Der zweite Tag unseres Ausflugs nach Prag. Das fehlende Fenster im Zimmer macht es irgendwie seeeehr dunkeln nachts. Und leider sind die Räume hellhörig was aktive Zimmernachbarn angeht. Aber zum Glück machen die langen Fußmärsche durch die Stadt anständig müde.

Die 24 Stunden Parkdauer enden leider schon morgens um 09:30h. D.h. noch vor dem Frühstück geht es einmal zum Auto um noch etwas Geld in den Parkautomaten zu werfen. Direkt vor meinem Auto steht jetzt aber noch eine Filmcrew. Vielleicht landet mein Auto in der nächsten großen tschechischen Produktion? Apropos Auto: Scheinbar gibt es hier mindestens einen großen Anbieter von Rundfahrten in klassischen Autos. In vielen Fällen auch Nachbauten von klassischen Autos. So sieht man hier häufiger Hitlers Benz durch die Gegen fahren. Meistens sitzen Asiaten darin, die die nicht günstigen Touren buchen.

Wir starten unseren zweiten Tag mit einem anständigen Frühstück im nahe gelegenen Národní kavárna. Das „National breakfast“ mit Rührei, Croissant und einem lecker Sandwich zu frischem Orangensaft ist ein sehr guter Start in den Tag. Dazu spielt Klaviermusik, die Bedienungen laufen in klassischem weißen Hemd mit schwarzer Weste und Schürze durch ein sehr klassisches Ambiente. Tolles Frühstück.

Nach dem sehr guten Frühstück geht es weiter in Richtung Westen. Weg von der Altstadt in Richtung Kleinseite. In Richtung Burg. Es geht nicht über die Karlsbrücke. Zum Glück führen noch ein paar andere Brücken über die Moldau.

Wir gehen auf den Petřín Park zu. Der Park liegt an einem Hang auf dessen Spitze ein Aussichtsturm steht. Offensichtlich gibt es hier einen offiziellen Rundweg über den Turm und später weiter zur Burg. Zumindest hat man an vielen Stellen das Gefühl in einem permanenten Strom an Touristen zu schwimmen.

Wir lassen den Aussichtsturm aber aus. Wir gehen durch die ruhigere Ecke des Parks. Am nordöstlichen Ende des Parks kann man auch sehr gut über die komplette Stadt blicken. Scheinbar lohnt sich bei den vielen Obstbäumen die hier stehen ein Ausflug im Herbst. Wer den Hügel nicht zu Fuß erklimmen will, der kann auch eine Zahnradbahn nehmen, die hier den Berg zum Aussichtsturm hinauffährt. Wie nicht anders zu erwarten war, hätte man hier eine Weile anstehen müssen. Und die Bahnen in Lissabon sahen eh schöner aus.

Geht man weiter in Richtung Burg kommt man vorbei am Kloster Strahov. Ein schön gelegenes altes Gebäude. Mit einer noch besseren Aussicht. Bei gutem Wetter ist das integrierte Café sicher sehr zu empfehlen. Teil des Klosters ist ebenso eine große Kirche. Von der Seite hatte ich den Haupteingang nicht gesehen. Da gab es nur eine Tür, die ein wenig wie eine Tor aus dem Herren der Ringe aussah. Dort gingen munter ein paar Touristen rein. Also hab ich mir nichts dabei gedacht und bin ebenfalls hineingegangen. Das war allerdings wohl so nicht gedacht. Im Inneren kam uns nur eine Frau mit „Not for the tourists.“ entgegen, der es offensichtlich gar nicht gefiel, dass man hier herein gegangen war. Also schnell umdrehen und wieder raus. Das eine Foto ist dann natürlich noch unscharf geworden.

Dem Menschenstrom folgend landet man etwas später beim Außenministerium und dem Loreto Prague, einem barocker Gebäudekomplex auf dem Hradschin in Prag. Das Kapuzinerkloster besteht aus der Kirche Christi Geburt, der Lorettokapelle und einem repräsentativen Konventsgebäude mit Glockenturm.

Dann ist es auch nicht mehr weit weg vom Burgkomplex. Und hier sind schon Leute, Leute, Leute. Alles voll mit Menschen. Die Warteschlange erstreckt sich einmal über den halben Vorplatz. Ca. 600 Meter. Glücklicherweise geht es schnell vorwärts. Der Eintritt zum eigentlichen Komplex ist frei. Daher bezieht sich die Schlange nur auf Taschenkontrollen am Eingang – die Kontrollen sind aber nicht sehr gründlich. Mein Fotorucksack wurde nicht gescannt und auch nicht gut durchsucht. Die Bombe wäre locker drin.

Will man einige Gebäude besichtigen muss man sich ein Ticket kaufen. Das günstigste liegt bei 5 EUR und verschafft Zutritt zu verschiedenen Sehenswürdigkeiten. Die Tickets sind zwei Tage gültig. Deswegen kaufen sich die meisten Leute heute ein Ticket. Die richtigen Warteschlangen sind also hier an den Ticketschaltern. Wir lassen das aus und stellen später mit Begeisterung fest, dass es weiter im Inneren noch Cafés gibt, die ebenfalls die Eintrittstickets verkaufen, aber keine Warteschlange haben.

Die einzige Sehenswürdigkeit die mich wirklich interessiert hätte lassen wir heute aus. Die Warteschlange für die Besichtigung des Veitdoms geht einmal komplett außen um den Dom herum und macht dann noch einen Knick wieder zurück. Das muss heute nicht sein. Wir haben ja morgen noch einen Tag.

Der Dom ist aber eine wirklich riesiges Gebäude. 125m lang und fast 100m hoch. Wirklich beeindruckend davor zu stehen.

Wir verlassen die Burganlage für heute. Es geht weiter in Richtung nördliche Altstadt. Hier gibt es noch nördlich von der Moldau eine Parkanlage. Hier findet sich außerdem das Prague Metronome. Ein 4 oder 5 Meter großes, elektrisch betriebenes Metronom. Das ist dann wohl Kunst. Das Metronom ist den Aufstieg über die Treppen nicht gerade wert, aber der Blick über die Stadt von diesem Blickwinkel aus ist sehr schön.

Jetzt haben wir uns eine Kaffeepause verdient. Empfohlen wurde uns das Café Imperial. Ein Café für die gehobene Gesellschaft in den 50er Jahren. So lässt es sich vielleicht am besten Beschreiben. Obwohl es gar nicht so alt ist. Erst vor wenigen Jahren wurde es wohl grundsaniert. Man hat aber den alten Stil beibehalten. Ich fand den Service jetzt seinem Ruf nicht angemessen. Wir sind eher wie billige Touristen als willkommene Gäste behandelt worden. ABER es könnte der wohl beste Schokoladenkuchen meines Lebens gewesen sein. Eine knackige Hülle, dann eine Schoko-Nougat-Creme-Füllung in perfekter Konsistenz und einen lockeren Boden der trotzdem den richtigen Biss hatte. Soooo lecker !!!

Hatte ich mich schon darüber gewundert wie viele Asiaten hier unterwegs sind? Das die Mini-Markets hier fest in Vietnamesischer Hand sind, hatte ich besprochen. Aber auch unter den Touristen ist der asiatische Anteil erkennbar hoch. Und wie überall tritt man immer in komplette Gruppen auf.

Was auch auffällt ist das Verhalten der Obdachlosen. Augenscheinlich gibt es nicht viele. Vermutlich werden sie aus der Innenstadt vertrieben. Aber wenn man auf Obdachlose trifft und diese um eine Spende betteln, dann tun sie das hier in demütigster Haltung. Während bei uns einfach am Straßenrand gesessen wird mit einem aufgestellten Pappbecher so knien die Obdachlosen hier auf allen Vieren, haben den Kopf demütig in Richtung Boden gesenkt und halten in den fast betenden Händen einen Becher. Man bekommt gleich zehn mal mehr Mitleid.

Jetzt kommt doch noch etwas Regen raus. Nach einer weiteren Pause und ein paar mehr Metern durch die Altstadt ist auch schon Zeit für das Abendessen. Unser rausgesuchtes Lokal war leider schon voll. Ein bekannter Metzger der hier Mittags sehr beliebt sein soll hatte nur Stehtische. So landen wir in einem vgl. teueren Lokal am Marktplatz, müssen also kein Hunger leiden.

cheers,
Sebastian

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