Kilometer heute: 383 km
Kilometer gesamt: 659 km

Hallo und Humppa nach Deutschland,

Tag zwei unserer Reise ist vorbei. Wir hängen hier in Italien rum. Irgendwo nordöstlich von Genua in den Bergen Liguriens, oder ist das noch Parma? Keine Ahnung. Es gibt auf jeden Fall keine großen Städte in der direkten Nähe. Also nicht so, dass wir heute viel Auswahl für eine Unterkunft gehabt hätten. Aber dazu dann gleich mehr.

Erstmal können wir festhalten, dass das einer der Tage war, warum wir diesen Blödsinn eigentlich machen. Richtig tolle Ecken erwischt. Tolle Strecken. Tolle Menschen. Tolles Essen. Tolle Unterkunft. Kein Regen. Hach was ist das ein herrlicher Tag.

Als wir heute Morgen in unserem Hotel gestartet sind sah der Himmel noch relativ gemischt aus. Das Regenradar hatte angemeldet, dass wir heute noch einmal nass werden würden. Die Moppeds standen trocken im Keller. Unsere Jacken konnten wir ja im Heizungskeller aufhängen. Daher war der Regenanzug und die Jacke auch wieder trocken. Meine Stiefel, die wir auch dort haben stehen lassen können, haben leider nicht wirklich von der warmen Luft profitiert. Es ist kein schönes Gefühl Morgen mit den Füßen in die Stiefel zu steigen und dann quillt das Wasser direkt durch die Zehen nach oben.

Die Berge ringsherum waren noch etwas Wolkenverhangen. Aber mit dem klammen Gefühl wollte ich auch nicht gleich die volle Regenmontur anziehen sondern etwas an der Luft trocknen. Und wir wurden den ganzen Tag mit trockenem Wetter belohnt.

Erst noch einmal auf der anderen Straßenseite die Moppeds tanken. Ich hatte mein Mopped getankt nud wartete auf Lars. Da wurde ich von einem Mann angesprochen. Vermutlich warum ich mein Mopped geschoben haben ( um die Säule frei zu machen und für 3m wollte ich den Motor nicht starten ). Ich fing in Englisch an zu reden. Er winkte gleich ab „Ah. Pah. Inglese. Italiano!! Italiano!!!“ Hier gibts ganz klare Meinungen zur Internationalisierung. Ich hab weiterhin freundlich gelächelt. Zum Glück ist uns in dem Moment noch eingefallen, dass wir gestern Abend die Ausweise hinterlegt hatten. Die haben wir beim Auschecken vergessen. Schnell nochmal auf die andere Seite gerannt. Die Dame vom Frühstück war schon ganz aufgeregt und suchte schon nach den Nummern, ihr war das auch gerade aufgefallen.

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Distance: 0km

Das Navi hate heute Morgen gleich erstmal in den Abenteuermodus geschaltet. Gleich der erste Berge aka Hügel über den wir fahren wollten war dann doch eher eine Offroad Strecke. Oben auf dem Berg stand ich dann da – „Wohin will das Navi hier. Da ist keine Straße.“ Den Weg mitten durch den Wald haben wir dann doch nicht genommen. Also wieder die Strecke runter die wir rauf gefahren waren und einen Bogen außen herum gefahren.

Wenn wir gestern irgendwo einen Berg rauf gefahren waren, dann mussten wir immer den Sturzbächen ausweichen, die den Berg hinabliefen. Irgendwo muss das ganze Regenwasser ja hin. Also haben wir den ganzen Tag nur Tiefwasserquerung gemacht. Naja fast. Aber schön, dass wir das heute nicht mehr mussten.

Die erste richtig geile Straße mit kleinem Pass ist die SP345. Eine Bergpass durchs Naturschutzgebiet. Wir hatten und schon gefreut. Den ganzen Tag noch kein Mopped gesehen und dann fährst du diese richtig richtig tolle Strecke und hast sie für dich alleine. Erstmal anhalten und noch ein Foto machen. Und dann überholt dich der Motorradkorso mit 20+ Maschinen. Na toll. Doch so eine typische Motorrad-Route ausgesucht.

Die haben wir dann aber wenig später oben alle auf dem Bergrücken wiedergesehen. Da haben die sich alle auf der Hütte für das zweite Frühstück getroffen. Die Straße den Berg runter hatten wir wieder komplett für uns alleine. Da ist keiner früher mit dem Essen fertig geworden.

Die Strecke ist großartig. Macht richtig Spaß und bietet eine tolle Aussicht. Also auch diese Ecke ist schwer zu empfehlen. Wir cruisen noch ein wenig durch die auslaufende Bergregion der Alpen und genießen kleine Bergdorfstraßen und noch ein paar Landstraßen bevor wir die Region um Brescia erreichen. Die Berge sind weg. Jetzt pendeln wir ein wenig über das Flachland.

Auch das Flachland und die Landstraßen haben ihre Reize. Das ein oder andere Dorf oder kleines Städtchen ist sehr nett anzusehen. Vor allem machen nach den ganzen Kurven und kleinen Ecken auch ein paar entspannte, gerade Stücke etwas Spaß. Außerdem schafft man ja sonst auch keine Kilometer.

Den großen Leib Käse, der hier als Werbung und Willkommenstafel in der Mitte des Kreisels steht, kennst du doch. Na toll. Wieder ein kleines Stück, dass ich bereits im letzten Jahr gefahren bin. Nun gut. Hier ist das nicht so schlimm. Auf der Ecke gibt es eh keine große Auswahl an Alternativrouten, wenn man nur durch will in Richtung der nächsten Berge.

Vorher aber noch durch ein paar Maisfelder. Lange gerade aus. Viel Mais. Ok, es kann natürlich nicht konkurrieren mit dem USA, wo wir Tagelang geradeaus durchMaisfelder gefahren sind. Aber für 5min kommt es dir so vor.

Wir kommen durch die Region Parma. Ich freu mich schon auf guten Schinken und Käse heute Abend.

Aber vor allem fahren wir jetzt durch Weinberge. Sehr viele davon. Links und Rechts Wein. Berge mehr so im Sinne von Hügeln, wenn man gerade aus den Tiroler Alpen kommt. Aber so wie sich das hier durch die Landschaft zieht sind das wieder sehr tolle Strecken zu fahren.

Ab Bardi wird es dann auch wieder richtig bergig. Also immer noch keine Alpen, aber schon so, dass die Straßen nicht mehr geradausgehen, sondern rauf und runter. Oder eben in schönen Kurven um die Berge drumherum.

Die Entspannung der Strecke über Land ist vorbei. Jetzt muss wieder gearbeitet werden. Das Mopped will durch die Kurven bewegt werden. Es sind so großartige Strecken. Unglaublich tolle Straßen. Griffig. Trocken. Kurvig. Mal entspannt, mal interessant. Immer mal wieder stehen hier irgendwelche alten Industrieruinen in den Tälern. Ein paar Lost Places lassen sich hier gut fotografieren.

Wir haben auch inzwischen wieder 25°C. Das schlechte Wetter von gestern ist vollkommen vergessen. Meine Stiefel sind weitgehend gut gelüftet und im Grund schon wieder trocken. Es werden immer mehr Lüftungen von der Jacke aufgemacht, weil es schon zu warm wird. Ein Traumwetter zum Fahren. Erst recht, wenn man noch das nicht so tolle Wetter und das abgesoffene Navi von gestern im Kopf hat.

Aber es kommt doch zu dem nächsten technischen Ausfall. Lars Telefon lädt nicht mehr in der dafür vorgesehen Halterung. Noch bevor er was gesagt hat wird ein neues Kabel gekauft mit dem Verdacht, dass es daran liegt. Nicht, dass ich nicht mindestens zwei passende Kabel in der Tasche hätte um das zu testen. Es war natürlich nicht das Kabel. Gut, dass mein Navi inzwischen wieder funktioniert und auch navigieren kann.

Wir erreichen das Gebiet Emilia-Romagna und Liguria. Man könnte meinen, dass es hier ein
Austauschprogramm mit dem Rumänischen Straßenbauamt gibt. Die Schlaglöcher an der ein oder anderen Stelle erinnern stark daran. Aber hinter der nächsten Kurve sieht es dann schon wieder ganz anders aus und wir pendeln so durch die Kurven.

Weil die Strecke so super ist, lassen wir einfach laufen. Erst gegen 18h gucken wir einmal auf das Wetter und nach Übernachtungen. Weil es heute Nach vielleicht regnen könnte wollen wir wieder eine feste Unterkunft ansteuern. Doof nur, dass wir genau in der Ecke sitzen, die keine Hotels zu kennen scheint.

Im Umkreis von einer Stunde Fahrt gibt es im Grunde nur ein Hotel. Und das liegt mit 150€ pro Nacht eigentlich eher deutlich über dem normalen Budget. ABER es ist ein Schloss. Also so eher so ein kleines. Ein Castello. Und weil wie keinen Bock haben noch 2 Stunden irgendwo hin zu fahren, schlafen wir heute Nacht halt in einem kleinen Schloss.

Ist das geil. Gefühlt sind wir weit ab von allem. Das nächste Mini-Städtchen ist 10min entfernt. Hier stehen aber nur so 5-6 Häuser auf einem Haufen. Und eben das Castello. Und das ist wirklich ziemlich cool.

Als wir von den Moppeds absteigen, steht da schon ein Mann in dem 5m großen Holztor. Kaum hatten wir die Helme ab, werden wir auch erstmal mit Handschlag begrüßt. Michelangelo – Name von der Redaktion frei erfunden weil nicht gemerkt – ist wirklich höflich und zuvorkommend und scheinbar hier der Landlord und Burgfürst. English klappt nur so in einzelnen Worten. Aber mit Händen und Füßen kommen wir prima durch.

Wir werden freundlich hereingebeten. Man hat uns genügend Raum zum Staunen gegeben. Alles ist so großartig hergerichtet. Fast unwirklich. Mit so viel Liebe zum Detail. Stromkabel, wenn nötig, sind in Stoff gefasst und aufgedreht. Nicht ganz 14 Jahrhundert, oder von wann auch immer die Burg ist, aber immerhin. Verteilerdosen sind aus Porzelan. Im Frühstücksraum brennt der Ofen. Um den Ofen steht die alte Sitzgruppe. Hier gibt es bestimmt jeden Abend Rotwein und tolle Kaminfeuergeschichten. Es gibt erstmal ein Begrüßungsgetränk. Kein Rotwein. Er scheint das mit seiner Frau alleine zu machen.

Das Castello scheint nur vier Zimmer zu haben, entnehmen wir dem Notfallplan. Wir haben mit das größte Zimmer. Ein großes Doppelbed und zwei Einzelbetten. Alles ist neu gemacht. Also was Badezimmer oder Fußboden angeht. Aber Betten oder Schränke alles alte aufgearbeitete Stücke. Allein was hier an Werten an Möbeln drin stehen. Was auch die massiven Türen, Böden, Treppen und das eingebaute Badezimmer gekostet haben müssen. Es ist alles sooo toll gemacht. Es hängen alte Bilder. Alte Stühle. Alte kleine Kistchen auf der Anrichte. Alles picobello sauber. Wahnsinn!

Michelangelo zeigt uns auch eine Liste mit Restaurants in der Stadt, durch die wir schon gefahren sind. Ob er anrufen soll um für uns was zu reservieren. Es wäre vermutlich schon alles belegt um die Zeit. Aber wir winken ab. Wir fahren selber los und machen es unkompliziert und spontan.

Nachdem wir ausgeladen haben geht es in das Städtchen. Es ist inzwischen schon dunkel. Wir parken einfach auf einem Parkplatz in der gefühlten Stadtmitte und gehen los. Gleich in das erste „Pub / Bar“. Da sitzen Leute drin und haben Spaß, das sieht gut aus. Ein „Table for two“ ist auf Nachfrage noch frei. Man führt und nach oben. Hier gibt es über der Bar mit Stehtischen noch einen Restaurantbetrieb.

Eine Karte gibt es nicht. Die Menüs werden vom Handzettel vorgetragen. Die erste Kellnerin fragt wie gut unser Italienisch sein. Wir winken eher ab. Aber die Kollegin kann aber Englisch. Und zwar super. Weil wir ja nahe der Region Parma sind, gibt es eine Anti-Pasti Platte mit Käse und Schinken vorweg. Danach ein Pfeffersteak für jeden. Mit Gemüse und Kartoffeln. WAR DAS EIN FEST. Es war ein mehr als hervorragendes Essen. Die Käse und Schinken sind natürlich von bester Qualität. Die Schinken schmelzen im Mund so zart sind die. Das Steak ist auf den Punkt und ich möchte mich in die Soße legen. Weil das Hauptessen schon so gut war muss ich mir den Magen mit einer Panacotta verrenken. Auch hier lässt man sich nicht lumpen. Alles in allem zahlen wir mit Getränken 75€. Besser hab ich vor so einen Preis nie gegessen.

Was für ein großartiger Tag was Strecke, Unterkunft und Essen angeht.

Die Schlossherren sagen gute Nacht für heute.

cheers.
Sebastian

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