Hallo und Humppa nach Deutschland,
gefahrene Kilometer heute: 378 km
gefahrene Kilometer gesamt: 2862 km
wie melden uns aus Jelenia Góra. Das liegt immer noch in Polen. Eigentlich wollten wir uns jetzt schon aus Görlitz auf der deutschen Seite melden. Aber das Wetter hatte andere Pläne. So trocknen unsere Sachen gerade ein wenig vor sich hin und das Zimmer riecht wie nasser Hund. Was nicht nur an den nassen Klamotten liegt. Das liegt auch auch daran, dass wir auch heute wieder bis zu 36°C hatten. Das alles vermengt sich zu einem Geruchserlebnis!
Heute Morgen sind wir in Tschechien gestartet. Wir hatten eine sehr gute Nacht im Grand Hotel. Abends wollte ich mir noch was zu trinken holen und konnte das direkt am Empfang kaufen. Aber das ging nur gegen Bargeld. Was ich einfach nicht mehr nutze. Aber ich konnte anschreiben lassen.
Weil die geplante Route eigentlich an der deutsch-tschechischen Grenzen im Süden hätte stattfinden sollen, das aber zeitlich einfach nicht mehr passt, haben wir heute dem Navi die Tourplanung überlassen. Ich hab mir zwei Städte auf der Luftlinie nach Görlitz ausgesucht und die dem Navi als Routenpunkte gegeben. Schon so gewählt, dass das nochmal ein wenig durch Berge und schöne Ecken führt.
Und so haben wir in der Tat noch sehr viele schöne kleine Städtchen gesehen und hatten auch noch ein paar tolle Waldstücke dabei. Anstrengend war der Tag trotzdem. Das Thermometer ging zwischenzeitlich bis auf 36°C hoch. In der Sonne und mit den schönen, schwarzen Motorrad-Kombis macht das schon weniger Spaß. Glücklicherweise hatten wir keine Staus und nur wenig zähen Verkehr, oder Situationen in denen wir länger hinter anderen hinterherfahren mussten. So haben wir noch ein wenig Wind abbekommen. Aber wenn auch die Luft so warm ist, dann bleibt es anstrengend. Gerade bei Ortsgeschwindigkeit hilft natürlich stehen ein bisschen.
Stehend fahren hilft auch ein wenig gegen den wunden Po. Nach der Woche reagiert der schon ziemlich gereizt. Wir sind noch nicht lange genug unterwegs, dass der Hintern komplett eingefahren ist und sich vollends an die Umstände gewöhnt hat. Nach ein paar Stunden fängt man also das Rutschen auf der Sitzbank an. Oder man steht eben. Die hohen Temperaturen helfen da auch nicht. Meine Hose ist da zu wenig belüftet muss ich feststellen.
Die Tschechische Strecke war also gut vom Navi gewählt. Das macht schon Spaß. Im Norden doppelt sich leider ein Stück der Strecke. Das lässt sich dann auch schwer vermeiden, wenn sich an einem Punkt die Strecken eh kreuzen.
Gestern habe ich ja schon festgestellt, dass ich eine alte Industrieanlage von einer anderen Tour wiedererkannt habe. Heute haben wir einen Marktplatz wiedergefunden, den wir auch schon mal bereist haben.
Auf einer unserer Touren hatte wir auch mal auf einem der Marktplätze ein Hotel. Auf dieser Tour müssen wir bei jedem Marktplatz überlegen – „Kennen wir den Marktplatz nicht schon?“. Es ist ein Running Gag geworden.
Aber tatsächlich sind die Markplätze hier meistens sehr schön Gerade wieder weiter im Norden sind auch alle kleinen Städtchen schön. Straßen und Fusswege. Da ist man hier weiter und besser unterwegs als wir bei uns.
Irgendwann sind wir dann aus den Tschechischen Dörfern wieder in ein Waldstück eingebogen. Das kam uns dann auch im ersten Moment wieder bekannt vor. Dann haben wir uns aber noch mehr darüber gefreut, dass innerhalb von weniger als 10km die Temperatur von 35,5°C auf 19,5°C gefallen ist. Mir war fast schon ein bisschen kalt. Ach, was war das nach dem Tag angenehm. Und dann kannten wir die Stecke auch wieder, das war einen der vielen Übergänge nach Polen. Und schon sind wir mal wieder in Polen.
Dann im nächsten Waldstück sahen wir aber auch einen der Gründe, warum die Temperatur so abgesackt war. Die Straße war nass. Es muss gerade eben erst hier geregnet haben. Und dann sahen wir die dunklen Wolken auch schon über uns. Und wenig später kamen wir dann so dicht, dass es auch blitzte und donnerte. Dann wollten wir erst einmal anhalten und gucken, was die aktuelle Wetterlage macht. Ob wir weiterfahren können oder ob wir noch mit Regen zu rechnen haben.
Wir hatten gerade auf dem Parkplatz eines Biedronka ( zu Deutsch „Marienkäfer“, das ist hier eine Supermarktkette wie LIDL ), gehalten. Das Wetter zog sich immer weiter zu. Wir hatten uns schon darauf eingestellt den nächsten Schauer der kommen sollte im Supermarkt zu verbringen. Dann fing es auch schon ein bisschen an zu regnen. Bisher waren wir trocken. Neben dem Parkplatz stand ein kleines, selbstgebautes Holzhäusschen. Scheinbar werden hier sonst Obst oder Gemüse verkauft. Lars hatte sich schon mal da rein gesetzt. Es war sonst keiner Zuhause. Außer einer alten Tüte von vergammelten Erdbeeren. Also setzt ich mich dazu.
Das ging auch die ersten Minuten gut. Der Wind nahm zu. Der Regen nahm zu. Dann setze ich mich schon mal von außen nach Innen, weil ich immer mehr von der Seite nass wurde. Dann kam noch ein bisschen Hagel dazu. Dann nahm der Wind noch mehr zu. Ich musste nochmal zum Motorrad meinen Helm und meine Handschuhe in Sicherheit bringen. Danach war ich klatsch nass.
Dann nahm alles noch mehr zu. Langsam gab das Häusschen nach. Der Parkplatz stand schon komplett unter Wasser. Wir blieben unter dem Dach nicht mehr trocken. Jetzt mussten wir noch einmal in den Supermarkt flüchten. Der Eingang stand schon voll mit Leuten die uns auch eher bemitleideten. Dann haben wir gleich noch ein paar Getränke und Snacks eingekauft und auch denn nächsten Schub nochmal im Eingangsbereich des Supermarktes verbracht. Sogar das Internet war beeinträchtigt. Ich hatte eine ganze Zeit fast keinen Empfang. Das Wetter klarte etwas auf. Es regnete fast nicht mehr. Aber es sollte später noch mehr kommen. Also haben wir uns eine Unterkunft in der Nähe gesucht.
Wir sind im Sport Hotel direkt neben einem kleinen Stadion untergekommen. Wir haben uns wieder vom Navi lotzen lassen um möglichst auf dem schnellsten Wege her zu kommen. Auf der einen Straße kam uns ein kleiner Abschlepper entgegen. Der winkte und schrie schon alle Autos zurück. Offensichtlich kam man auf der Straße nicht mehr weiter. Überall standen riesige Pfützen. Feuerwehr und Krankenwagen waren unterwegs. Wir fuhren also dem Abschlepper hinterher einen kleinen Umleitung. Insgesamt kamen wir dann noch ziemlich trocken am Hotel an. Auch heute hatten wir dann eigentlich wieder Glück mit dem Wetter und konnten uns rechtzeitig unterstellen
Wir sind nochmal zu Fuß ein bisschen die Straße runter zum Essen. Kurz vor einer Ampel hätte uns beinahe ein Kleintransporter erwischt. Der gute Mann fuhr um die Kurve und guckte dabei mehr auf sein Handy, also auf die Straße und brummte so mit deinem Sprinter LKW gut gegen den Kanntstein auf dem wir gerade entlang gingen. Da hätte nicht mehr viel gefehlt und wir hätten da ganz schnell springen müssen.
Ein paar Meter weiter habe ich dann nur den Stinkefinger aus einem anderen Auto zu sehen bekommen. Keine Ahnung ob die uns kannten oder einfach nur so gerade gegen jeden waren.
Beim Essen war man sehr freundlich zu uns. Außer uns und einer Gruppe von 4 Mädels von denen eine einen deutschen Handball-Pulli trug, war auch keiner dort. Aber es war sehr lecker.
Kaum sind wir wieder im Hotel, da kommt auch noch der nächste große Schauer. Es kommt nochmal richtig was runter. Aber wir sitzen hier warum und trocken.
Morgen geht es via Navi auf dem schnellsten Wege zurück nach Hause. Über Schnellstraße und Autobahn. Am frühen Abend sollten wir dann wieder zurück sein. So muss man sagen hatten wir noch einen guten letzten richtigen Tourtag. Wir hatten nochmal richtig schöne Strecken. Ich kann nur nochmal Werbung machen für die ganze Ecke die wir hier abgefahren sind. Wirklich landschaftlich eine tolle Ecke. Viele wirklich schöne Altstädte. Tolle Berge und Ecken zum Wandern. Und schöne Hausmannskost zum Essen. Wenn es nicht gerade 36°C sind.
cheers.
Sebastian


