Hallo und Humppa nach Deutschland,
gefahrene Kilometer heute: 399 km
gefahrene Kilometer gesamt: 2039 km
Wir melden uns aus Liptovský Mikuláš, im mittleren Norden der Slowakei. Heute hatten wir einen richtig, richtig guten Motorrad Touren Tag.
Ein Frühstück hatten wir heute nicht. Wir haben gestern Abend so gut und viel gegessen, heute Morgen hatte noch keiner wirklich richtigen Hunger. Wir haben unsere Motorräder wieder beladen und dann ging es schon los. Schon heute Morgen war es in der Sonne schnell warm. Erst recht in den Klamotten.
Das erste Ziwschenziel des Tages war die Zipser Burg. Die haben wir gestern schon gesehen, als wir gerade unsere Unterkunft gebucht haben und dann wieder ein kleines Stück in die andere Richtung gefahren sind. Heute haben wir dann die geplante Tour wieder aufgenommen, mit der entsprechenden Zwischenstation Zipser Burg.
„Die Zipser Burg ist die Ruine einer Höhenburg in der Ostslowakei, in der traditionellen Landschaft Zips. Sie befindet sich vier Kilometer östlich von Spišské Podhradie auf einem 634 m hohen felsigen Travertinrücken und überragt die Stadt um etwa 200 Höhenmeter. Verwaltungstechnisch gehört sie jedoch zur Gemeinde Žehra, nahe dessen Ortsteil Hodkovce sie liegt. Die im östlichen Teil des Talkessels Hornádska kotlina gelegene Burg ist eine der größten Burganlagen in Mitteleuropa. Ihre Außenmauern umfassen 41.426 m² Fläche.“ (Wikipedia)
Auf der Burg wurde heute ein Kinderfest veranstaltet. Im äußeren Burgbereich rannten ganz viele Kindergruppen herum und konnten an verschiedenen Stationen Spiele spielen. Man konnte die Burg aber trotzdem normal besichtigen. Der Eintritt für diese Ruine, die aber aktuell auch wieder restauriert wird, kostet 12 EUR. Was angesichts des Pro-Kopf-Einkommens hier schon relativ viel ist.
Auf dem Gelände der Burg findet sich das „European Ground Squirrel“, so steht es auf dem Schild. Zu Deutsch „Ziesel“. Hatte ich so noch nicht gehört. Optisch eine Mischung aus Eichhörnchen, Erdmännchen und Murmeltier würde ich sagen. Lebt da überall in kleinen Erdhöhlen und hat gar nicht so sehr Angst vor Menschen.
Irgendwann wurde es uns dann aber auch einfach zu warm in den dicken Klamotten und dann in der Sonne durch die Burg laufen. Dann ging es zurück auf die Motorräder und zurück auf unsere Route. Heute hatte ich noch viele Strecken rund um die Nationalparks raus gesucht. Und die waren heute wirklich super. Also diese Strecke heute gehört ins Slowakei Roadbook. Viele spannende kleinen Waldstraßen und kleine Waldpässe. Wenig Verkehr. Wir haben auch heute wieder sehr wenige Motorradfahrer gesehen.
Man sieht immer mal wieder Rollerfahrer. Und hier grüßen die dich auch fast immer. Zuhause gilt eigentlich, dass Motorradfahrer die Rollerfahrer nicht grüßen. Aber hier probieren die das immer wieder. Vielleicht grüßen hier die Motorradfahrer sogar die Rollerfahrer?
Also die Strecke heute machte richtig, richtig Spaß. Es waren richtig geile Straßen. Ganz zum Schluss hatten wir auch noch eine ziemlich schlechte, aber richtig geile Straße. Es ging nochmal ein Stück durch einen Nationalpark. Eine wirklich kleine Strecke durch den Wald. Neben uns wieder ein kleines Flüsschen. Sonst war niemand auf der Straße unterwegs. Eher eine Straße für Waldarbeiter vielleicht. Aber richtig toll im tiefen Wald. Es riecht nach Wald und teilweise frisch bearbeitetem Holz. Wir hatten wir Strecke fast für uns, abgesehen von drei Radfahrern und einem Traktor, der gerade die Kanten gemäht hat. Nur der Belag der Strecke war nicht mehr super. Also eine tolle Enduro-Strecke, quasi. Da muss ich sagen, hat meine neue Maschine schon richtig, richtig Spaß gebracht.
Unterwegs gab es auch auch heute immer wieder Störche und Störche in Nestern zu sehen. Es gab auch wieder ganze Siedlungen von Garagen die am Stadtrand zu finden waren und ganze Straßenzüge füllten.
Es gab aber auch wieder den einen oder anderen Slum am Stadtrand zu sehen. Es erinnert mich wirklich ein wenig an die Townships in Südafrika. Wobei die ehrlicherweise noch besser in Schuss waren also diese Häuser hier. In Südafrika hat man sich Mühe gegeben, mit dem was man hatte. Das sieht hier nicht so aus.
Gerade wenn es wirklich größere Slums waren, dann konnte man regelrechte „Ameisestraßen“ beobachten. Eine Ameisenstraße aus den Slumbewohnern, die gerade in die Innenstadt aus dem Slum, oder eben andersherum wanderten. Aber wirklich viele. Wirklich wie eine Ameisenstraße.
Auch in den Städten war klar zu erkennen, wenn die Stadt einen Slum hatte. Vor allen vor den Supermärkten saßen dann immer die klar zu erkennenden Gruppen. Und es sind immer unglaublich viele Mütter mit Kindern und Kinderwagen. Stadtbildaussagen sind hier deutlich angemessen.
Und da lassen wir uns auch ein bisschen anstecken. In der einen Stadt hatten wir einen kurzen Fotostopp gemacht. Am Rand saßen eine paar Roma. Man roch die Gruppe beim Vorbeigehen. Es war aber alles friedlich. Als sich aber einer Stück für Stück unseren Motorrädern näherte, da haben wir die nicht mehr alleine stehen lassen und haben abwechseln Wache geschoben.
Kurz danach sind wir noch an einer alten Industrieanlage vorbei gekommen. Und da bin ich mir zu 100% sicher, dass ich die schon mal gesehen habe. Das war auf unserer ersten Karpaten Tour, als wir 2017 hier schon einmal durchgekommen sind. Da überschneiden sich ein paar Kilometer der Strecke. Ich muss mir also eine Anwendung entwickeln, die geplante und schon gefahrene Routen übereinander legt und dann die Planung nochmal optimiert.
Mein Navi habe ich jetzt hoffentlich wieder im Griff. Die letzten beiden Tage hat es mich gerne mit der Fehlermeldung „Speicher voll“ ärgern wollen. Was aber nicht den Festplattenspeichern meint, sondern eher den Hauptspeicher. Dennoch gab es immer wieder Fehler und die Route ist nicht ganz sauber aufgezeichnet worden. Zum Glück lasse ich auch mit dem Telefon die Route, wenn auch deutlich weniger genau, mitlaufen.
Nicht so gut kommt die Yamaha App davon. Damit lässt sich zwar wunderbar das Motorrad mit meinen Telefon und Headset koppeln, was mir z.B. erlaubt die Musik mit dem Joystick des Motorrads weiter springen zu lassen. Aber leider zieht die App auch unglaublich viel Strom und das Telefon hält keinen Tag durch.
Inzwischen haben wir ein kleines Zimmer mit unserem eigenen Flur und Badezimmer bezogen. Es gibt noch ein weiteres Zimmer, das ist aber abgeschlossen. Je nachdem ob die Gäste lieber ein Doppelbett oder zwei Einzelbetten haben, bekommen sie dann das eine oder andere Zimmer. Das Badezimmer hat eine riesige Eckbadewanne. Mit einem Sitz. Aber keinen Duschvorhang oder -aufhängung. D.h. man sitzt in diesem Badewannensitz und duscht sich mit der Duschbrause ab. Das erinnert mich eher an Japan. Also ich einen kleinen Sitzhocker an einem Duschtresen von 40cm Höhe hatte.
Abendessen gabs im „Route 66“, einer richtigen American Bar mit Fernsehern an der Wand und ganz vielen Sitzecken. Am unrealistischsten im Vergleich mit Amerika, war der unglaublich schnelle Service hier. Und es läuft eben die Fussball WM auf den Fernsehern und kein Football.
Wir waren noch kurz im lokalen Coop und haben noch ein paar Getränke gekauft. Was auffällt sind vor allem die Preise für Schokolade. Ja, die sind auch in Deutschland hoch gegangen. Aber die Tafel Milka kostet hier 2,09 EUR. Auch das wieder bezogen auf die lokale Kaufkraft, das ist schon extrem teuer hier.
cheers.
Sebastian


