Hallo nach Deutschland,

ich melde mich heute aus Split in Kroatien. Das sind 570 Kilometer mehr als heute morgen entfernt von zu Hause. Außerdem zwei Länder weiter. Nach Deutschland und Österreich sind heute noch Slowenien und eben Kroatien hinzugekommen. Gute 1800 Kilometer insgesamt bisher in drei Tagen.

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Die ersten Kilometer heute morgen habe ich entlang der „Weinstraße“ verbracht. In dem Grenzgebiet Österreich / Slowenien wird scheinbar eine Menge Wein angebaut. Die Straßen durch die Weinberge sind wunderschön. Gerade am morgen, wenn noch ein wenig Nebel über den Bergen steht und das Sonnenlicht hindurch scheint und die Weinberge in sattem Grün erstrahlen lässt.

Die schlagartig schlechter werdenden Straßen markieren den Grenzübergang zu Slowenien. Das ist aber nur ein paar Kilometer so. Die letzten Kilometer markierte quasi die Straße die Grenze. Immer wieder gab es Hinweisschilder „Achtung, rechte Seite ist eine Staatsgrenze.“ Zwei einsame slowenische Militärs bewachten die kleine Grenzhütte irgendwo im Nirgendwo. Das ist wirklich eine winzige Straße. Ich kann mir nicht vorstellen, dass den ganzen Tag hier mehr als 50 Fahrzeuge durchfahren sollten.

Slowenien ist fast genau so gut wie Österreich wenn es ums Motorrad fahren geht. Tolle griffige Landstraße die sich durch die Berge schrauben, durch kleine Täler führen oder dich durch das Land pendeln lassen. Ich glaube ich war schon beim letzten Mal begeistert von der Motorradreisefähigekeit.

In Deutschland war ich noch mit einem T-Shirt und ohne Innenfutter für die Jacke und Hose gestartet. Das musste ich gestern allerdings ändern. Zumindest das Innenfutter für die Jacke musste rein. Bei dem Regen zieht es sonst ganz ungemütlich kalt in die Jacke. Auf die dicken Handschuhe habe ich dann auch noch gewechselt.

Heute morgen hatte ich dann kurz überlegt wieder auf die Sommerausstattung zurück zuwechseln. Die erste Stunde war ich noch ganz zufrieden mit der Wahl es nicht zu tun. Aber dann kam doch glatt die Sonne in Slowenien raus. Und wieder etwas später in Kroatien nahm der Wind wieder ganz schön zu und in den höheren Lagen war selbst das schon wieder fast zu kalt … und dann wieder ein wenig später an der Kroatischen Küste ist mir jetzt zum Schluss wieder sehr warm geworden. Das Wetter könnte sich doch bitte auch mal entscheiden … Immer hin kein Regen heute!

Slowien sieht auch irgendwie nicht anders aus als Österreich oder eben Bayern. Das ändert sich in Kroatien so richtig. Auch wenn man sich bei den Geschäften so gar nicht umstellen muss. Gut. Aldi heißt hier überall halt Hofer. Aber ansonsten ist alles beim Alten. Hofer (Aldi), Lidl, Kaufhof und Kik (ist Kik Deutsch?). Die treten zumindest in den kleineren Städten alle zusammen auf.

Ich finde es aber nach wie vor schön, dass es in allen Ländern hier deutlich mehr Kleinstädte gibt als bei uns. Das sieht irgendwie immer gemütlicher aus als die großen Einkaufszentren. Da ist das Leben noch in Ordnung.

Gerade in Slowenien auf dem Land, aber noch viel mehr in Kroatien erinnert aber genau wie Rumänien damals an eher sehr alte Zeiten. In Slowenien gibt es viele kleine Dörfer und Siedlungen. Immer wieder sind es überall kleine Ansammlungen von Häusern. Vielen weniger als ein richtiges Dorf. Eher eben eine kleine Zusammenrottung von Häusern. Daneben auch heute noch immer ein alter Holzverschlag. Immer gleich aufgebaut, die Seitenwände offen. Dort hingen entweder Gras oder Maiskolben zum trocknen.

Hier in Kroatien hab ich auch das gleiche Bild gesehen wie in Rumänien. Ältere Damen die an der Straße sitzen mit ihrem kleinen Klapptisch und dort an der Straße die Pilze verkaufen die sie im Wald gesammelt haben. Ohnehin ist hier die Straßenständewirtschaft recht ausgeprägt. Sehr viel Ziegenkäse und noch mehr Honig. Deutlich weniger Pilze als in Rumänien.

Auch die eine sehr alte Damen, mit buckeligem Gang, optisch mindestens 80 Jahre, mit ihrem schwarzen langen Faltenrock und dem Kopftuch, in der Hand noch eine Sichel, die sich bemühte damit Ordnung an ihrem Hauszaun zu schaffen, erinnerte mich doch sehr an die Karpaten Tour.

Direkt auf meinem Weg lag auch der Plitvicer Seen. Der soll ja seeehr sehenswert sein. Gelegen in einem Naturschutzgebiet sind das Seenlandschaften mit kleinen Wasserfällen. Leider wollten die mich nicht parken lassen. „Entweder sie sind Hotelgast oder sie kommen mit dem Bus. Hier ist gerade alles voll.“ Das ist mit dem Motorrad natürlich etwas umständlich. Ich wollte das Rad auch nicht 2km weiter stehen lassen und dann zu Fuß dahin laufen. Das ist dann doch wieder sehr warm in den Klamotten und etwas ungünstig die Sachen unbewacht stehen zu lassen. Man kann leider nicht alles sehen …

Es ist immer wieder faszinierend wie schnell sich die Landschaft und die Vegetation ändert. Heute morgen noch im tiefsten Laubwald losgefahren stecke ich jetzt schon gefühlt mitten in Griechenland. Olivenbäume überall. Helle Natursteinhäuser neben Zypressen und hier und da steht auch mal einen Bananenplanze im Garten hier hier zu überleben scheinen.

Kroatien scheint auch im Bauen den gleichen Stil zu haben wie Griechenland. Gebaut wird wenn Geld da ist. Es gibt hier auch wieder ewig viele Bauruinen oder eben Häuser die noch lange nicht fertig sind … oder sich schon wieder im Rückbau befinden!? Vielleicht dürfen die deswegen nicht beim EUR mitspielen? Böse.

Mein Zimmer für heute Nacht hatte ich mir wieder unterwegs übers Internet besorgt. Ganze 30 EUR hat das wieder gekostet. Die Bilder sahen besser aus als das reale Erlebnis, aber es ist ok und sauber. Der Fernseher hat englische Sender, denn das Internet kann man so nicht nennen. Für Textnachrichten reichts. Netflix ist nicht drin.

Das Zimmer zu finden war gar nicht so leicht. In der Straße gibt es ein paar Hotels und Zimmer. Alle haben irgendwie Schilder. Meine Zimmerherberge ist nicht ausgeschildert. Natürlich war es das Haus, dass kein Stück beleuchtet war. Vielleicht wieder so ein Zombiemotel, in dem man erst am nächsten Tag sieht, dass alle Reifen zerstochen sind …
Ich bin auf die Auffahrt gefahren die der Adresse meines Zimmers entspricht. Als ich aufs Telefon gucken wollte machte schon eine ältere Dame auf um mir Hilfe anzubieten. Mit Händen und Füßen waren wir uns einig, dass die Adresse die richtige ist. Sie lief schon ans Telefon und rief jemanden an. Der war auch in nicht mal 2 min da um mir das Zimmer zu zeigen.

Auch das mit Händen und Füßen und weniger mit Englisch. Aber trotzdem war es eine nette Unterhaltung. Wo ich morgen noch hin wollte. Und dann versuchte er mir erst einmal zu erklären was ich nicht alles sehen müsste. Der häufigste, weil einzige englische Satz war „Very, very much attraction.“.

Ich habe mein Zimmer. Es ist ok. Ich hab ein Bett. Ich komm durch.

Wenn die Österreicher und Slowenen was können, dann sind das ja gute Landjäger Würste. Ich kann die schon nicht mehr sehen. Leider ist das das Einzige das zum Abendessen übrig geblieben ist. Und ich bin zu faul nochmal zum Minimarkt zu gehen. Ich hab ja noch Reserven…

cheers.
Sebastian

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