Kilometer heute: 1184,49 km
Kilometer gesamt: 4819,41 km

Hallo nach Deutschland,

also eigentlich sind wir schon wieder zurück in Deutschland. Daher eher nur „Hallo“.

Heute Morgen, genauer gesagt gestern Morgen (19.10.2021), sind wir noch in der Ukraine gestartet. Heute Nacht gegen 01:30 Uhr sind wir gute 1200 Kilometer später wieder in der Heimat angekommen.

Unser luxuriöses Hotel irgendwo im nicht besonderen Teil der Ukraine hatte das wahrscheinlich beste Frühstücksbuffet der kompletten Reise. Wir saßen da nur zu zweit, plus eine weitere Person. Und wir waren die ersten. Also die beste Auswahl an Croissants mit Schokolade, Crepes mit eingerollten Kirschen, allerlei Brote, Spiegelei, gekochte Eier, Speck, und und und und …. Ich hoffe mal, dass die Hochzeitsgäste vom letzten Abend auch alle im Hotel schlafen. Sonst wäre das eine ziemliche Verschwendung.

Keine Ahnung wie sich so ein Hotel auf der Ecke bezahlt macht. Aber wir haben die günstige und hervorragende Unterkunft genossen.

Die Klamotten sind leider über Nacht nicht vollkommen durchgetrocknet. Die Klimaanlage hatte leider nicht wirklich getrocknet. Die Heizung im Bad hatte leider einen defekten Drehknopf für die Temperatur. Es könnte sein, dass der Knopf gar nicht zum Drehen gedacht war, nachdem wir den auf einmal in der hatten. Muss ja keiner wissen …. Die Heizung hat auf jeden Fall die Klamotten nicht voll durchgeheizt.

Und so saßen wir da am Fenster neben dem Buffet mit Blick nach Draußen. Wo es stark bedeckt war und immer noch leicht regnete. Und da mussten wir dann gleich wieder raus.

Zwei T-Shirts an. Ein Pullover an. Motorrad-Jacke an. Innenfutter ist in der Jacke. Dann noch den Regenanzug oben drüber. Dann waren es Draußen trotzdem leider nur 6°C. Und das bei nicht trockenen Handschuhen. Ich friere immer noch wenn ich dran denke.

Wir sind also bei 6°C los gefahren. Mit der bitteren Erkenntnis, dass das so schnell nicht besser wird. Laut Regenradar gab es die Regenwolken noch über der Ukraine und über Teilen von Polen. Wir würden also den halben Tag kein besseres Wetter haben. Erst in Deutschland sollte es wieder 16°C „warm“ werden.

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Distance: 0km

Von unserem Hotel ging es also erst einmal Richtung Polnisch-Ukrainische Grenze. Noch ein kleiner Tankstopp vorher, damit wir die letzte lokale Währung auch noch aufbrauchen.

Normalerweise zahlt man beim Tanken in der Ukraine ja erst und tankt dann. Hier hatte uns der Tankwart schon zugewunken, wir sollen gleich Tanken und dann bezahlen. Er hatte die Säulen schon freigeschaltet. Das sehr steife Absteigen von den Motorrädern hatte wohl schon Mitleid erregt. Es war einfach verdammt kalt und man hatte schon nach wenigen Minuten eigentlich keinen Bock mehr.

Dann also weiter zur Grenze. Bis dahin war es nur eine gute halbe Stunde. Die Temperatur stieg nicht. Die Laune damit auch nicht. Der Antrieb „Jetzt ist Schluss, wir fahren nach Hause und Schlafen im eigenen Bett“ muss es heute also reißen.

Irgendwann in Richtung Grenze stehen auf einmal LKW auf der Straße. Wir fahren dran vorbei. Auch einen Kilometer weiter steht LKW an LKW. Irgendwann 6 Kilometer weiter merken wir dann, dass das die Schlange vor der Grenze ist. Tatsächlich stehen die LKW hier über eine Länge von 6km im Stau. Es bewegt sich rein gar nichts. Alle 20 Minuten geht es ungefähr 5 LKW-Einheiten weiter. Der letzte in der Schlange wird also auch morgen hier noch stehen, wenn wir längst in Deutschland im Bett liegen.

Wir stehen in der Schlange mit den PKW. Schön brav angestellt. Hier wird man vermutlich direkt aus dem Auto erschossen, wenn man mit dem Motorrad überholt. Zwei Motorräder haben in der Schlange überholt. Die hab ich später nicht mehr gesehen. Während wir da stehen und warten fängt es natürlich wieder leicht an zu nieseln. Ekliges Wetter.

Irgendwann kommen Grenzbeamte und sortieren schon mal ein paar PKW vor. Wir werden tatsächlich durchgewunken und dürfen ganz offiziell überholen und uns ganz vorne einsortieren. Der Mitleidsbonus funktioniert wieder.

Ganze vorne stehen wir dann vor einem geschlossenen Eisentor. Hier werden LKW und PKW immer Blockweise reingelassen. Ca alle 20 min darf eine Rutsche durchfahren. Vorne gibt es wieder ein kleinen Laufzettel mit dem Kennzeichen. Den muss man jedem Beamten zeigen und am Ende des Grenzbereichs wieder einem ukrainischen Beamten abgeben.

Als wir ganz vorne stehen kommt ein weiteres Motorrad dazu. Karl-Heinz ( Name frei ausgedacht ). Karl-Heinz kommt aus Hessen und hat alleine mit seiner BMW eine Tour durch die Ukraine und Moldawien gemacht. Karl-Heinz hat so schöne dicke, wasserdichte Fäustlinge-Handschuhe. Ich bin sehr neidisch in dem Moment. Der hat bestimmt wärmere Finger als ich.

Karl-Heinz fragt dann auch ob wir in Moldawien auch mitten im Land zu Kontrollen angehalten worden sind. Er wusste nichts von dem Transnistrien Territorium. Er musst dann auch die Bearbeitungsgebühren bezahlen, von 60 lokalen Einheiten. Er sollte aber auch noch 5 EUR bezahlen. Dafür hatte man ihn extra nochmal weggeschickt, weil er nicht mehr Bargeld mit hatte. Er musste dann wohl wieder kommen. Also wir haben die 5 EUR nicht zahlen müssen an unserer Grenze …

Von da geht es in die nächste Schlange. Ausreise aus der Ukranie. Also nochmal Passkontrolle im ersten Häuschen. Zollkontrolle im zweiten Häuschen. Nochmal die Koffer auf machen und den anderen Koffer und noch ein paar Testfragen beantworten „Wo wohnen Sie?“, „Wo gehts hin?“, „Wo waren Sie?“. Dann gibts die Stempel und dann ist man auch schon wieder aus dem Land raus. Das dauert alles nur ein bisschen, weil nicht alle Kassen geöffnet sind, und weil die dann viel abtippen und auf ihre Computer warten, aber eigentlich sind alle nett und freundlich und es gibt keine Probleme.

Wenn man nur Englisch spricht, dann ist es hier nicht ganz so leicht. Ausgeschildert ist wenig. Und lateinischen Buchstaben schon gar nicht. Man muss sich also durchfragen mit Händen und Füßen wo man als nächstes hingehen muss. Nachfragen zu Pässen oder Dokument gibt es nie auf Englisch. Man muss immer raten was von einem gewollt wird. In diesem Teil der Welt ist eben Russisch die vorherrschende und grenzüberschreitende Sprache. Nicht zwingend Englisch.

Dann sind wir aber aus dem Ukrainischen Sektor raus und stehen im Niemandsland zwischen der Ukraine und vor den Toren Polens. Also EU. Wir haben Karl-Heinz solange mal unter unsere Fittiche genommen und schleusen uns so zu Dritt über die Grenze. Es regnet wieder. Im Niemandsland gibt es keinen Unterstand. Auf der Ukrainischen Seite hatte man uns extra noch im inneren Bereich an den wartenden Autos vorbei gewunken, sodass wir sogar unter dem Dach stehen konnten. Hier gab es das nicht. Also Helmklappe zu.

Auf der Straße sind große Schaumstoffmatten ausgebreitet. Alle Autos müssen da durch fahren. Die Matten sind vermutlich mit einem Desinfektionsmittel getränkt um keine Keime einzuschleppen. Also eher Schweinepest als Corona. Nachdem uns das eingefallen war bin ich natürlich schon drumherum gefahren und habe meine Reifen nicht desinfiziert.

Auch hier durften wir wieder überholen. Wir hatten uns wieder anständig in die Schlange mit Autos gestellt. Aber auch hier hat man uns durchgewunken und noch vor die Busse verwiesen.

Auf der polnischen Seite sprach man jetzt wenigstens wieder Englisch. Das war keine Problem. Pässe abgegeben zu Kontrolle. „Machen Sie nochmal die Koffer auf. Danke das reicht. Da vorne bitte nochmal zum Zoll.“ Ging alles nicht schnell, aber wir kamen wieder sehr freundlich durch.

Insgesamt haben wir so 2 Stunden an der Grenze gebraucht. Glücklicherweise hatte man uns ja immer vorgeholt und durchgewunken. Sonst hätte es wohl noch die eine oder andere Stunde hier mehr verbringen können.

Hier haben wir uns von Karl-Heinz verabschiedet. Ab hier durfte jeder für sich alleine weiter frieren.

Während es in der Ukraine so richtige Autobahnen nicht gab, sondern nur gut ausgebaute Bundesstraßen, so hat Polen doch hervorragende Autobahnen. Direkt hinter der Grenze geht es auf die Autobahn. Ein dreispuriger Zubringer für die Grenze. Kilometerlang sind wir alleine gefahren. Denn so viele Autos kommen gar nicht gleichzeitig durch den Zoll, dass die hier 3 Spuren bräuchten. Aber alles tip top gepflegt und beste Straße. Ab hier kommen wir deutlich schneller voran. Arschkalt bleibt es trotzdem.

Den nächsten Tankstopp haben wir an einem Autohof direkt an der Autobahn. Erst tanken wir. Dann muss es noch ein warmer Kaffee sein. 10 Minuten Drinnen sitzen und sich aufwärmen. Lars wird auf der Tankstelle noch von einem Autofahrer angesprochen. Er hätte uns vorhin schon auf der Straße gesehen als sein Auto 4°C Außentemperatur angezeigt hat. Er hatte offensichtlich Mitleid mit uns. 4°C Außentemperatur. Ich glaube bei so einer Temperatur bin ich noch nie gefahren. Und vor gerade mal zwei Tagen hatten wir noch bei 30°C geschwitzt. Ein bisschen davon hätte ich da gerne abhaben können. In diesem Moment sind dann beheizbare Griffe am Motorrad doch nicht nur was für Weicheier. In dem Moment hätte ich beheizte Griffe sehr gut gefunden.

Weiter geht es in Richtung Heimat. Die Temperaturen steigen noch nicht so, dass es sich auf die Laune auswirkt. Es könnte sein, dass wir es heute noch nicht nach Hause schaffen. Einfach weil es so kalt ist und das halten wir nicht den ganzen Tag bis spät in den Abend durch.

Und so fahren wir und fahren. Die Kilometer wollen nicht weniger werden. Aber jeder Teilabschnitt den das Navi anzeigt wird abgearbeitet und so kommen wir gut voran.

Auch an der nächsten Tanke schüttelt sich der BMW Fahrer als er uns ansieht und signalisiert, dass das ja sehr kalt sein müsse.

So langsam wird es aber dann doch wärmer. Am frühen Nachmittag haben wir immerhin schon 11°C erreicht. Das fühlt sich schon deutlich wärmer an. Die Laune steigt ein wenig. Aber der Weg ist noch weit.

Einige Abschnitte auf der Strecke sind mautpflichtig. Autobahnen scheinen hier nicht generell mautpflichtig zu sein, sondern es betrifft nur abschnitte. Vielleicht sind die Abschnitte privatisiert. Kassiert wird in Mauthäusschen, also ähnlich dem italienischen Modell. Teilweise zahlt man vorher. Teilweise zieht man ein Ticket und zahlt an der Ausfahrt für die gefahrenen Kilometer.

Irgendwann kommt der letzte Teilabschnitt vor der deutschen Grenze. Die vermutlich längste Baustelle die ich je gesehen haben. Tatsächlich fahren wir 60 Kilometer lang durch eine Baustelle. Hier wird die Autobahn neu gemacht. Die ein Fahrbahn ist gesperrt. Die zweite Fahrbahn ist für beide Richtungen umgebaut. Ich stell mir schon vor wie der Mann von der Baustellenplanung bei der Baustellen-Zubehör-Verleihfirma anruft: „Ich hätte gerne Baustellen-Mittelleitplanken für 60 Kilometer. Haben Sie das da?“

Und dann sind wir wieder in Deutschland. Das einzige Land auf der Reise, dass gar keine Grenzkontrollen gemacht hat. Es ist schon etwas dunkler. Da stehen halt ein paar Gebäude neben der Baustellenstrecke. Und man fragt sich was das gerade war. Dann kommt das Deutschland-Schild. Dann die Anzeige der erlaubten Geschwindigkeiten und dann bist du auf der deutschen Autobahn.

Und da wir jetzt schon 15°C hatten, reicht die Motivation auch noch nach Hause durch zu fahren. Und das machen wir dann auch. Und so bin ich gegen 2 Uhr wieder zurück in Hamburg.

In neun Tagen und einer Anreise über Nacht mit dem Autozug haben wir insgesamt 11 Länder bereist und über 4.800 Kilometer auf dem Motorrad zurückgelegt. Wenn man die Zugstrecke mit einrechnet dann haben wir sogar über 6.200 Kilometer zurückgelegt.

  • Deutschland
  • Österreich
  • Italien
  • Slowenien
  • Kroatien
  • Serbien
  • Rumänien
  • Bulgarien
  • Rumänien
  • Moldawien
  • Transnistrien (Moldawien)
  • Ukraine
  • Polen
  • Deutschland

Aber 11 Länder haben wir bisher noch nicht in einer Tour geschafft. Die bisherige Tour mit den meisten Länder war die Reise um die Ostsee mit neun besuchten Ländern. Und bis auf 4°C runter hab ich es vermutlich auch noch nicht geschafft. Zumindest nicht für ein paar hundert Kilometer. Richtig gut wars. Richtig tolle Dinge und Menschen gab es zu sehen.

Es wird bestimmt eine nächste Tour geben. Wir haben ja eine gute Übersicht bekommen was sich lohnt. Nochmal die Karpaten in Rumänien wäre sicher reizvoll. Die Tour der europäischen Kleinstaaten, so wie wir es uns vorgenommen hatten, ist nichts geworden. Das wäre also auch noch eine Reise wert: San Marino – Vatikanstadt – Monaco – Andorra.

To be continued …

cheers.
Sebastian

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