen einen Polarfuchs! Tatsächlich erwischen wir einen dieser sonst scheuen Tiere am Straßenrand. Im Winter ernährt er sich meist von Beeren. Jetzt im isländischen Frühjahr steht auch mal Ei auf dem Speiseplan. Und genau so eines erbeutet unser kleiner Freund. Der Polarfuchs ist das einzige einheimische Säugetier in Island. Und viele auf dem Boden brütenden Vögel machen ihm die Jagd in diesem Fall sehr einfach. Etwas zerrupft sieht er aus. Er wechselt gerade von seinem weißen Winterfell auf das braune Sommerkleid. Aber er scheint auch glücklich zu sein über das schöne Wetter ( und das leckere Essen ).

Gefühlt gibt es in Island nur drei Radiosender. Und gefühlt ist der Island sehr einsam aber mitteilungsbedürftig. Beides zusammen führt dazu, dass wenn man mal Radioempfang im Auto hat maximal drei verschiedenen Programme laufen, auf denen mit ziemlicher Sicherheit nur gequatscht wird, aber wenig Musik läuft. Das sind bei schlechten Kenntnissen der isländischen Sprache schlechte Voraussetzungen um einen positiven Unterhaltungswert aus dem Gerät zu ziehen.

Nach den Westfjorden kommt die Halbinsel Snæfellsnes. Diese Landzunge muss man auch umfahren wenn man wenig Zeit auf Island hat. Hier kann man das ganze Land in einem Tag komprimiert umrunden. Es gibt mit Moos bedeckte Lavalandschaften. Schneebedeckte Berge und Gletscher. Und Steilküsten mit Vogelkolonien genauso wie interessante Fjorde und Wasserfälle.

Eines der mit beeindruckensten Bilder der bisherigen Reise war für mich das Dreieck zwischen der Route 54 und Route 56. Von Osten kommend baut sich eine immer beindruckendere Kulisse aus Berger vor einem auf. Die einen kleiner und schwarz von Vulkanerde. Die anderen höher und dunkeldgrün oder auch grau und hellgrün bedeckt von Moosen. Dahinter erstrecken sich die Höchsten. Schneebedeckt. Zu deiner Linken ein Meer aus dem dicken, jahrhundertealtem dunklen Moos. Zu deiner rechten eine kleiner Berg, dahinter das dunkelblaue Meer. Es sind wirklich 10-20 Minuten in denen du nichts mehr sagen kannst. Nur starren und genießen und hoffen das es nie wieder zu Ende geht.

Eine Kurve dahinter finden wir den Kirkjufell. Der Vulkanberg am Fjord Grundarfjörður ist eines der bekanntesten Fotomotive Islands. Hier soll auch für den Film „The Secret Life of Walter Mitty“ in Teilen gedreht worden sein. Ich muss ihn mir dringend nochmal ansehen. Weil an diese Stelle erinnere ich mich nicht.

In der direkten Nachbarschaft gibt es den Wasserfall Kirkjufellsfoss. Im Vergleich zu dem was wir bisher gesehen haben, ist dieser Anblick eher übersichtlich. Trotzdem merkt man leider langsam, dass wir dichter an die Hauptstadt kommen. Die Anzahl der Touristen die nur wenig Zeit haben und nur eine überschaubare Anzahl von Dingen sehen können, nimmt etwas zu.

Wir drehen unsere Runde um die Halbinsel weiter. An der Spitze befindet sich der Snaefellsjoekull National Park. Hier gibt es eine tolle kleine Strandbucht, einen tollen Aussichtspunkt für Vogelbeobachtungen. Und von der äußersten Spitze soll man auch Wale auf dem Meer beobachten können. Auch wenn man keine Wale sieht, ist eine kleine Wanderung durch den National Park seine Zeit wert. Im Hintergrund gibt es ein wirklich tolles Panorama auf den Gletscher Snæfellsjökull.

Auch ein schöner Halt Djúpalónssandur Beach. Ein Strand mit wirklich tollen Felsformationen und einem echten Strand eben. Hier kann man sich gerne einmal eine paar Minuten an den Strand setzen und die Seele baumeln lassen. Aber Vorsicht. Vor vielen Jahren ist hier ein altes Schiff gestrandet. Und immer noch liegen die Metallteile über den Strand verteilt.

Eigentlich hatten wir vor noch eine Kleinigkeit zu essen, bevor wir von hier aus unser Guesthouse aufsuchen. Aber in dieser Ecke ist das leichter gesagt als getan. Die nächste Häuseransammlung Hellnar soll mit Fjöruhúsið café ein tolle lokale Küchen haben. Aber leider ist es dann doch nur ein Cafe das eine Fischsuppe auf der Karte hat. Leider nicht ganz so meins. Dann gibt es nur noch einen Ort weiter Arnarstapi. Die zum Campingplatz gehörende Bar war nur leider schon restlos überfüllt und wir standen leider auch am Ende der Warteschlange derjeniger, die sich erst noch für einen Sitzplatz reservieren wollten. Wir geben auf. Heute Abend geht es dann auch mit den Resten die wir noch in unserer Supermarkttüte finden würden. Zum Glück hatten wir schon einen kleine Notfallration eingekauft. Und Dank eines Heißwasserkochers in unserer kleinen Hütte die wir am heutigen Abend hatten, gab es leckere Tütensuppe im Becher.

Aber wenn deine kleine Holzhütte Ausblick auf das Meer und direkt daneben einen schneebedeckten Berg hat, dann ist das alles zusammen genommen ein sehr tolles Gefühl.

cheers.
Sebastian

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