gefahrene Kilometer heute: 430,61km
gefahrene Kilometer gesamt: 2122.97km

Hallo und Hummppa! aufs Festland.

Wir haben die Schottische Grenze passiert und damit das eigentlich Ziel unserer Reise erreicht. Morgen wird es weiter gehen nach Inverness und dem nördlichsten Punkt unserer Unternehmung.

Schaut man sich einmal die Karte an, sind wir jetzt schon nördlicher als Kopenhagen. Das Großbritannien doch so weit in den Norden reicht, hat man sonst gar nicht so vor Augen. Morgen schaffen wir es fast nördlicher zu sein, als das dänische Festland ( Grönland lassen wir jetzt mal Außen vor ).

In diesem Moment senden wir schöne Grüße aus Paisley. Einem Vorort von Glasgow. Wir sitzen hier im Hotelzimmer während es draußen wie aus Eimern schüttet. In dem Fall hatten wir noch Glück. Den wir haben den ganzen Tag eigentlich nur Nieselregen abbekommen. Schon wieder. Bis zum Nachmittag hatte eigentlich sogar noch das trockene Wetter gehalten. Aber seit wir in Schottland sind, wird der Niederschlag immer etwas dichter. Und irgendwann sind die Regenklamotten doch durch und die Feuchtigkeit steigt aus den Stiefeln hoch oder eben aus den Handschuhen.

Im Hintergrund, für sie gerade nicht hörbar, dröhnt der kleine Mini-Föhn. Der hängt am Kofferständer festgeknoten so über den Stiefeln, dass er heiße Luft hinein bläst. Mal schauen was das so bringt.

Das Essen des Hotels ist eher eine kulinarischer Herausforderung als von kulinarischer Klasse. Aber man kann es essen. Auf der Karte hat Lars auch frittierte Haggis- Klümpchen gefunden. Und im Sinne des Burger- Verbotes musste zumindest die Starter-Größe zum probieren bestellt werden. Ich konnte dem nichts abgewinnen. Und das obwohl Frittiertes sonst immer schmeckt. Aber Lars mochte es. Nächstes mal dann die unfrittierte Variante.

Alles in allem hatten wir aber wieder eine sehr sehr schöne Tour. Die besten Abschnitte waren die Landstraßen im Lake District. Runter von der Hauptstraße rauf auf die Nebenstraßen und schon gingen die tollen Strecken los. Und dann schlängelt sich die Straße durch die Wälder und entlang der Hügel und Seen. Und das Rauf und Runter und wieder rauf und eine Kurve enger als die andere. Gleichzeitig werden die Straßen aber nicht breiter sondern immer wieder enger. Zwei LKW hätten keinen Platz nebeneinander. Traktoren müssten sich auch absprechen immer nur in einer Richtung zu fahren. Selbst zwei Autos nebeneinander müssen komplett bremsen und aneinander vorbei manövrieren. Die Straßen un den Lake District sind also ein Muss für Motorradfahrer!

In der Mitte des Lake District liegt Bowness. Anscheinend eine Mekka der Tourismus- Branche in dieser Gegend. Zumindest sind die nationalen und internationalen Touristen busseweise dorthin befördert worden … und haben unsere Straßen dicht gemacht. Zugegeben – der Ort sah nicht all zu häßlich aus und es gab an dem See kurz vor der Stadt schon sehr, sehr attraktive Häuser mit repräsentativen Grundstücken.

Apropos repräsentative Grundstücke … wenn wir bisher durch die Orte gefahren sind, sind wir auch an der ein oder anderen Universität vorbei gefahren. Bisher warne das aber immer komplette Neubauten vor der Stadt auf einem riiiiesigen Campus. Aber eben komplette Neubauten. Den Charm alter englischer Bildungseinrichtungen aus dem Fernsehen hatten die noch nicht.

Kleine Randnotiz an mich: Nochmal nach England für eine kleine Städtetour. Unsere ambitionierte Rundtour lässt keine Zeit für ausgedehnte Foto-Spaziergänge durch Städte. Das müsste man für die ein oder andere Stadt aber nachholen. Lancaster z.B. sah nach so einer Stadt aus. Die Teile, durch die wir hindurchfuhren hinterließen zumindest bei mir den Eindruck. Viele tolle alte Stein und Backsteingebäude. Auch hier die vielen alten kleinen Läden mit ihren holzverkleideten Fronten. Es ist eben der englische Charm zum Anfassen.

Nächstes Zwischenziel war der Hadrianswall. Diese Mauer, zumindest heute benannt nach Kaiser Hadrian, der die 120km lange Mauer 122 n.Chr. errichten ließ. In den letzten Jahrhunderten hat die Konstruktion etwas gelitten, daher haben die Schotten es inzwischen nach England geschafft. Damals war das sicher ein unfassbar großes Bauprojekt. Und Teile dieser Mauer stehen heute noch. Und man darf sie anfassen und darauf rum klettern. Eine unglaublich beeindruckende Ingenieurskunst.

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Auch in der Ecke gibt es sehr tolle Motorradstraßen die unglaublich Spaß machen zu fahren. Aber kaum haben die Landwirte hier mal drei Stunden keinen Regen, schon fangen die hier an das Silo zu fahren …

Wie steht es derzeit um den britischen Wohnungsmarkt ? Es fällt auf, dass an sehr vielen Häusern Schilder hängen „Zu verkaufen“. Oder wird das hier einfach viel konsequenter über solche Straßenschilder gemacht als bei uns, dass das weniger auffällt.

Noch ein Tipp für Unterkunftssuchende Reisende, die die Schnauze voll haben. Irgendwo in einem Vorort sind weil sie seit einer Stunde an keinem Bed & Breakfast mehr vorbeigekommen sind und vom ersten Hotel bereits abgewiesen wurden: Bevor ihr ins nächste Hotel geht und freudig das Zimmer für 80 GBP (94 EUR) inkl. Frühstück bucht, geht doch kurz mit dem kostenlosen, offenen WLAN des Hotels auf booking.com und bucht das gleiche Zimmer für 77 EUR und verjubelt den Rest für Schnaps!

Nach den ersten Kilometern gilt für Schottland das Gleiche wie auch für die USA: Es ist wirklich genau so wie im Fernsehen. Grüne Hügel mit Schafen. Steinmauern überall als Begrenzungszäune. Überall. Und Regen. Regen. Regen. Oder auch mal nur richtig dicker Nebel. Aber schön.

cheers.
Sebastian

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