Kilometer heute: 513,90 km
Kilometer gesamt: 1758,83 km

Hallo nach Deutschland,

herzliche Grüße aus Bechet. Das liegt in Rumänien. Wir haben das Land also noch nicht gewechselt. Aber wir übernachten unmittelbar vor der bulgarischen Grenze. Wir werden also morgen früh nochmal einkaufen gehen und dann direkt nach Bulgarien übersetzen. Die Liste der besuchten Länder hat sich damit noch nicht geändert. Wir sind immer noch bei sieben Ländern.

Heute morgen gab es für uns kein Frühstück in unserer Pension. Aber wir hatten noch ein paar Corny-Riegel vom Vortag im Gepäck. So ging es erstmal direkt auf die Straße.

Je weiter wir nach Süden kommen, je mehr wird es zu dem Rumänien, dass wir schon einmal kennen gelernt haben. Die Qualität der Straßen nimmt immer mehr ab. Es gibt immer mal wieder neu gemachte Straßen über die wir kommen. Immer klebt ein Bauschild mit dem Logo der EU dran. Abseits dieser Hauptverbindungen werden die Straßen sehr schnell sehr schlecht. Die Straßen sind mindestens 10 mal geflickt und immer wieder „überklebt“. Trotzdem gibt es immer wieder Pisten mit richtig gemeinen Schlaglöchern. Ganze Kindern verschwinden darin und werden nie wieder gesehen.

Heute Morgen ging es für uns eine ganze Weile durch einen Nationalpark. Also kurvige Straßen durch die Berge und durch Täler mit kleinen Flüssen. Der Nationalpark ist gehört bereits zu den Karpaten. Genauer gesagt sind wir heute durch Teile der Südkarpaten und der Rumänischen Westkarpaten gefahren. Es war also eine zeitlang relativ bergig.

Einmal aus den Bergen heraus ist die Landschaft dagegen sehr flach. Und streckenweise auch sehr weit. Und flach. Und weit. Südwestlich der Südkarpaten sind wir in dem dem Gebiet, dass historisch als die „Walachei“ bezeichnet wurde.

Bevor es in die bergigen Karpaten ging haben wir Felder gesehen auf denen viele kleine Bunker noch auf den Landflächen standen. Zumindest sahen die Betonklötze genau so aus, als wären es einmal Bunker gewesen. Auch wenn wir nicht abgestiegen sind und uns das näher angeguckt haben. Ich muss nochmal recherchieren, wo hier ggf. Kriegslinien genau verlaufen sind.

Hatte ich die Teilweise echt schlechten Straßen schon erwähnt? In der zweiten Tageshälfte haben wir relativ viele Strecken erwischt, die aktuell noch auf europäische Fördergelder zu warten schienen. Alles Sand oder Schotterpisten. Wir haben heute also wirklich viele Kilometer auf Sand oder groben Schotter verbracht. Dementsprechend verstaubt sind die Maschinen und Taschen auch aktuell.

Und es würde mich nicht wundern wenn die Klamotten noch Rauch riechen würden. Genau wie bereits gestern in Kroatien und eben auch in Rumänien, brennt hier eigentlich ständig etwas. Wenn man nicht gerade komplett über Land fährt sondern irgendwie in der Nähe von Städten oder Dörfern, dann verbrennt irgendwer immer irgend etwas. Man sieht ständig irgendwo Rauch aufsteigen. Häufig werden die Kanten von Feldern abgebrannt. Zuhause sind es sicher häufig Gartenabfälle mit allem was sonst gerade noch rum liegt und gerade weg muss. In einigen Dörfern hat man schon erfolgreich aufgerüstet. Direkt an der Straße gibt es einen großen Graben mit Beton ausgekleidet. Sicher eigentlich für Abwasser gedacht werfen die Anwohner gerne einfach alles dort rein und zünden das an.

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An den Hauptstraßen steht so ziemlich vor jedem Haus eine Bank an der Straße. Hier sitzt man nicht Abends vor dem Fernseher, sondern an der Straße und guckt was passiert oder wer vorbei kommt. Dementsprechend wurden wir sehr gründlich beeugt. Tagsüber saßen vor allem die älteren Herren und Damen an der Straße. Je später der Abend je größer wurden die Gruppen. Meisten getrennt nach Männer und Frauen die sich einfach auf der Straße getroffen haben. Und das obwohl das Internet in Rumänien doch eigentlich so gut ist … Hier sieht man sich noch in echt und das Leben findet auf der Straße statt.

Genauso gehören hier streunende Hunde zum Bild der Straßen. Eigentlich laufen überall rund um die Straßen Hunde. Die meistens haben Angst vor Autos uns Menschen. Trotzdem muss man eigentlich ständig aufpassen, dass keiner vor das Motorrad läuft.

Ein Teil unserer Strecke heute ging über die E70. Da hatte ich mir noch nichts bei gedacht. Die Strecke war voll mit LKW und es war gerade sehr, sehr warm. Wir wollten also nur an den LKW vorbei. Irgendwann war das „Herkulesbad“ ausgeschildert. Da klingelte es irgendwie. Irgendwie hatte ich das schon mal gehört. Ein paar Kilometer später wusste ich dann auch wieder woher. Wir sind zufällig ein paar Kilometer der gleichen Strecke von vor vier Jahren gefahren. Unsere Motorradtour durch die Karpaten führte uns auch bis hierher. Das war unser südlichster Punkt. Ab hier waren wir an der Donau entlang wieder Richtung Norden gefahren. Es ist jetzt also unser südlichster Punkt unser gemeinsamen Europa-Reisen.

Wenn wir über die Städte und Dörfer fahren fällt vor allem der Zerfall auf. Es gibt so viele große und alte Gebäude deren große Zeit lange vorbei ist. Das sind nicht nur Wohnhäuser. Es sind vor allem auch alte Firmen und Anlagen. Zu UdSSR Zeiten muss hier vieles sehr neu und sehr modern gewesen sein. Heute ist so vieles leider zerfallen.

Bei privaten Häusern hatte ich schon geschrieben, dass viele nicht verputzt oder im gefühlten Rohbau sind. Jedes zwanzigste dagegen ist sehr wohl gepflegt und in besten Zustand. je weiter wir in den Süden kommen, je wichtiger wird ein großen und anständiger Zaun. Schon fast als Statussymbol.

Man sieht aber auch so viele große Firmen und Anlagen aus einer vermeindlich besseren Zeit. Die meisten Anlagen scheinen aber nicht mehr im Betrieb oder sind es sehr eindeutig nicht mehr. Die würden sich sehr gut machen für eine Foto-Tour zu Lost-Places. Mitten in einem Ort gab es eine alte Brunnen-Anlage. Scheinbar einmal als Standkern Erholungsgebiet und Terrassen und Springbrunnen angelegt. Inzwischen scheint aber seit Jahren kein Wasser mehr dort durchgeflossen zu sein.

Ansonsten führten und auch heute die Straßen sehr häufig sehr lange gerade aus und durch sehr viele Maisfelder. Inzwischen haben wir vielleicht mehr Maisfelder gesehen als in den USA. Und das waren schon echt viele.

Je weiter wir in den Süden des Landes fahren, je häufiger fahren auf der Straße wieder die Pferdewagen. Das ist kein Klischee und eine Randerscheinung mehr. Neben den ganzen Autos die aus Deutschland hierher exportiert worden sind, fahren hier immer wieder Pferdekarren über die Straßen. Das ist hier völlig normal. Und es verstärkt die Kontraste nur noch mehr.

Auf den Hauptstraßen in den Stadtzentren sieht es häufig fast gepflegt aus. An vielen Stellen sind die Bürgersteige gemacht. Gerade Supermarktketten haben neue Gebäude. Hier gibt es Lidl und Penny oder auch das Dänische Bettenlager. Alles komplett neue Gebäude die genau so aussehen wie bei uns. Von der Einrichtung oder den sauberen Parkplätzen. Ebenso Tankstellen. Meisten komplett neue Gebäude und saubere Parkplätze. Verlässt man die Hauptstraße sind die Seitenstraßen häufig schon Schotter- oder Sandpisten. Dort fährt der 40 Jahre alte Lada oder eben der Pferdekarren. Eine Straße weiter aber auch der tiefergelegte Audi oder ein aktueller Mercedes SUV.

Die Anzahl der Motorradfahrer und zumindest der ausländischen Tourerfahrer liegt inzwischen bei fast Null. Also neben uns beiden bei vielleicht noch 2 weiter Fahrer die wir gesehen haben. Auf den ganz kleinen Dörfern winken uns immer noch die Kinder zu. Mit den Händen zeigen sie an, wir sollen die Motorräder einmal ordentlich aufdrehen. Häufig macht man das Spiel mit.

Eigentlich wollten wir es heute bereits bis Bulgarien geschafft haben. Wir hatten uns bereits über booking ein Hotel ausgesucht. Reminder an mich selber: erst das Ziel im Navi eingeben und gucken wann man wirklich ankommt. Das Hotel war toll und günstig. Aber nach der Reservierung haben wir dann doch gemerkt, dass wir vielleicht noch 3-4 Stunden gebraucht hätten um wirklich anzukommen. Wir waren noch optimistisch los gefahren. Aber wir mussten noch Tanken um auch wirklich anzukommen.

Also nächste Tankstelle. Mopped abgestellt. Dann kam schon eine Dame auf uns zu. Im ersten Moment hatte ich an eine Tankwärtin gedacht. Ich habe aber selber getankt. Im nächsten Moment stellt sich heraus, dass die draußen kassiert. In Cash. Cash only. Hatten wir natürlich nicht. Ich hatte nach einer „Cash Machine oder ATM“ gefragt. Antwort „No“. Mhhh. „Can we give you EURO“. „Nope.“ Eine ganz tolle Situation. Am Ende konnten wir doch in Euro bezahlen. Es gab natürlich kein Wechselgeld. Aber das war ja nicht so schlimm. Wir haben für 26,50€ getankt und 30€ bezahlt. Damit lässt sich gut leben.

Nachträglich hätte man grob drauf kommen können, wenn man sich den Zettel an der Säule angesehen hätte. Irgendwas mit „Card“. Man hätte dann zumindest mal fragen können. Eine Tankstelle weiter – so ca. 200m – von der gleichen Kette hatte natürlich einen Kartenautomaten.

Als wir bei der Tankstelle losfahren wollten sprang Lars Maschine im ersten Moment nicht an. Genauer ging die Maschine sofort wieder aus. Es brauchte deutlich mehr Drehzahl. Und leider blieb es dabei. Immer wenn die Maschine in den Leerlauf ging und nicht mehr genug Drehzahl hatte ging das Mopped aus. Das ist natürlich beim Schalten, wenn man in den Lerrlauf geht bevor man schaltet, nicht besonders gut. Die ersten Meter war Lars also ständig am Neustarten. Das macht wirklich kein gutes Gefühl. Die nächsten Kilometer ging es gut. Aber mit dem Gedanken, dass das jetzt so weiter gehen soll, drückt das erstmal die Stimmung.

Weil wir unter den Umständen die ambitionierte Distanz zu dem bereits reservierten Hotel nicht mehr geschafft hätten mussten wir das Hotel absagen. Glücklicherweise hatten wir keine Kreditkarte angeben müssen. Ich warte noch auf die Stornierungsbestätigung. Wir haben also etwas gebucht, das dichter war und schneller zu erreichen. Dafür mussten wir kurz anhalten. Nach dem kurzen Stopp schien die Maschine von Lars wieder zu funktionieren. ääähm ich meine natürlich, dass Lars als begnadeter Mechaniker das Mopped schnell wieder repariert hat.

Inzwischen sitzen wir in unserem Erstz-Hotel in Bechet. Ein Gebäude in sehr gutem Zustand im Vergleich zu den Häusern ringsherum. Wir kommen für 28€ die Nacht sehr gut unter. Alles ist gepflegt. Für 11€ gabs noch Essen für beide, inkl. Getränke. Diesmal spricht man gebrochen englisch. Das hilft schon sehr. In dem großen Raum mit den ganzen großen Tafel, in dem nur wir alleine saßen, rief es irgendwann laut aus der Küche. Ich dachte schon, man hatte uns gerufen, damit wir uns das Essen abholen. Ich hab das also gemacht. Da standen auch zwei Teller mit den was ich bestellt hatte. Ich hatte mich nur gewundert, dass ich das auf zwei Tellern bekommen hatte und nicht auf einem. Also ich das von der Küchendurchreiche geholt hatte, hatte auch niemand aus der Küche etwas gesagt. Der Kellern, der auch Rezeption und Inhaber zu sein schien, war halt gerade nicht da. Er kam dann aber kurze Zeit später. Wir saßen am Tisch. Vor mit hatte ich die beiden Teller abgestellt und wartete jetzt auf Besteck. Aber er nahm die Teller mit „No. No. Not you.“ Was war das peinlich. Jetzt hatte ich aus der Küche das Essen für jemand anderen mitgenommen.

Wir bekamen dann kurze Zeit später unser Essen. War dann also alles gut. So konnten wir übersättigt zu Bett gehen. Morgen geht es weiter.

cheers.
Sebastian

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