Gestern Abend sind wir in Marrakesch angekommen. Wir wurden direkt vom Flughafen abgeholt. In diesem Fall ein mehr als willkommener Service, nachdem die Jungs an der Passkontrolle nicht gerade die schnellsten waren und wir zumindest gefühlt uns sehr lange die Beine in den Bauch gestanden haben. Im Gegensatz zu den Einreisen in die USA, scheint man hier aber nicht unter Generalverdacht zu stehen. Eigentlich geht der Pass nur einmal durch das System. Stempel drauf. Fertig.

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Distance: 0km

Die letzten 600m zu unserem Riad müssen wir selber laufen. In der Altstadt sind Autos verboten. Hier fährt man offizielle Taxis, Pferdekutsche oder eines der zahllosen Moppeds. Und damit meine ich Mofas, oder deren getunte Varianten und keine Motorräder. Oder auch alte Roller. Auf jeden Fall nich der neumodische Plastikmist. Hier fährt noch Eisen und Stahl.

Unsere Bleibe ist auf jeden Fall zu 100% aus 1000 und eine Nacht. Das Riad 3 Cours besteht wie der Name schon sagt aus ehemals drei Häusern. Nun ist es Herrberge für gerade einmal 4 Gästezimmer. Ein kleiner Pool in der Mitte der Frühstückstische. Eine kleiner Brunnen im Zentralteil und ein kleines Atrium direkt vor unserer Zimmertür bilden den unteren Teil. Wir betreten unser Zimmer durch eine riese Holztür. Öffnen lässt sich aber nur eine kleine Innentür von vielleicht 1,60m Höhe. Tolle Verzierungen toller Mosaikfußbden drinnen und draußen.

Unser großes Einzimmer-Appartment ist wundervoll. Ein kleiner Holzkamin, der noch zu funktionieren scheint, ein großer Holzschrank und Holzfenster-Läden. Das abgetrennte Badezimmer mit Kupferwaschbecken und einer zu einem Pool ummauerten Dusche laden zu einer Erfrischung ein.

Unser Gastgeben Mohammed begrüßt uns erst am nächsten Morgen beim Frühstück. Sein Kollege und allzeit Helfer, dessen Namen ich verdrängt habe, hatte uns bisher alles gezeigt. Beim Frühstück werden wir üebrfrachtet mit leckeren Sachen. Eine Omlett wird gereicht zu Crepes mit großartigem Honig, noch viel besserem Joghurt und dem besten frischen Minztee, den ich vermutlich je getrunken habe ( was nicht viel heißen will, weil ich sonst nicht viel Tee trinken, aber jetzt könnte ich es mir sehr gut vorstellen ).

Anschließend bekommen wir erst eine kleine Führung durch das Riad bis hinauf zur Dachtereasse, die es noch ausgiebig zu nutzen gilt. Anschließend gibt es noch ein paar Tipps. Was muss man alles gesehen haben. Kutschfahrten kosten nur 100 Dirham, vielleicht 120, aber nicht mehr. Essen besser im Restaurant und weniger an den Ständen. Jetzt können wir endlich los.

So groß ist Marrakesch gar nicht. Nach 15min Fußweg stellen wir fest, schon ein Drittel der Altstadt durchquert zu haben. Erster Stopp: Koutoubia Minaret. Auf dem Platz kommt uns eine älterer Macaron-Verkäufer entgegen. Wir lehnen die erste Offerte dankend ab. Alles scheint gut. Dann begehe ich aber den ersten groben Fehler und fallen auf den Trick „Einer ist umsonst für meinen Freund“-Trick rein. Ich nehme einen. Doofer weise sind die wirklich gar nicht so schlecht als ich reinbeiße. Ich begehe den zweiten groben Fehler und sagen „Ich nehme fünf“, bevor ich nach dem Preis frage. Ich begehe den dritten großen Fehler verrechne mich weil ich den richtigen Umrechnungskurs noch nicht voll drauf habe. Und weil man als Deutscher das Feilschen nicht vernünftig gelernt hat kaufen dich die teuersten Kekese meines Lebens. Das wird mich noch den ganzen Tag begleiten, wie ich nur so dämlich gewesen sein konnte. Lesson One: Pfeilschen gehört dazu. Der genannte Preis hat nichts mit der Realität zu tun. Durch 20 ist vermutlich halbwegs Ok.

Wir gehen weiter. Ich ärgere mich. Das passiert mir nicht nochmal ist der feste Grundsatz. ABER der Marrokaner hat ja noch mehr auf Lager wie wir später feststellen werden.

Der große Markt, der zentrale Orientierungspunkt der ganze Stadt, ist Mittags noch gar nicht so groß. Der Platz ist vorwiegend leer. Eine paar einzelne Zelte stehen. Ein paar verhüllte Damen bieten Henna-Tattoos an. Es gibt einen Stand mit Schlangenbeschwörern. Da muss ich ja wenigstens mal vorbei laufen. Bloß nicht anhalten, soviel weiß ich. Aber die Jungs sind einfach zu schnell. Während des Laufens habe ich auf mal eine Schlange um den Hals, ein Hut auf dem Kopf und noch eine kleine Schlange dort oben drauf. „Nicht gefährlich“ wird mir lautstark klargemacht. Ich bedanke mich, nehme die Schlange von meinem Hals und will gehen. Die Stimmung kippt. Schließlich müsse man bezahlen für das Foto das man inzwischen gemacht hat. Zum Glück habe ich wenigstens etwas Kleingeld in der Tasche. Auch wenn es nicht seinen Vorstellungen entsprach.

Lesson Two: Das sind nette Menschen. Zu allererst will dir aber jeder was verkaufen. Immer nein sagen, nichts annehmen und schnell weg sein.

Wir gehen weiter. Der Marktplatz ist noch nicht sehr befüllt. Aber am Rand gibt ein paar Gassen mit jeder Menge Geschäften. Hier herrscht reges Treiben. Immer freundlich lächeln und weiter gehen. Ich traue mich kaum noch Bilder zu machen. Es könnte dich jemand anschreien und Geld dafür verlangen. In der Tat ist das in den meistens anderen Ländern deutlich weniger ein Problem als hier. Hier wird alles verkauft.

Und das gilt auch in diesen Passagen. Es gibt nichts, dass es nicht gibt. Aber vor allem gibt es jede Menge Mist für die Touristen hier. Den das ist hier die Mehrheut. Einheimische finden sich hier wenige. Nur unter den Verkäufern. Gefühlt geht es hier gesitteter zu. Nach 10 Minuten hat sich mein Misstrauen wieder sehr beruhigt. Ein Fehler, wie sich im Verlauf der Geschichte herausstellen wird.

Ein paar Straßen später, wir sind wieder aus den Gängen der Händler hinaus, weist uns ein freundliche Mann darauf hin, dass die Straße gesperrt wäre, in die wir gerade einbiegen wollten. Aber in jene Richtung wäre heute Berber-Markt. Berber sind eine eigene Volksgruppe. Er ruft noch seinem Kumpel hinterher, der gerade in die Richtung geht. Er zeigt uns den Weg. Wir laufen tatsächlich in die Richtung und werden ihn daher auch nicht los. Auch langsames Gehen hilft nicht. An der nächsten Ecke wartet er auf uns. Irgendwann werden wir in die Hände des nächsten Kumpels übergeben.

Der drückt uns auch schon Minzblätter in die Hand, als „Atemmaske“. Er zeigt uns nämlich jetzt tatsächlich der Gerbereien, die es hier in den Hinterhöfen gibt. Ok, dass wird wieder einen Obulus kosten, aber an der Stelle mache ich das gerne mit. Das sieht man ja sonst auch nicht. Es gibt noch ein paar Fakten mit auf den Weg. Die Marrokaner machen eher Kühe und Ziegen, während die Berber eher spezialisiert sind auf Kamel. Hier arbeiten beide zusammen. Mehrere tausend Felle sind hier in der Bearbeitung.

Man beachte die absichtlich unabsichtlich aufgehängte EU Flagge im Hintergrund.

Den Geruch bekommt man mit der Minze gut weg oder wenn man auf dem Bauernhof groß geworden ist. Man tritt hier sehr vorsichtig. Was hier alles auf dem Boden liegt … da möchte man nicht rein treten. Deutsche Arbeitsbestimmungen sind hier auch nicht bekannt. Gesund kann das auf jeden Fall nicht sein.

Und dann kommt der unangenehme Teil. Auf mal stehen wir dann doch in einem Laden in dem wir die Sachen von eben kaufen können. Und Teppiche. Auch hier kippt die Stimmung, als wir klar machen, keine Teppiche haben zu wollen. Bevor wir den Laden verlassen können wird noch eine ganze Busladung Touristen an uns vorbei auf die Dachterasse geschleust. Die Armen.

Damit hatte ich gehofft aus der Nummer wieder raus zu sein, aber nein, unser „Guide“ wartete schon vor dem Gebäude. Bei einem „Vielen Dank für die Tour, hier sind 10 Dirham für die tolle Führung, aber wir gehen jetzt weiter“, verstand er jetzt ja so überhaupt keinen Spaß mehr und wurde laut. Das wäre ja nicht für ihn, das wäre ja für „the Association“ und das wäre jetzt ja 100 Dirham, 50 pro Person. Hier bucht man Touren ohne es zu wissen. Fand ich nicht lustig. Da konnte ich dann auch bestimmt werden. 30 Dirham. Danke. Ende. Wusste ich nichts von. Schluss. Dann war aber auch gut. „Is Ok my friend.“ Er gab mir die Hand und wir gingen.

Lesson Three: Das sind nette Menschen. Zu allererst will dir aber jeder was verkaufen. Immer nein sagen, nichts annehmen und schnell weg sein. Ok, das hatten wir schon. Ist aber wichtig. Gilt doppelt.

Mit allen Wassern gewaschen gehts weiter. Lächeln. Nein. Weitergehen. Nur Fotos machen wenn keiner guckt. Und: Schnell weiter.

Wir landen irgendwann außerhalb der Stadtmauern der Altstadt und nehmen einen anderen Weg wieder rein. Kein Markt. Nur eine Schule und ein paar Kinder die auf der Straße spielen. Mal eine andere Ansicht der Stadt. Keine Touristen die sich hierhin verirrt haben. Hier muss es doch in Ordnung sein. Ein Jugendlicher gibt und den Tipp, gerade aus ist gesperrt. Geh mal lieber hier lang. Weil es selber wieder umdreht nehmen wir den Tipp gerne an. Ein Fehler.

Er schickt nämlich seinen Kumpel los. Der läuft dann vor uns her. Ein vielleicht 13 jähriger Junge der uns durch die Seitenstraßen führt. Wir versuchen nicht mir ihm zu reden. Das ist schon so häufig schief gelaufen heute. Wir hätten die eigentliche Straße nehmen sollen. Die war vermutlich nicht gesperrt.

Ich hole inzwischen das Smartphone aus der Tasche und navigiere lieber selber. Unseren Begleiter wurden wir aber leider nicht mehr los. Er ging wirklich in unsere Richtung. Andere Möglichkeiten gab es auch nicht.

Irgendwann kam das Unvermeidliche: Die Frage ob es denn jetzt für deine „Dienstleistung“ auch Geld geben würde. Ich verneinte. Hätte ich Kleingeld gehabt hätte ich mir wenigstens Ruhe kaufen können. Aber so lief er dann weiter vor uns her. Ich hätte jetzt ein „Big Problem“. Vorne würde Mafia sein. Überraschender Weise wartete da vorne nicht die Mafia auf mich. Nur noch ein paar Nachrufe „Fuck you.“ von ihm.

Lesson Four: Die Straßen sind nie gesperrt. Nie das tun, was dir andere raten.

Nach diesen Eindrücken kamen die gezielten Besichtigungen. Damit kommt man auch von den Straßen runter. Und die Eintrittspreise sind fest vorgegeben und werden nicht verhandelt. Wie angenehm. 10 Dirham. Keinen ganzen Euro, für:

  • Bahia Palace, ein im 19. Jhd. erbauter Palast mit Gartenanlage und wundervollen Deckenverzierungen und Schnitzereien
  • El Badi Palace, eine riesige Palastanlagen-Ruine aus dem Jahr 1578
  • Saadier-Gräber, eine Mausoleums-Anlage

Gegenüber der Saadier-Gräber gibt es ein schönes Cafe in das wir uns setzen. Auf der Dachterasse kann man wunderbar die Beine etwas ausruhen. Und die machen eine herrvorragende Linsensupper hier. Wirklich hervorragend.

Damit ist der erste Tag wirklich gefüllt. Wir schlendern langsam wieder zu unserem Riad. Wir kaufen noch zwei Flaschen Wasser.

Lesson Five: Wechselgeld immer nachzählen. Rechnen kann / will hier keiner richtig!

cheers.
Sebastian

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